• Die Geschichten zeigen, wie aufregend und voller Abenteuer ein ganz normaler Tag für Kindergartenkinder sein kann!

    Spannender Alltag für Kita-Kinder

    Sechs Geschichten über Themen, die im Alltag von jedem Kindergartenkind sicher früher oder später auftauchen: einen Freund finden, Radfahren lernen, sich ein Haustier wünschen, in Urlaub fliegen, nach einem Sturz ins Krankenhaus müssen und Geburtstag feiern.

    In der Umsetzung sind diese sechs Themen sehr gelungen und eng am täglichen Erleben von Kindern angelehnt. Da gibt es den älteren Bruder, der die Hauptfigur Tim und seine Freunde Leon und Annika immer ärgert und als „kleine Quieker“ tituliert – meine Enkel kommentierten sofort mit „der ist aber so gemein….“.

    Beim Abschnitt zum Radfahren hat mir gut gefallen, dass das Mädchen als erste mutig den Hügel runtersaust und sehr stolz darüber ist, mir ist bei Enkeltöchtern wichtig dass es in Büchern Rollenvorbilder gibt, die sich nicht an den üblichen Geschlechterklischees orientieren.

    Tim hingegen macht den typischen Fehler beim Radfahren: sich umschauen und dabei den Lenker verreißen

    Wer kennt das nicht! Sowieso gibt es im Buch einige Fehler und Unfälle, die die Kinder machen, genau wie im richtigen Leben. Vor allem, da Tim und seine Freunde schon ein wenig experimentierfreudig und phantasievoll sind und sich nicht von Hindernissen entmutigen lassen, als Figuren sehr sympathisch beschrieben.

    Da bekommt Tim ein Meerschweinchen und hält sich nicht daran, es im Käfig zu lassen – prompt versteckt es sich im Schlafzimmer der Eltern, nachdem es nachts so einiges angeknabbert hat. Und das die Eltern dann eben auch mal schimpfen, bevor sie beim Einfangen helfen, gehört ja auch dazu.

    Ebenso als sich Tim im Urlaub verläuft, weil ihm im Cafe langweilig geworden ist und er schonmal losgeht – wichtig auch da die Reaktion der Eltern, als sie nicht schimpfen sondern erleichtert reagieren. Es wird oft auch die Reaktionen der Umwelt auf das Verhalten der Kinder mitgeteilt, was mir gut gefällt, der darin enthaltene Perspektivwechsel vermittelt auch schon kleineren Kindern, worauf Erwachsene ansprechen.

    Inhaltlich am interessantesten fanden meine Enkel und ich das Kapitel über Tims Krankenhausaufenthalt nach einem Sturz.

    Die kleine Schwester musste auch schonmal mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus und genäht werden, und sie war jetzt noch ganz aufgeregt das gleiche bei Tim zu sehen: „A. auch Loch im Kopf, und die Ärztin hat das genäht“ und sie zeigt dann immer sofort die eigentlich schon nicht mehr sichtbare Narbe.

    Entlastend, dass auch andere Kinder im Krankenhaus weinen und Angst haben, und dass die Eltern bleiben können – das vermittelt neben einem adäquaten Gefühl zum Geschehen auch gleich den Umgang damit.

    Und schon beeindruckend, wie lange sie der eigene Unfall noch beschäftigt und die Erinnerung durch die Buchgeschichte sofort wieder sehr lebendig da ist.

    Das Buch endet mit der Geburtstagsfeier von Tim. Und klar, der Wunsch meiner beiden Enkelinnen war dann gleich, den nächsten Geburtstag auch als Cowboy und Indianer in Kombi mit einer Schnitzeljagd zu feiern. Ich vermute, das könnte sich noch ändern, aber der Gedanke ein richtiges Lagerfeuer zu machen und Stockbrot zu rösten hat ihnen schon erkennbar gut gefallen. Würstchen wurden von ihnen hingegen sofort abgelehnt „Ich esse keine kleinen Schweinchen mehr“. Für mich ein gutes Beispiel dafür, dass die Geschichten von Katharina Wieker die Kinder in ihrem eigenen Erleben erreichen und mitnehmen, sie können sich damit gut identifizieren.

    Die Geschichten sind alle reichlich und in sehr lebendigen, bunten und ansprechenden Farben bebildert, was vor allem für die jüngeren Kinder sicher sehr wichtig ist, zumal die Texte relativ lang sind.

    Ich schätze es so ein, dass einige 3jährige von der Textlänge der Geschichten überfordert sein könnten, bei meiner jüngeren Enkeltochter (knapp 3 Jahre) war das jedenfalls so, und sie liebt eigentlich Bücher und hat wenig Probleme, konzentriert auch mal länger zuzuhören. Aber auch wenn der Text nur eine halbe Seite einnimmt, 24 Seiten pro Geschichte ist schon einiges in dem Alter. Einziger Kritikpunkt meinerseits ist die Schleichwerbung auf dem Bild eines Flugzeuges, ich finde das muss echt nicht mehr sein.

    Fazit: eine gelungene, sehr kindgerechte und realistische Umsetzung wichtiger Alltagsthemen für Kindergartenkinder, sprachlich passend, mit schönen Bildern illustriert. Die Geschichten zeigen, wie aufregend und voller Abenteuer ein ganz normaler Tag für Kindergartenkinder sein kann! Von der Länge her ca. ab dem 3,5 bis 4. Lebensjahr eine klare Vorleseempfehlung meinerseits.

    Unsere Buchbotschafterin: Gudrun Niewendick hat das Buch mit drei Enkelkindern (von knapp 3 Jahren bis 4,5 Jahre)

    Autorin: Katharina Wieker
    Illustrationen: Katharina Wieker
    Titel: Das Vorlesebuch für Kindergarten-Kinder
    Verlag: ellermann im Dressler Verlag Hamburg
    Erscheinungsjahr: 2017
    Umfang: 160 Seiten, fester Einband
    Preis: 7,99 Euro
    Alter: 3-6 Jahre

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