• Sternträger: Ich kann dieses Jugendbuch nur allen wärmstens empfehlen, Jugendlichen und Eltern es gemeinsam zu lesen und miteinander ins Gespräch zu gehen.

    Ein bemerkenswertes Buch von Geschichten jüdischer Kinder und Sternträger, die aus ihrer Perspektive die Zurückdrängung der Menschen in Judenviertel bis zur bevorstehenden Deportation in Konzentrationslager schildern

     

    Berührend und zugleich voller kindlicher Hoffnung, wie es nur Kinder, mit ihrem Blick auf die Welt haben. Schon 1962 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und nun neu von Mirijam Pressler übersetzt.

    Meine Tochter Nele, 15 Jahre „Mama, ich kann das Buch einfach nicht lesen! Es ist zu traurig!“

    Okay, also tat ich es. Und war sehr überrascht, dass ich es nicht kannte, obwohl ich mich, als Jugendliche im Osten aufgewachsen, sehr mit dem Nationalsozialismus beschäftigt habe, weil mich diese Zeit und der Umgang mit den jüdischen Menschen immer sehr bewegt hat.

    In „Sternkinder“ kommen die Kinder zu Wort. Jedes Kapitel beinhaltet eine Geschichte eines Kindes oder Jugendlichen. Da ist die Klavierspielerin, deren Klavier weggeben werden muss, weil die Familie bald abgeholt wird. Sehnsüchtig steht sie vor einem Musikladen und wünscht sich eine Blockflöte, weil man die überall mit hinnehmen könnte. Ihre Mutter geht in den Laden, weil sie das Schild übersehen hat, Juden unerwünscht.Natürlich wird sie direkt darauf hingewiesen.

    Da ist das Mädchen, deren Mutter ihr erzählt, sie besuchen ein Puppentheater. In Wahrheit bringt sie sie zu einer Tante, weil sie blond ist und gute Chance hat, als Jüdin unerkannt zu bleiben. Das Kind spürt den Schmerz beim Abschied der Mutter und tröstet: „Wenn du nicht weinst, darfst du das nächste Mal auch mit, ja?“

    Da ist die Mutter, die ihr krankes Kind ununterbrochen still, damit es nicht weinen muss. Sie bleibt auf der Krankenstation und wird vorerst nicht deportiert. Da ist die Jugendliche, die sich von einem „Grünen“, einem Deutschen, küssen lässt, damit er sie mit ihren Papieren durchwinkt. Sie spürt, dass sie danach nicht mehr dieselbe ist….

    Und während man als Leser noch bewegt durch die vorherige Schilderung ist, schlittert man schon wieder zur nächsten und weiter und weiter. Es hört nicht auf und geht so tief unter die Haut!

    Die Stärke dieses Buch ist seine Authentizität und seine sachliche und doch zum Teil kindliche Sprache. Es wird nichts beschönigt. Es schildert und macht Umstände deutlich. Es werden keine Namen benutzt. Es geht um sie und um ihn, wahrscheinlich wären Namen überflüssig und beliebig austauschbar, weil die Inhalte vielen Kindern ähnlich passiert sind, weil sie einfach so viele waren.Von den deportierten Kindern kamen fast keine zurück. Das Vorwort macht deutlich, dass die Autorin Clara Asscher-Pinkhof viele Situationen selbst gesehen hat, da sie als jüdische Freiwillige in der Hollandsche Schouwburg, einer Sammelstelle für Juden vor dem Weitertransport in Lager, selbst geholfen hat.Als eine der wenigen Gefangenen wurde sie für einen Austausch nach Palästina vorgesehen und überlebte, als ihr Werk 1946 in den Niederlanden erschien.

    Als ich meine Freundin, die Gymnasiallehrerin ist, fragte, warum Anne Frank heute nicht mehr in der Schule gelesen wird, sagte sie, weil es unsere Jugendlichen nicht mehr verstehen würden.

    Daher freut es mich eigentlich um so mehr, dass „Sternkinder“ neu aufgelegt wurde und hoffe, dass dieses Buch Einkehr in die Schullektüre hält, da es so ein wichtiges Zeitzeugnis ist und unsere Kinder und Jugendlichen, inmitten einer neuen Politikbegeisterung „Friday for future“, auch wissen mögen, dass neben der Umwelt auch der Frieden und die Toleranz wichtig ist, um gut leben zu können.

    Ich kann dieses Jugendbuch nur allen wärmstens empfehlen, Jugendlichen und Eltern es gemeinsam zu lesen und miteinander ins Gespräch zu gehen.

    Auch meine Tochter werde ich noch einmal bitten, es weiter zu lesen. Die Geschichte lehrt uns, dass manche Sachen nie wieder passieren dürfen, daher müssen wir sie aber auch kennen und wissen, was passiert ist, auch wenn sie uns bis ins Mark hinein berührt. Doch wer sich berühren lässt, wird weniger empfindlich für Hass und Hetze gegen Mitmenschen sein, weil sie/er/es weiß, was einmal passiert ist…

    Unsere Buchbotschafterin: Sandra Frommhold, Mutter von drei Kindern ( zwei Mädchen 15, 4 Jahre und ein Junge 11 Jahren) hat das Buch  gelesen.

    Clara Asscher-Pinkhof: Sternkinder
    Dressler  2018
    285 Seiten
    16 Euro
    Zielgruppe: Jugendliche ab 14 Jahre

     

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