• Wie vermittelt man Kindern was Tod und Verlust bedeutet

    In Wort und Bild tolles Kinderbuch: Umgang mit Verlust und Tod

    Wie vermittelt man Kindern ab 4 Jahren, was Tod und der VerlustWie vermittelt man Kindern ab 4 Jahren, was Tod und der Verlust des wichtigsten Freundes ist? Ein schwieriges Thema, was Sandra Dieckmann sehr sensibel, berührend aber ohne Kitsch oder falschen Trost in der Geschichte vom Fuchs und Wolf umsetzt.

    Beide verleben schöne, unbeschwerte Tage im Zusammensein und Spiel, bis der Wolf sagt „Morgen bin ich Sternenlicht“. Der Fuchs trauert, ist verzweifelt, sucht den Freund am Sternenhimmel, akzeptiert schließlich den dauerhaften Verlust und denkt an die schönen gemeinsamen Erinnerungen, die Trost und Ruhe spenden. Diese typischen Reaktionen nach einem so großen Verlust werden in kurzen, sehr stimmigen Sätzen und Bildern umgesetzt, sind für Kinder gut nachvollziehbar. Auch der Sternenhimmel als Ort, an dem Tote sind, ist für Kinder ein gut annehmbares Bild. Und sehr tröstlich: der Freund ist zwar weg aus dieser Welt, aber am Sternenhimmel doch immer da, das macht den Weg frei schöne Erinnerungen in die Zukunft mitzunehmen. Ich kenne kein Kind, was keine Sterne oder Sternenhimmel mag, ein positiv besetzter Ort. Die Altersempfehlung ab 4 Jahren empfinde ich passend, für jüngere Kinder stellt das Buch m.E.n. schnell eine Überforderung dar.

    Ich habe das Buch mit dreien meiner Enkel gelesen. Die älteste von ihnen hatte Tod erfahren, als die Mutter einer Kitafreundin im letzten Jahr gestorben ist.

    Sie zog dann auch sofort den Vergleich und sagte „Die Mama von …. ist ja jetzt auch ein Stern“. Ich glaube, dieser Umgang ist nicht nur für Kinder tröstlicher als die Vorstellung von nicht mehr existent sein. Wir haben auf dem letzten Bild des Sternenhimmels im Buch überlegt, welcher Stern wohl am besten zum Wolf passen würde – klar war es der der am hellsten leuchtete.

    Die Reaktion meiner 5jährigen Enkelin auf das Buch insgesamt war ehr ruhig, verhalten, etwas nachdenklich.

    Es ist kein aufregendes Buch, sicher nicht zum Lachen oder nachspielen. Aber es spricht Kinder emotional erkennbar an. Es regt aber auch zu Widerspruch, so stellte mein 4jähriger Enkel fest „Der Wolf kann doch gar kein Sternenlicht am Himmel werden, er hat doch keine Flügel um dahin zu fliegen“.

    Als Erwachsener muss man sich bei diesem Buch auch auf direktes Nachfragen einstellen. So fragten beide, wann denn ich (als Oma) oder der Opa sterben würde. Ich finde es wichtig, da ehrlich zu antworten, ohne Angst zu machen, nicht so ganz einfach bei diesem Thema.

    Die Bilder sind wunderschön gestaltet. Gleich das Cover besticht: ein Sternenhimmel und Umrisse von Bergen und Blumen in silberfarbigen, glänzendem Druck vor dunklem Hintergrund spricht sofort an. Wenn ich dieses Buch in einer Buchhandlung gesehen hätte, ich hätte es sofort in die Hand genommen. Die Bilder sind farblich sehr gut aufeinander abgestimmt – das gemeinsame Spiel in helleren, freundlichen Farben, die Phase der Trauer ehr dunkel aber nicht düster oder bedrückend gehalten. Die Emotionen des Fuches von Freude, Ausgelassensein über Verzweiflung und Trauer werden gut erkennbar ausgedrückt. Die Bilder sind detailreich, aber nicht überfrachtet, für 4jährige immer noch schön etwa ein kleines Mäuschen oder einen Schmetterling in der Landschaft zu entdecken. Der Enkel fand den Pfotenabdruck an der Höhle des Wolfes am besten. Die Landschaft, etwa die Berge im Hintergrund, wirken wie mit Ornamenten verziert. Es ist einfach schön, die Bilder zu betrachten und wirken zu lassen. Der Text ist dafür ehr kurz, aber prägnant gehalten.

    Einziger Kritikpunkt meinerseits: Fuchs und Wolf werden als Eigennamen der Tiere benutzt, ohne Artikel. Das habe ich jetzt schon häufiger in Kinderbüchern gesehen, und das finde ich unpassend

    Gerade in dem Alter, wo korrekter Spracherwerb so wichtig ist und durch ständiges Hören gefördert wird, finde ich das Weglassen von Artikeln echt nicht angebracht. Es ist ehr in Stilmittel in der Erwachsenenliteratur, und auch da wohl Geschmackssache. Was meiner Meinung nach dann aber gar nicht geht ist den Fuchs immer in männlicher Form zu bezeichnen, dann aber weibliche Pronomen zu benutzen, Beispiel „Fuchs dachte an ihren Freund Wolf und lächelte“. Dann doch wenigstens Füchsin! Ich habe das gelöst, indem ich beim Vorlesen aus „Fuchs“ einfach „die Füchsin“ gemacht und auch sonst immer Artikel ergänzt habe.

    Davon abgesehen lautet mein Fazit: ein in Wort und Bild tolles Buch, um sich mit Kindern zusammen dem schwierige Thema Verlust und Tod zu nähern.

    Unsere Kinderbuch-Testerin: Gudrun Niewendick hat das Buch mit ihren vier Enkelkindern (von knapp 3 Jahren bis 4,5 Jahre) gelesen

     

    Autorin und Illustratorin: Sandra Dieckmann

    Titel: Morgen bin ich Sternenlicht

    Verlag: Loewe

    Erscheinungsjahr: 2021

    Umfang: 32 Seiten, gebundene Ausgabe im Großformat 24,5 x 30,5

    Preis: 15 Euro

    Alter: ab 4 Jahre

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