• Meine Kinder waren fassungslos darüber welche Rolle die Hautfarbe spielen kann und erschüttert, dass Rassismus heute noch immer Alltag ist

    Jugendbuch über Rassismus und Polizeigewalt in Amerika

    Das Buch „Dear Martin“ ist das Debüt von Nic Stone in dem es um Rassismus und Polizeigewalt geht und ich habe es gemeinsam mit meinem 16-jährigen Sohn und meinen beiden 14-jährigen Töchtern gelesen. Der 17-jährige Justyce McAllister ist einer der Jahrgangsbesten und Captain des Debattierteams in seiner Schule und ein Studienplatz in Yale ist ihm auch bereits sicher. Als er seine betrunkene Exfreundin nach Hause bringen möchte, nimmt ihn die Polizei fest, da sie davon ausgeht, dass er sie vergewaltigen will, aber der eigentliche Grund ist Justyce Hautfarbe. Er ist schwarz und auch die Eltern seiner Exfreundin konnten nichts an seiner Festnahme ändern. Erst dank der Mutter seiner Debattierpartnerin kommt er frei und entgeht einer Anklage. Dieses Erlebnis rüttelt ihn wach und er setzt sich mit den alltäglichen politischen Situation, Vorurteilen und Rassismus in Amerika auseinander. Dazu beginnt er Briefe an sein großes Vorbild Martin Luther King zu schreiben. Der Schreibstil von Nic Stone ist fesselnd und eingängig. Durch verschiedene Erzählweisen wird das Buch abwechslungsreich, mal wird aus der Perspektive von Justyce geschrieben, mal sind es seine Briefe an Martin Luther King und dann gibt es auch noch Verhörprotokolle.

    Die Charaktere werden detailliert beschrieben, man erlebt mit ihnen Höhen und Tiefen, Ungerechtigkeiten, bei denen man einfach nur laut schreien möchte und die bei uns für starke Reaktionen und Emotionen gesorgt haben.

    Meine Kinder waren fassungslos darüber welche Rolle die Hautfarbe spielen kann und erschüttert, dass Rassismus heute noch immer Alltag ist.

    Kritisch beschreibt die Autorin wichtige Themen wie Rassismus, die Polizeigewalt und die Gangs in Amerika. Meine Kinder waren teilweise erschrocken und erstaunt darüber, dass das Buch in der heutigen Zeit spielt. Fassungsloses Entsetzten über die Übermacht, der nicht nur Justyce ausgesetzt ist, hat sie dazu bewegt sich auch nach Beendigung des Buches noch weiter mit der Thematik auseinanderzusetzen.

    „Dear Martin“ ist ein Buch, das wachrüttelt, erschüttert und auch beängstigend ist. Aber es zeigt die Realität, öffnet die Augen und setzt sich altersgerecht mit dem Thema Rassismus auseinander.

    Wir hatten durch das Buch eine Menge Diskussionsstoff über den Rassismus in Amerika, die Macht der Polizei und das Unvermögen Einzelner über ihren Tellerrand hinauszublicken. Ich könnte es mir gut als Schullektüre vorstellen, da der Schreibstil sehr schonungslos, ehrlich und kritisch ist, aber trotzdem die Sprache der Jugend trifft, wofür auch die kleine zarte Lovestory am Rande sorgt, die insbesondere meine beiden Töchter sehr berührt hat. „Dear Martin“ ist in jedem Fall ein Buch, das uns im Gedächtnis bleiben wird – politisch brisant und überzeugend.

    Autor: Nic Stone
    Titel: Dear Martin
    Verlag: rowolt rotfuchs
    Erscheinungsjahr: 2018
    Hardcover: 256 Seiten
    Preis: 17,99 €
    Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahre

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