• Ausweg Pflegefamilie? Das Mädchen kümmert sich um den Haushalt, autistischen Bruder, die depressive Mutter und darum…

    Wunderbar berührend, mit starken Figuren!

    Ein wunderbar berührendes Buch mit ernsten Themen wie Autismus, Depressionen, Heimatverbundenheit, Pflegefamilie aus Sicht einer starken 12jährigen.

    Sandra Frommhold, Mutter von drei Kindern ( zwei Mädchen 13, 2 Jahre und ein Junge 10 Jahre) möchte euch dieses Buch vorstellen:

    Darum gehts:  Die 12jährige Scarlet, Ich-Erzählerin, rockt zu Hause alles. Sie kümmert um den Haushalt, um ihren autistischen Bruder Red und vor allem um die depressive Mutter und darum, dass Mrs.Gideon vom Jugendamt den wirklichen Zustand ihrer Familie nicht kennenlernt. Doch durch ein Feuer platzt die Seifenblase und Scarlet wird von ihrem Bruder getrennt in einer anderen Pflegefamilie untergebracht.

    Als Leser fühlt man Scarlets Hilflosigkeit in der neuen Familie ohne ihren Bruder, entrissen aus ihren Wurzeln. Nur Little Red, das kleine Vogeljunge, dass sie nach dem Feuer in ihre Schultasche gerettet hat, gibt ihr Halt. Gill Lewis thematisiert hier die Entwurzelung der Geschwister und weist später im Epilog auf die Folgen von Geschwistertrennung hin, einer verbreiteten Maßnahme in Großbritannien, wo die Geschichte auch spielt, weil pädagogische Gründe und angeblich individuelle Bedürfnisse der Kindesentwicklung eine höhere Rolle spielen als die vertraute Beziehung zu den geliebten Menschen.

    Die Figuren sind ganz toll gestaltet, viele Themen werden lediglich beschrieben, statt zu benennen (wir als Erwachsene denken uns die Depression und den Autismus), die Kinder lesen, das einzige was Mama aus dem Feuer rettet, ist das Foto von Scarlets Dad. Kein Wunder, dass Scarlet darauf hin Hals über Kopf das Krankenhaus verlässt, entsetzt, dass die Mutter überhaupt nicht an den Bruder gedacht hat.

    Die neue Pflegefamilie ist für Scarlet ein großer Halt, die Pflegegeschwister helfen Scarlet ihren Bruder heimlich bei der alten Mrs.Popescu zu verstecken.

    Natürlich fliegt es auf…Mrs.Popescu erinnert an die Taubenfrau aus Kevin allein in New York, ein tolle Figur, mit einer richtig traurigen Geschichte. Meine große Tochter war mit ihren 13 Jahren danach total berührt, weil auch Mrs. Popescu Pflegekinder hatte, die ihr weggenommen wurden, weil ihr Mann als Arzt sich gegen den rumänischen Staat auflehnte. Eine traurige Parallele zur Neuzeit, die eben heute durch Pädagogik begründet wird.

    Wir glauben, dass das Buch für Kinder ab 12 Jahren am besten geeignet ist, da es so viele Themen anschneidet, die man als 10jährige/r noch nicht überblicken kann.

    Es ist inhaltlich sehr tiefgründig geschrieben und trotzdem gut verständlich für diese Altersgruppe. Wenn man dieses Buch zum Beispiel mit Fränkie Stein von Grolik vergleich, wird deutlich, wie unterschiedlich das Niveau der Texte ist. Gill Lewis versteht ihr Handwerk als Autorin! Sie kann märchenhafte Motive (Mrs.Pompescu) in eine Realtität verpacken und die Praxis der Geschwistertrennung thematisieren, ohne die Leser zu überfordern. Die Innenseiten des Buches sind mit Vögeln gestaltet, die wie Little Red durch das ganze Buch führen, am Ende erfährt der Leser, dass sie eben für die Kinder der Mrs. Pompescu stehen. Ansonsten kommt das Buch mit wenigen Bildern aus, weil die Geschichte und die Bilder der geschriebenen Worte aussagekräftig genug sind.

     

    Das Buch lebt von seiner Darstellung der Situationen, von seinen geschriebenen Bildern, die sich im Kopf auftun. Es ist ein absolut bemerkenswertes Buch für Kinder, die gerne und viel lesen, weil es eben tiefgründig ist.

    Scarlet macht Mut! Sie kämpft, sie nimmt die Erwachsenen-Rolle ein, sie übernimmt Verantwortung, vielleicht schafft sie es auch jungen Lesern Mut zu machen, die ein ähnlich schweres Leben haben. Meine Tochter sagte am Ende: „Mama, wir haben es eigentlich ganz gut!“

     

    Gill Lewis , Ein Zuhause für immer,
    DTV
    2017,
    217 Seiten
    Zielgruppe: Kinder ab 10 Jahre,

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