• Die Spielidee gefällt mir sehr gut,da die Kinder ein Gefühl für Geschwindigkeiten und Zeit bekommen

    Piep Piep – wie weit kam der Roboter? – Wenn Sechsjährige sich einigen müssen

    Meine Kinder lieben Spiele jeglicher Art. Als sie auf meinem Schreibtisch das Spiel „Wir sind die Roboter“ entdeckten, waren sie sofort Feuer und Flamme. „Mama, lass uns Roboter spielen“, tönte es aus den Mündern der beiden Sechsjährigen. Mamas Kaffeepause musste somit warten und ich begab mich mit den Zwillingen an den Esszimmertisch und wir packten das Spiel gemeinsam aus.

    Die Spielidee: Auf den Bildkarten finden sich „Rennstrecken“ mit unterschiedlichen Bildern als Streckenabschnitt oder Haltespunkten.

    Ein Spieler übernimmt den Part des Roboters und anhand von einem Start- und einem End-Piep müssen die Mitspieler erraten bis wohin der Roboter gefahren ist. Ihnen wird vorab mitgeteilt, welche Geschwindigkeit der Roboter hat.

    Die Anleitung ist ein länglicher, beidseitig bedruckter Zettel. Ich habe sie den Jungs vorgelesen. Die Symbole für langsam, normal und schnelle Geschwindigkeit konnten wir uns leicht merken. Sie sind gut ausgewählt. Den Sinn des Spiels haben meine Jungs auch sehr schnell erfasst. Wir wählten für unseren ersten Versuch die Team-Variante aus, während ich die dauerhafte Roboter-Dame gab. Die Anleitung bietet einem neben der Team-Variante auch eine Wettkampfvariante an. Ebenso gibt es Variationen um das Spielen einfacher für kleine Kinder zu gestalten – wie eben dass nur ich den Roboter gab.

    Das Spielen beginnt: Wir legten die Bildkarten mit dem Streckenmotiv als Stapel auf den Tisch.

    Die Zahl unten rechts gab mir den Hinweis, welche der auf der Rückseite der Karte abgebildeten Geschwindigkeiten ich für meinen Roboter auszuwählen habe. Ich nahm also die Karte und schaute hinten drauf ohne, dass meine Kids kibitzen konnten. Ich legte die Karte zurück und schon begann die Reise meines Roboters. Ich piepte und die Kinder schauten mich gespannt an. Ich ging gedanklich meine schnelle Geschwindigkeit mit der Strecke durch und piepte als ich meinte mein flinker Roboter habe die Position erreicht. Kaum verklang mein Piep, da tönten meine Jungs schon los:

    <<< Apfel! Nein Banane! Nein bitte Apfel. Schau es war piep piep. Das ist Apfel. Nein das war piep….. piep und das ist Uhr. Nein Apfel. Nein Uhr. Ok Banane. Nein Apfel. Taschenlampe? >>

    Es war eine helle Freude ihnen beim Diskutieren zuzusehen.

    Zu beobachten wie sich einander versuchten ihre Meinung zu erklären und zu untermauern und wie sie sich dann doch auf ein Bild einigten. Anfangs musste ich mit „Runterzählen“ noch unterstützend das Ende der Diskussion einläuten (sonst hätten wir bis Weihnachten noch am Tisch gehockt…..), doch das legte sich nach einigen Bildkarten von allein.

    Ich war überrascht, dass meine Jungs gar nicht so weit von dem echten Ziel weg waren

    Selten lagen sie total daneben. Trafen sie das richtige Ziel, erhielten sie drei Holzscheiben. Lagen sie nur eines daneben, gab es zwei Holzscheiben und vergriffen sie sich um zwei Bilder, so erhielten sie immerhin noch eine Holzscheibe.

    Wir spielten alle Bildkarten durch und lachten viel und hatten sehr viel Spaß.

    Meine Jungs haben die Spiellogik sehr flott begriffen, da sie sehr harmonisch miteinander umgehen, waren die Diskussionen über das Ziel auch entsprechend harmonisch. Das Spielmaterial hat eine gute Haptik und durch die geringe Produktgröße ist es leicht verstaubar.

    Die Spielidee gefällt mir sehr gut. Die Kinder bekommen ein Gefühl für Geschwindigkeiten und Zeit.

    Das subjektive Empfinden von beiden wird geschult. Zeitgleich wird die Gesprächskultur untereinander gefördert. Team-Play kann verbessert und gestärkt werden. Das Spielen gegen die Mama verbindet und das Wir-Gefühl wird gestärkt. Beim Wettkampf untereinander bei dem jeder für sich allein ein Ziel angibt, kommt es zum Konkurrenzkampf und zum Wettbewerb. Hierbei kann die eigenen alleinige Wahrnehmung geschult werden. Die Kinder stellen dabei ihr Gefühl immer wieder in Frage und überdenken ihren Tipp.

    Ich als Mama finde das Spiel interessant, doch bin ich zwiegespalten über das Spielprinzip. Wenn nur eine Person den Roboter spielt, klappt es sehr gut. Wird der Roboter reihum übernommen, kommt es zu keinerlei Verlässlichkeit.

    Mit Absicht können Roboter-Spieler Fehler einbinden und es als „so ist meine Geschwindigkeit nun mal“ tarnen. Hierbei wird das echte Erlernen von Zeitgefühl außer Kraft gesetzt. Ich empfehle daher stets nur eine Person den Roboter spielen zu lassen.

    Bei rivalisierenden Geschwistern kann das Spiel zu Unmut führen. Beim Team-Play kann der ständige Austausch mit dem Zwang zur Einigung zu wahren Streitereien führen, was mit genervten Eltern und Kindern enden kann. Das liegt in der Natur des Spiels begründet, welche keine echte Verlässlichkeit garantiert. Es ist Gefühlssache – sowohl beim Piepen des Roboters als beim Erraten der Gruppe.

    Weiter finde ich es seltsam, dass eine Zahl vorn aufgedruckt ist, die die Geschwindigkeit vorgibt.

    Hinten nimmt man diese und die beiden weiteren werden nicht beachtet. Meine Jungs haben nach sehr kurzer Zeit heraufgehabt, welche Karte welches Symbol hatte. Ich begann dann von mir aus mir eine der anderen Geschwindigkeiten mit Bildvorgabe herauszusuchen. In der Anleitung wird von dieser Variante nichts erwähnt. Doch auch hier können Kinder mit sehr gutem Gedächtnis bei häufigem Spielen schnell erkennen, welches Bild das Ziel ist – was dann wieder das Erlernen von Zeit und Geschwindigkeit ad absurdum führt. Ich war hellhörig geworden, als mein Sohn meinte: „Nein, bei Langsam war es der Schuhe, dann ist es bei Schnell das Auto. Glaub mir Bruder“ Ich machte daraufhin gezielte Stichproben, die zu dieser Erkenntnis führte. Kinder mit leicht fotografischem Gedächtnis oder hoher Merkfähigkeit haben an diesem Spiel somit nur kurz echte Freude.

    Grundsätzlich finde ich das Spiel interessant, aber bei zu häufigem Spielen wird es langweilig, da die Kinder sich die Ziele einprägen. Wenn man hingegen selbst Variationen einbaut, bleibt der Spielspaß länger erhalten.

    Unsere Spielebotschafterin: Cornelia Diedrichs mit ihren sechsjährigen Jungs haben das Spiel getestet.

    für 2 bis 6 Spieler
    ab 5 Jahren geeignet
    Spieldauer ca. 15 Minuten
    fördert Gefühl für Zeit und Geschwindigkeit
    Nominiert zum Kinderspiel des Jahres 2020 – Kritikerpreis
    Inhalt: 12 Bildtafeln beidseitig bedruckt, 50 blaue Holzscheiben, eine Anleitung
    Autor: Reinhard Staupe
    Grafik: Oliver Freudenreich
    erschienen im Nürnberger-Spielkarten-Verlag GmbH

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