• Walliams: Propeller-Opa, ernsthafte Themen kindgerecht verpackt, dass sie spannend, informativ aber auch sehr berührend sind

    Sehr unterhaltsam:  Opa, der früher Pilot war und in ein Altenheim…

    Sandra Frommhold, Mutter von drei Kindern ( zwei Mädchen 13, 2 Jahre und ein Junge 10 Jahre) möchte euch dieses Buch vorstellen:

    Darum gehts:  Jack Buntings Opa muss ins Altenheim, weil er immer verwirrter wird und schon mehrmals von Zuhause abgehauen ist und von Jack und seinen Eltern gesucht werden musste.Aber was macht man mit einem alten Mann, der früher mal ein berühmter und leidenschaftlicher Pilot eines Jagdflugzeuges mit Namen Spitfire gewesen ist? Als sie den Opa schließlich von einem Kirchturm herunter holen müssen, reicht es, Opa muss ins Heim. Pastor Eber mit der Resthaarfrisur empfiehlt Jacks Eltern das Twillight Tower und Jack ist sehr traurig, weil er seinen Opa über alles liebt und die Leidenschaft für Flugzeuge natürlich teilt. Leider stellt sich heraus, dass das Altenheim in Wirklichkeit eine Art Kriegsgefangenenlager ist mit den hässlichsten Krankenschwestern, die man sich überhaupt vorstellen kann und Hausregeln wie: „17 Uhr Uhr wird das Licht gelöscht. Wer nach dieser späten Stunde außerhalb des Bettes erwischt wird, wird zum Toilettenreinigungsdienst mit der Zahnbürste eingeteilt“ oder „Sprechen Sie nur, wenn Sie von einem Mitglied des Personals angesprochen werden“. Für einen ehemaligen und hochrangigen Piloten der Royal Air Force natürlich ein Unding, also beschließt Opa sich mit einem Löffel in die Flucht zu graben.

    Heimlich versteckt er die Pillen, die alle Bewohner ständig nehmen müssen, in seinem Bart. An einem Seil, das aus zusammengebundenen Damenschlüpfern aus der Wäschekammer besteht, geht es schließlich in die Freiheit, natürlich nicht ohne alle anderen Bewohner mitzunehmen, was eine Heidenaufregung für alle bedeutet, aber wahnsinnig unterhaltsam zu lesen ist. Natürlich braucht ein Pilot wieder ein Flugzeug, also brechen sie ins Londoner Kriegsmuseum ein und stehlen sich die alte Spitfire und endlich kann Jack zum ersten Mal mit seinem Opa gemeinsam in einem Kampfflugzeug fliegen.

    Allerdings bleiben sie nicht unbemerkt und haben kurze Zeit später zwei Düsenjets neben sich, die Raketen auf sie abfeuern. Jack springt nur sehr widerwillig mit einem Fallschirm ab und landet witzigerweise direkt im Garten des Buckingham Palastes vor den Füßen der Queen. Opa aber bleibt in der Luft.

    Viele Jahre später ist Jack selbst erwachsen und erzählt seinem Sohn die Geschichte mit seinem Opa und wie Jack auch, sieht dieser fortan vor dem Einschlafen, ein Flugzeug, das Kunststücke am Himmel macht, denn Opas letzte Worte an Jack waren: „Und solange du mich liebhast, kann ich niemals sterben“! Die doch immer wieder emotionalen Stellen haben mich als Mutter sehr berührt, meinem Sohn jedoch lediglich ein Achselzucken hervorgelockt. Vielleicht sollten Kinderbuchautoren sich auch verstärkt an die Eltern richten, weil diese ernsthaften Themen für Kinder eben so wunderbar leicht in ironische Situationen umgewandelt werden, für die einem im erwachsenen Alltag oft der so wichtige Perspektivenwechsel fehlt.

    Ein typisches Walliams-Buch, mit skurrilen Charakteren wie Pastor Eber, der kurioserweise die Vorsteherin des Altenheims Miss Swine ist und natürlich finanzielle Gründe mit dem Altenheim im Sinn hat, aktuellen Themen, (diesmal mit den Umgang der alten Menschen in unserer Gesellschaft) und natürlich wieder mit dem Kiosk-Besitzer Raj, der uns schon beim Kicker im Kleid begegnet ist.

    Walliams versteht es ernsthafte Themen so kindgerecht zu verpacken, dass sie zugleich spannend, informativ aber auch sehr berührend sind.

    Und immer wieder diese herrlichen Charaktere wie Mrs.Biskuit, die betagte Mitbewohnerin oder die beiden Polizisten Beef und Bone. Hier hätte sich mein Sohn wegschmeißen können vor Lachen, weil die Polizisten sich einen so tollen Wortabschlag über bedrohliches Verhalten liefern, dass es einfach nur genial ist. Lustig fand mein Sohn die Hausregeln des Heimes, diese bekam ich prompt vorgelesen, mit dem anschließenden Hinweis: „Na, viel anders ist es bei uns auch nicht!“ Vielleicht sollte ich mir doch mal Gedanken über unsere Erziehung machen. Vielleicht könnte man ja auch schon um 16 Uhr zur Nachtruhe läuten, zumindest in den Wintermonaten…;-)

    Ein große Stärke sind neben Walliams Humor auch wieder die grau-weißen Bilder von Tony Ross: Lustig, von einer beweglichen Leichtigkeit geprägt und in großer Menge vorhanden. Deswegen und vielleicht auch wegen der unterschiedlichen Nutzung von Schriftgrößen und -formen ist dieses Buch diesmal zwar anfangs erschreckend dick, aber es liest sich so schnell und kurzweilig durch, dass die Menge der Seiten nur noch nebensächlich ist.

    Sehr schön auch die Darstellung der Charaktere durch Bilder und Namen am Anfang des Buches und am Ende zur Erklärung ein wichtiges Glossar über den 2.Weltkrieg und Begriffe, die im Buch benutzt werden. Begründet auf dieser historischen Vergangenheit des Fliegens im 2.Weltkrieg und den aktuellen Themenbezügen ein wunderbares Buch mit Tiefgang, aber eben genau richtig für 10jährige Gern- und Vielleser.

    David Walliams
    Propeller-Opa
    Rowohlt Rotfuchs 2017
    14,99 Euro
    Zielgruppe: Kinder ab 10 Jahren

     

     

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