Welche Konzentrationsspanne ist bei Kindern 'normal'?

Probleme mit der Schule? Haben unsere Kinder Perspektiven? Austausch rund um die Bildung unserer Kids ab Schulanfang ...
Antworten
inna

Welche Konzentrationsspanne ist bei Kindern 'normal'?

Beitrag von inna » 04.02.2007, 15:29

Immer wieder werden Eltern von Lehrern mit der Aussage konfrontiert, ihr Kind leide unter Konzentrationsstörungen. Ist dies tatsächlich der Fall, dann benötigt dieses Kind natürlich dringend Hilfe. Leider kommt es aber auch vor, dass die Einschätzung der Lehrer nicht richtig ist. Deshalb möchte ich für Eltern hier auf die allgemeinen Richtlinien für eine „normale“ Konzentrationsspanne nach Lebensalter hinweisen.


Konzentrationsstörungen bei Kindern bzw. SchülerInnen werden in den meisten Fällen auf Grund einer oft fatalen Fehleinschätzung von Eltern oder LehrerInnen diagnostiziert, da diese von ihrer eigenen - meist ebenfalls maßlos überschätzten - Konzentrationsfähigkeit ausgehen. Im Durchschnitt "normal" wäre eine Konzentrationsdauer im Alter von
5-7 Jahren etwa 15 Minuten,
7-10 Jahren 20 Minuten,
10-12 Jahren 20-25 Minuten und
12-14 Jahren 30 Minuten.
Quelle:

arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEDAECHTNIS/Aufmerksamkeitsstoerungen.shtml

weitere Quellen:

psych.uni-goettingen.de/abt/4/lv_backup/ws0506/lv/dreisoerner/intervention/Handout_02_11_2005.pdf

kinderaerzte-lippe.de/sonnnote.htm

Ich habe mich nun nicht in der Lage gefühlt, alle Quellen (damit meine ich vor allem die erstgenannte) auf ihre allgemeine Seriosität hin zu überprüfen. Sie sind in ihrem gesamten Inhalt auch sicherlich nicht interessant für Eltern. Ich wollte durch die Angabe mehrerer Quellen nur zeigen, dass es sich bei diesen Zahlen um allgemein gültige Richtlinien handelt und nicht etwa nur um die Einschätzung einer Einzelperson oder einer einzelnen Einrichtung.

Viele Grüße, inna

bessere hälfte

Beitrag von bessere hälfte » 04.02.2007, 16:49

Sehr interessant, wobei man hier sicherlich jedes Kind im Einzelnen sehen muss Auch jüngere Kinder sind durchaus in der Lage sich über einen längeren Zeitraum als 15 bis 20 Minuten zu konzentrieren. Die Aufnahmefähigkeit sinkt zwar etwas doch wird durch eine gute Motivation das Kind wieder in die konzentrierte Aufnahmephase gebracht. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das Lehrer und auch andere Sozialpädagogischen Fachleute hier ein gutes Konzept haben müssen.

Babsel

Beitrag von Babsel » 04.02.2007, 16:59

inna, lieben Dank, dass Du das immer wieder brisante Thema aufgegriffen hast. Deine Links werden sicher so manchen Eltern helfen und auch Entspannung in den Familien einkehren lassen.

Klar, bessere hälfte, es gibt immer wieder Kinder, die sich länger als "vorgeschrieben" konzentrieren können. Das kommt aber auch auf die Arbeit an, die sie gerade verrichten und wie sehr sie ihnen nahe kommt. Ich denke in innas Links sind "durchschnittliche" Kinder gemeint und auch "durchschnittliche" Situationen. Und dafür finde ich sie schon sehr hilfreich.

meol

Beitrag von meol » 04.02.2007, 17:41

Die Konzentration hängt stark von der Motivation und dem Interesse des Kindes ab.

Bei selbstgewählten Beschäftigungen, die ein Kind mag (z.B. puzzlen) kann es sich vielleicht zwei Stunden konzentrieren.

Bei einer fremdgestellten Aufgabe, auf die es keine Lust hat, lässt die Konzentration vielleicht schon nach drei Minuten nach. Aber gerade um diese Aufgaben geht es nunmal oft in der Schule.

Gruß, meol

inna

Beitrag von inna » 04.02.2007, 18:36

Es mag Unterschiede in der Konzentrationsfähigkeit zwischen einzelnen gesunden Kindern geben, doch dabei wird es sich nur um wenige Minuten handeln. Die Hirnforschung hat gezeigt, dass Konzentrationsfähigkeit vom Reifegrad des Gehirns abhängig ist, der bei gesunden Kindern gleichen Alters in etwa gleich weit fortgeschritten ist.
Das, was sich uns häufig als konzentriertes Beschäftigen mit einer Sache oder einem Spiel darstellt, ist in Wirklichkeit ein intensives Handeln, das aber immer wieder von Phasen der Entspannung oder Bewegung kurz unterbrochen wird, ohne eine komplette Unterbrechung des Spiels mit sich zu bringen. Diese kurzen Unterbrechungen bleiben dem außen stehenden Betrachter oftmals verborgen. Die eigentliche Konzentration endet aber nach einem bestimmten Zeitraum unweigerlich und wird im Anschluss an eine kurze Entspannung oder Bewegung erneut aufgenommen.
Somit wird sich zwar ein Kind finden lassen, dass sich 2 Stunden mit einem Puzzle beschäftigt, aber mit Sicherheit keines, das sich 2 Stunden lang ausschließlich darauf konzentrieren kann.
Der Begriff „Konzentration“ ist ein feststehender Begriff mit einer genauen Definition. Er bedeutet, dass man sich ausschließlich mit einem Inhalt beschäftigt, ohne jegliche Ablenkung und ohne jegliche Unterbrechung. Dies ist selbst Erwachsenen in der Regel nur bis zu 90 Minuten möglich. Viele Missverständnisse entstehen dadurch, dass dieser Begriff von manch Einem, der ihn benutzt, anders und eben nicht richtig definiert und verwendet wird. Um genaue Aussagen über die Konzentrationsfähigkeit eines Kindes treffen zu können, ist es deshalb wichtig, dass alle sich nach Möglichkeit an die Definition dieses Begriffes halten, andernfalls kann es zu großen Missverständnissen kommen.



Viele Grüße, inna

Lottchen

Re: Welche Konzentrationsspanne ist bei Kindern 'normal'?

Beitrag von Lottchen » 20.02.2007, 11:28

Hallo Inna, sehr interessanter Beitrag!
Unser Sohn kann sich auch schlecht konzentrieren. Die Lehrer + auch unsere Kinderärztin haben uns empfohlen ihn auf ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) bei einem Psychologen testen zu lassen. Das haben wir auch gemacht, es wurde ein IQ-Test durchgeführt und eine ADS diagnostiziert. Gleichzeitig ist er Legastheniker!

Aufgrund dieser Tatsache wurde durch diese Ki- + Jug-Psych-Praxis ein Gutachten erstellt + somit bekommt unser Sohn (15) jetzt einen Nachteilsausgleich für die bevorstehenden Prüfungen (Realschulabschluss) + das letzte Schulhalbjahr bei schwierigen schriftlichen Krassenarbeiten, darf sogar Hilfsmittel - Wörterbuch bzw. Duden nutzen + den Lehrer befragen.

Ausserdem wird jetzt seine Rechtschreibnote ausgesetzt! KAnn ich nur empfehlen, wenn jemand auch solche Probleme hat, das Kind testen zu lassen, dadurch erleichtert sich der Schulalltag!
Grüsse von Lottchen aus Berlin

Balou

Beitrag von Balou » 10.02.2010, 20:07

Hallo Lottchen,
mein Sohn hat auch Konzentrationsprobleme und ich habe ihn testen lassen. Er hat auch ADS!!
Das musste ich auch erstmal verdauen...
Welche Therapien oder so wollt ihr jetzt durchführen??
LG
Balou

Gast

Beitrag von Gast » 10.02.2010, 21:04

hallo balou,
bei einem meiner kinder -junge,8 jahre alt- wurde auch ads festgestellt.nach langem hin und her haben wir beschlossen,gegen die konzentrationsprobleme in der schule medikamente zu nehmen.die entscheidung hierfür haben wir uns nicht leicht gemacht.da wir ein älteres adhs kind haben -junge,14 jahre alt- habe ich aber auch einfach angst davor,dass sich bestimmte vorfälle wiederholen.natürlich ist auch zwischen ads und adhs ein grosser unterschied!
mittlerweile werden wir endlich durch geschulltes personal gut betreut und aufgefangen -was besonders bei adhs sehr wichtig ist.
bei uns finden in regelmässigen abständen familiengespräche in der klinik statt - was uns endlich das gefühl gibt,verstanden zu werden..... :|

Antworten

Zurück zu „Schule & Ausbildung“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste