Todesurteil für Saddam Hussein

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Wölkchen

Todesurteil für Saddam Hussein

Beitrag von Wölkchen » 06.11.2006, 09:17

Vorab die Bilanz eines Massenmörders:

Unter Husseins Herrschaft kamen Hunderttausende Menschen ums Leben, sein Krieg gegen den Iran forderte mehr als eine Million Opfer.

Rund 150 Menschen kamen bei dem Massaker von Dudschail 1982 ums Leben.

1983 sollen irakische Truppen unter Husseins Befehl etwa 8000 Mitglieder des kurdischen Barsani-Volksstamms in der Wüste zusammengetrieben und getötet haben.

Völkermord an nordirakischen Kurden 1987 und 1988 . Bei der so genannten "Operation Anfal" wurden damals Tausende Dörfer verwüstet und zwischen 50.000 und 100.000 Kurden niedergemetzelt.
Über die Bombardierung kurdischer Dörfer mit Giftgas, die im Rahmen der Operation erfolgte und international für Entsetzen sorgte, sollte überdies ein gesondertes Verfahren angestrebt werden.

1980 bis 1988 dauernden Krieg gegen den Iran. In dem Konflikt starben nach Schätzungen etwa eine Million Menschen. Die iranische Regierung hat in diesem Zusammenhang bereits Völkermord-Anklage gegen Saddam Hussein erhoben.

Kuwait will Hussein zudem wegen der siebenmonatigen Besatzung des Landes vor Gericht stellen lassen, die am 2. August 1990 begann.

Die Regierung in Bagdad unterdrückte den schiitischen Aufstand blutig, Zehntausende Schiiten starben bei Massakern um die heiligen Städte Nadschaf und Kerbela sowie nahe Hilla und Basra.

Die irakische Armee soll unter Husseins Befehl systematisch die Sumpfgebiete im Südosten des Irak zerstört haben - die Lebensgrundlage verschiedener arabischer Stämme, die diese Regionen traditionell bewirtschafteten.

Nicht zuletzt sollen Hussein und seine Sicherheitskräfte Regimegegner systematisch verfolgt, gefoltert und ermordet haben. Bereits mehrere hundert Massengräber sind im Irak entdeckt worden. Die Zahl der Opfer ist unbekannt.

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EU und Menschenrechtler kritisieren Todesurteil für Saddam

Australiens Premier Howard pries den Prozess gegen das "Monster" als "Zeichen der demokratischen Hoffnung", US-Präsident Bush sprach von einem "Meilenstein" für die Demokratie. Die EU lehnt den Richterspruch dagegen ab.

Die finnische EU-Ratspräsidentschaft erklärte, die Europäische Union lehne die Todesstrafe grundsätzlich und deshalb auch im Fall Saddams ab. Finnland forderte, auf die Vollstreckung des Urteils zu verzichten. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verwies auf die Linie der EU bezüglich der Todesstrafe. "Aber dass die gerichtliche Aufarbeitung von Saddam Husseins Taten geschehen muss, das ist richtig, und das ist wichtig", sagte Merkel in Berlin.

Die Menschenrechtskommissarin der Vereinten Nationen, Louise Arbour betonte, sie hoffe, Iraks Regierung werde ein Moratorium für Hinrichtungen beachten.
Der katholische Kardinal Renato Martino erklärte in Vatikanstadt, die Vollstreckung des Urteils wäre eine "rachsüchtige" Tat.

Die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) bekräftigte ihre Kritik an dem Verfahren. "Das Gericht war nicht unparteiisch. Jedes Individuum hat das Recht auf ein faires Verfahren, auch Menschen, die wegen Verbrechen von solchen Ausmaßen angeklagt sind wie Saddam Hussein. Dies war kein faires Verfahren", sagte der zuständige amnesty-Direktor Malcolm Smart.

Es könnten bis zur Vollstreckung des heute gefällten Todes-Urteils noch Monate vergehen. Denn mit Urteil gegen den Ex-Diktator wurde automatisch ein Berufungsverfahren eingeleitet, die neun Richter einer 2003 eingerichteten Berufungskammer durchführen. Geprüft werden Urteil und Strafmaß auf mögliche Verfahrensfehler oder Gesetzesverletzungen.

Sollten die Richter auf Fehler stoßen, wird der Prozess neu aufgerollt. Sollten sie aber das Urteil bestätigen, muss es nach den Statuten des Tribunals binnen 30 Tagen vollstreckt werden. Bis zur Antwort der Richter könne es "zwei Wochen, aber auch zwei Monate dauern", sagt Chefankläger Dschaafar el Mussawi.

Nachzulesen in den Tageszeitungen und ua. bei SpiegelOnline.
http://www.spiegel.de/
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Ich selber halte nach wie vor daran fest, dass ein Todesurteil nicht vollstreckt werden darf. Tod mit Tod durch fremde Hand zu vergelten ist in meinen Augen schon immer nicht richtig gewesen.
Auf der anderen Seite darf und kann man nicht bestimmen, was in anderen Ländern an Urteilsvollstreckungen gemacht oder nicht gemacht werden darf. Meine innere Frage ist eher, kann ein Gerichtsverfahren unparteiisch sein, wenn die Betroffenen selber die Richter sind?

Babsel

Re: Todesurteil für Saddam Hussein

Beitrag von Babsel » 06.11.2006, 09:53

Wölkchen hat geschrieben: Ich selber halte nach wie vor daran fest, dass ein Todesurteil nicht vollstreckt werden darf. Tod mit Tod durch fremde Hand zu vergelten ist in meinen Augen schon immer nicht richtig gewesen.
Auf der anderen Seite darf und kann man nicht bestimmen, was in anderen Ländern an Urteilsvollstreckungen gemacht oder nicht gemacht werden darf. Meine innere Frage ist eher, kann ein Gerichtsverfahren unparteiisch sein, wenn die Betroffenen selber die Richter sind?
Unstrittig ist, dass ein Urteil über einen Massenmörder gesprochen wurde. Unstritig ist für mich auch, dass solche Menschen, die alle Grundprinzipien der Menschlichkeit mißachtet haben, keine Rechte mehr in einer Gesellschaft haben. Dass die Richter auch Betroffene waren, liegt in diesem Fall in der Natur der Sache. Wer war unter diesem Mann nicht betroffen?!
Trotz allem aber, bin ich gegen die Vollstreckung des Urteils. Exekutive sollten/dürfen sich nicht anmaßen, genau das zu tun, weswegen sie Menschen verurteilen. Für mich ist es ethisch nahezu absurd, dass der Staat selbst zum (zwar legitimierten) Mörder wird (die Todesstrafe ist für mich nichts anderes). Das ist in meinen Augen "niedrig" und einer menschlichen Gesellschaft nicht angemessen.
Das letzte Urteil steht nur Einem zu!

Babsel

Beitrag von Babsel » 06.11.2006, 09:57

Ungeachtet des eben Gesagten, ist es für mich selbstverständlich, die Entscheidung zur Vollstreckung notfalls zu akzeptieren. Wir haben kein Recht uns in die Angelegenheiten anderer Länder zu mischen. Wir können lediglich unsere Meinung kundtun. Aus meiner Sicht ist eine verschärfte Haft bis ans Lebensende angemessen.

inna

Beitrag von inna » 06.11.2006, 12:58

Ich bin ganz Wölkchens und Babsels Meinung und kann dem inhaltlich gar nichts Neues hinzufügen.
Der Gedanke, dass Menschen sich berechtigt fühlen Todesurteile zu vollstrecken quält mich regelrecht und strapaziert mein Einfühlungsvermögen in deren Denkweise auf´s Äußerste.
ist es für mich selbstverständlich, die Entscheidung zur Vollstreckung notfalls zu akzeptieren. Wir haben kein Recht uns in die Angelegenheiten anderer Länder zu mischen
..."Leider", Babsel, hast du auch hier recht, wenngleich ich es ganz für mich alleine sicher nicht akzeptieren werde, auch wenn das natürlich erst mal gar nichts ändern wird.

Viele Grüße, inna

Knopf

Beitrag von Knopf » 06.11.2006, 15:24

Kann mich den Meinungen nur anschliessen.
Ich denke aber, dass ein Staat der gerade im Aufbau ist, seine Rechtsstaatlichkeit nicht durch ein Todesurteil audrücken soll. Vielmehr wäre ein Lebenslänglich angebracht, einfach auch, um sich von den Methoden Saddam Huseins abzugrenzen.#Generell denke ich, dass kein Staat das Recht zu einer Execution hat, da er dann nicht besser wie der Verurteilte ist.
lg
Knopf

helene

Beitrag von helene » 06.11.2006, 21:05

Auf der anderen Seite darf und kann man nicht bestimmen, was in anderen Ländern an Urteilsvollstreckungen gemacht oder nicht gemacht werden darf.
Das sehe ich anders!

Todesurteile sind grundsätzlich inakzeptabel!

Und jeder sollte sich da einmischen!

Saddam Hussein ist ein Verbrecher und sollte schwer bestraft werden,aber niemand hat das Recht,einen Menschen zu töten,auch ein staatliches Organ nicht!
Es sollte viel lauteren Protest geben,solange es noch Länder auf diesem Planeten gibt,die die Todesstrafe verhängen und vollstrecken.

In Rom wird jedes Mal,wenn in einem Staat die Todesstrafe abgeschafft wird,das Kollosseum für 48 Stunden taghell beleuchtet.
Ein sehr schöner Brauch,der hoffentlich noch oft zum Einsatz kommt.

Solange jedoch Herr Bush in Amiland regiert und den Oberchef markiert,ist die Aussicht wohl gering.
Bush war ja schwer begeistert,als das Urteil verkündet wurde.

Dieser Heuchler!
Gibt ständig den gläubigen Christen,aber mißachtet permanent die 10 Gebote!

LG, Helene

dana

Beitrag von dana » 07.11.2006, 09:30

Das sehe ich anders!

Todesurteile sind grundsätzlich inakzeptabel!

Und jeder sollte sich da einmischen!

Saddam Hussein ist ein Verbrecher und sollte schwer bestraft werden,aber niemand hat das Recht,einen Menschen zu töten,auch ein staatliches Organ nicht!


LG, Helene
dann fraf ich mich ,was er gemacht hat???????????????

LG dana

Babsel

Beitrag von Babsel » 07.11.2006, 10:18

Dana, ich verstehe Deine Frage nicht? Liegt wahrscheinlich an mir ;) . Könntest Du bitte konkreter werden? ;D :)

dana

Beitrag von dana » 07.11.2006, 11:13

helene schrieb: NIEMAND HAT DAS RECHT,EINEN MENSCHEN ZU TOETEN.

darauf meine frage:

DANN FRAG ICH MICH WAS ER GEMACHT HAT'

hat er keine menschen getoetet?

Babsel

Beitrag von Babsel » 07.11.2006, 11:18

Danke, dana. :) :ja:

helene

Beitrag von helene » 07.11.2006, 11:46

DANN FRAG ICH MICH WAS ER GEMACHT HAT'

hat er keine menschen getoetet?
Und das rechtfertigt,ihn deshalb hinzurichten?

Mord bleibt Mord und kann nicht durch Gesetze legitimiert werden.

Helene

Knopf

Beitrag von Knopf » 07.11.2006, 11:54

schliesse mich helene an!!
klg
knopf

meol

Beitrag von meol » 07.11.2006, 12:42

Hallo zusammen!

Ihr habt natürlich alle recht. Grundsätzlich darf niemand töten.
Ich weiß allerdings nicht, wie ich reagieren würde, wenn ich bzw. meine Familie betroffen wäre.
So einem Menschen würde ich, in dem Fall, sicher den Tod wünschen.

Gruß, meol

helene

Beitrag von helene » 07.11.2006, 12:57

Sicher meol, das kann ich verstehen.Wenn jemand meine Familie töten würde,hätte ich auch Rachegelüste.
Und es ist auch nachvollziehbar,daß man in seinem Schmerz und in ohnmächtiger Wut dem Täter den Tod wünscht.
Aber wärst Du imstande,einen Menschen zu töten?Ich nicht!

Ein Unrecht mit dem gleichen Unrecht zu vergelten,macht nichts wieder gut und befriedigte Rachegelüste verringern den Schmerz um keinen Deut.

Helene

meol

Beitrag von meol » 07.11.2006, 14:57

@helene
Nein, natürlich könnte ich das nicht!
Und ich bin auch froh, dass ich es nicht kann.
Ich wunder mich nur manchmal, dass nicht jemand anders es versucht oder sogar geschafft hat, Saddam zu töten, nach all dem, was er getan hat.
Würde ein wirklich Betroffener, z.B. ein Familienmitglied, so eine Tat an ihm begehen, könnte ich zumindest die Rachegelüste nachempfinden und würde, auch wenn er in dem Moment gleich gehandelt hat wie Saddam, es weniger verurteilen.
Natürlich würde diese Tat den Schmerz nicht wirklich lindern, vielleicht hilft solchen Menschen aber der Gedanke, dass dieser nie wieder jemanden so etwas antun können wird. Das wird dann vielleicht, wahrscheinlich sogar, wieder überschattet von den Schuldgefühlen, weil dieser Mensch unter normalen Umständen ein Todesurteil auch abgelehnt oder zumindest niemand hätte töten können.

Gruß, meol

Charlie

Beitrag von Charlie » 09.11.2006, 14:30

Nur so ein Gedanke:

Für alle die gegen die Todesstrafe sind:

Nimm mal an, Deine Töchter wurden geschändet und getötet, der Rest der Familie ausgerottet, Dein Haus wurde Dir genommen. Wie würdest Du dann ( vielleicht als Betroffene oder Opfer des Diktators ) über die Todesstrafe denken ?

Wir sind weit weg und satt. Ist es unter diesen Umständen nicht einfach, die Dinge ethisch zu hinterfragen?
Ist das nicht sogar ein Luxus ?

Vielleicht muß sich einfach noch vieles entwickeln, ich weiß nicht. Aber was ich weiß : Es gibt immer zwei Seiten .

Gruß Charlie

Jaime

ich war der Leibwächter von Saddams Sohn

Beitrag von Jaime » 09.11.2006, 14:46

dieses Buch hätte auch genauso in der Hölle geschrieben sein können. Abartige Denke,ich las es in einm Rutsch durch und legte es ad acta.

Wo ist denn die Familie wohl geblieben ?

Saddam war ein ausgestossener Junge der Ziegen gequält hatte, ebenso wie Hitler eine schon in jungen Jahren verkrachte Existenz gewesen war. es ist, als ob die ganze Welt dafür büßen muss.

Die Opfer von denen müssten Rache nehmen müßen..

so wie damals in Rumänien.


jaime

helene

Beitrag von helene » 09.11.2006, 14:54

Charlie,

ich persönlich möchte nicht mal den Gedanken an die "Rechtmäßigkeit" der Todesstrafe zulassen.

Sicher gibt es barbarische Regime,die für barbarische Taten verantwortlich sind.Aber das rechtfertigt m.A. nicht,das gleiche Unrecht zu begehen.
Mord ist unrecht und wird nicht zu Recht,weil er vom Staat erlaubt wird.


Ich habe in den letzten Tagen viele solcher Diskussionen erlebt und viele Argumente gehört.

Aber was mich am meisten beeindruckt hat war dies:

Die Todesstrafe ist der vorsätzlichste Mord, mit dem kein geplantes Verbrechen verglichen werden kann. Um einen Vergleich zu ziehen: Die Todesstrafe müßte einen Verbrecher bestrafen, der sein Opfer vorher genau über den Zeitpunkt seines Todes informieren würde und es von diesem Zeitpunkt an auf Gnade und Ungnade ausgeliefert wäre. Im gewöhnlichen Leben aber findet man eine solche Bestie nicht.
(Albert Camus)

Das ist schlicht und einfach auf den Punkt gebracht und die genialste Argumentation gegen die Todesstrafe.

Ich wünschte,der ach so gläubige Herr Bush würde das lesen und verstehen.

LG, Helene

Charlie

Beitrag von Charlie » 09.11.2006, 16:22

Helene

Unberührt und aus der Distanz teile ich Deine Einstellung. Aber die entscheidende Frage bleibt: Wärst Du ein betroffenes Opfer, welche Einstellung hättest Du dann? Wenn es die Gleiche bleibt, dann verfügst Du über eine innere Größe, die ich dann vermutlich nicht hätte.
Es ist manchmal spannend, über Gut und Böse, Schwarz und Weiß nachzudenken. Man lernt dabei auch sich selbst kennen. Meine Erkenntnis ist: Ich weiß nicht ob ich gut oder böse bin. Denn in guten Zeiten ist es leicht, gut zu sein. Was bin ich aber in Ausnahmezuständen? Welche Werte vertrete ich dann, bzw. lebe ich sie auch?
DIe meisten denken,ja, natürlich. Warum waren dann aber während des Holocoust die " Guten, bzw. die Gerechten " in der Minderheit? (Ist nur ein Beispiel.)
Ich stelle nicht Deine Meinung in Frage, Helene, denn sie ist gut. Aber ich stelle den Menschen in Frage und überlege, wie sich Werte unter gewissen Umständen verschieben können. Und je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr stelle ich mich in Frage. Und so komme ich zu der Erkenntnis. Ich bin gut und ich bin böse. Ich bin gegen die Todesstrafe, ich bin dafür. Ist für mich kein Wiederspruch sondern eine Frage der Sichtweise und der Umstände.



Gruß Charlie

helene

Beitrag von helene » 09.11.2006, 17:01

Charlie, ich verstehe durchaus diesen Zwiespalt.

Und ich bin sicher,daß ich die bösesten,grausamsten Rachegedanken hätte,wenn jemand meine Kinder mißbrauchen,quälen oder töten würde.Oder auch jeden anderen Menschen,der mir nahe steht.

Und dieses Bedürfnis stehe ich auch jedem Betroffenen zu.

Aber der Gesetzgeber ist nur mittelbar betroffen und kann sich nicht hinter Schmerz,Qual und ohnmächtiger Wut und Hilflosigkeit verschanzen.

Mord ist immer Mord,da darf es keine Ausnahmen geben.

Es gibt Menschen,die bei jedem schockierenden Verbrechen,das bekannt wird,lautstark nach dem Galgen rufen.(Dich meine ich selbstverständlich nicht!)

Aber nach der Todesstrafe zu schreien,ist leicht, sie dann auch vollstrecken zu können,dürfte den meisten Menschen schwer fallen ,wenn nicht gar unmöglich sein.

Ich kann nachvollziehen,daß eine Mutter das Bedürfnis hat,den Mörder ihres Kindes zu töten.Aber wäre sie in letzter Konsequenz wirklich dazu fähig,außer im Affekt?

Ich glaube nicht,daß ich das könnte.

Denn erlittenes Unrecht wird durch das gleiche Unrecht nicht getilgt.Und keine noch so grausame Bestrafung brächte mir mein Kind zurück oder würde meinen Schmerz lindern.

LG,Helene

helene

Beitrag von helene » 09.11.2006, 17:11

@ charlie,

ich danke Dir übrigens für diese faire Auseinandersetzung.

Ich habe in den letzten Tagen in der Firma Diskussionen zu diesem Thema erlebt,die mir die Schuhe ausgezogen haben.

Wenn ich höre,welch mittelalterliche,böse Ansichten manche Menschen haben und diese auch ganz öffentlich äußern,so wundert es mich nicht,daß der Zulauf bei den Neo-Nazis immer größer wird.Ein solches Gedankengut kann ein demokratisch gesinnter Mensch nicht vertreten.

Die Todesstrafe ist ein Reizthema,das nicht mittels Stammtisch-Parolen und Blöd-Zeitungs-Schlagwörtern diskutiert werden sollte.

LG, Helene

Wölkchen

Beitrag von Wölkchen » 09.11.2006, 17:35

@ Charlie

Genau diese Frage stelle ich mir sehr oft. Und ich kann nicht sagen, ich wäre gut, da bei direkter Betroffenheit immer Rachengedanken in meinem Hirn kreisen. Ausführen würde ich sie nie.

Die Faszination Mensch ist ja gerade, dass er beides in sich trägt und der ewige Kampf dieser beiden Seiten, nennen wir sie ruhig gut und böse, den vergleiche ich oft mit Gott und dem Teufel. Gegensätzliches gehört zusammen und nun muss ich aufpassen, dass ich nicht in meine Gedichtform komme, dazu ist das Thema zu ernst.
Saddam Hussein ist für mich das personifizierte Böse und doch wird auch er in sich einen guten Teil tragen.

Vielleicht sollten wir diese frage mal als grundsätzlichen Ansatz für einen anderen Thread nehmen.

@ Helene

Dein Posting unterschreibe ich.
Aber der Gesetzgeber ist nur mittelbar betroffen und kann sich nicht hinter Schmerz,Qual und ohnmächtiger Wut und Hilflosigkeit verschanzen.

Mord ist immer Mord,da darf es keine Ausnahmen geben.

Charlie

Beitrag von Charlie » 09.11.2006, 18:20

Helene,

ich fand Deine Antwort auf meinen Beitrag sehr gut. Ich finde es auch schön, daß wir auf gutem Niveau über ein so schwieriges Thema debattieren können. Auch wenn meine Gedankengänge zuweilen ein bischen provozieren können.
Ich verstehe, was Du mit dem Gesetzgeber meinst, der solche Strafen zuläßt oder verabschiedet. Er ist nicht unmittlebar betroffen und somit kann man ihm keine niederen Rachegedanken und Zorn zusprechen, die bei einem Opfer verständlich sind.
Ist schon ein heißes Thema.
Du hast am Anfang ein Zitat von Camus gebracht, in dem er die Todesstrafe verurteilte, gerade weil durch die Planung und genaue Festsetzung des Todes eine kaltblütige Grausamkeit liegt.
Weißt Du, was ich aber noch viel grausamer finde? Wenn die Kandidaten teilweise bis zu zwanzig Jahren in der Todeszelle sitzen und eine stetige Berg-und Talfahrt durch die verschiendenen Instanzen von Gnadengesuchen, Ablehnungen und Verzögerungen erleben.
Naja, - ist ein bischen ein anderes Thema in diesem Bereich und weicht auch von seiner Kernaussage ab, die eher seiner pholosophischen Einstellung entsprach. Mit dem Christentum hatte er so seine Zweifel.

Dein Argument, daß Rachegedanken und das tatsächliche Töten aus Rache zwei zwei verschiedene Paar Schuhe sind, hat was für sich. ( Gebe Gott, daß ich nie herausfinden muß, wie ich in solch einem Fall gestrickt bin)
Natürlich bringt ein gesühnter Tod die Opfer nicht wieder.Welche Sühne wäre bei den verschiedenen grausamen Tatbeständen angemessen?
( Da fällt mir gerade ein, helene, hast Du mal das Buch "Schuld und Sühne" von Dostojewski gelesen? )

Ist ein schwieriges Thema, die viele Nebenthemen mit sich bringt. Von der Religion und Philosophie bis hin zu Gut, Böse, Gott, die Menschen, zurück bis zum alten Testament.

Ich kann immer noch nicht eindeutig eine Partei/ Meinung in irgendeiner Richtung ergreifen.

Ich habe mich viele Jahre sehr stark mit dem Holocaust beschäftigt und werde nie das Wissen überwinden, wozu ein Mensch fähig ist, wenn der Krieg die schlimmsten Eigenschaften an die Oberfläche bringt.
Bei Hitler und seinen Helfern wäre ich auf jeden Fall ,und ohne Wenn und Aber, für ein Todesurteil gewesen.
Mit einer Volter vorher.
Da sieht man es mal wieder.Die niederen Instinkte sind auch bei mir vorhanden -

Gruß Charlie

Charlie

Beitrag von Charlie » 09.11.2006, 18:24

Wölkchen, ja, Gut und Böse sind dicht beieinander. Es ist wirklichz ein Endlos-Thema. Nicht umsonst gab es unzählige Philosophen, die sich jahrhundertelang darüber ihre Köpfe zerbrochen haben.
Gruß Charlie

inna

Beitrag von inna » 09.11.2006, 21:05

Charlie schrieb:
Ich weiß nicht ob ich gut oder böse bin. Denn in guten Zeiten ist es leicht, gut zu sein. Was bin ich aber in Ausnahmezuständen? Welche Werte vertrete ich dann, bzw. lebe ich sie auch?
Das ist meiner Meinung doch der springende Punkt: in dem Moment, wo man persönlich von einem Verbrechen betroffen ist, gerät man angesichts der grausamen Erlebnisse in einen psychischen Ausnahmezustand. Der wilde Schrei nach Rache, der dann aus den Tiefen herausbricht, ist für mich zwar allemal nachvollziehbar, aber er eignet sich doch in keinster Weise als Ratgeber und Handlungsweiser, wenn es darum geht, wie eine sinnvolle Rechtssprechung mit Straftätern zu verfahren hat.

Wenn ich am Verhungern bin, dann klaue ich mir ohne mit der Wimper zu zucken ein Brot, das bedeutet doch aber noch lange nicht, dass ich grundsätzlich der Meinung bin, dass ich mir stets nehmen könnte, was mir nicht gehört!

Ich will damit sagen, dass Extremsituationen eben extreme und auch "böse" Reaktionen natürlich in uns allen zur Folge haben können. Aber das kann nun nicht bedeuten, dass wir Extremverhalten als gerechtfertigt und richtig empfinden sollten, in einem Moment, wo wir uns gar nicht in dieser Extremsituation befinden. Als Reaktion eines persönlich Betroffenen, eines gequälten Menschens, mag das ja noch angehen und da kann sich glücklich schätzen, wer niemals auf die Probe gestellt wird - aber als absolut kühl kalkulierte Handlung, die der Vollzug der Todesstrafe ist, bleibt sie für mich die perverseste Variante, um einen Menschen zu Tode zu bringen.

Viele Grüße, inna

matou

Beitrag von matou » 09.11.2006, 21:27

Nur mal so zwischenrein habe ich auf der Seite von Amnesty International einen sehr nachdenkenswerten Satz gefunden.
Ein zum Tode Verurteilter in den USA hat diese Absurdität in einer Frage auf den Punkt gebracht: „Warum töten wir Menschen, die Menschen getötet haben? Um zu zeigen, dass es Unrecht ist, Menschen zu töten?“
Und weiter:
„Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person“ lautet Artikel 3 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen.
Das heißt doch, ganz gleich, was dieser Mensch getan hat, darf ich ihn nicht seines Lebens berauben, wohl aber ihn der Schwere der Tat angemessen bestrafen - mit erprobten strafrechtlichen Mitteln, die wir alle kennen.

Ich stelle mir die Frage, weshalb immer wieder ein Menschenleben mit dem seines Mörders aufgewogen wird. Das Leben eines geliebten Menschen, den man verloren hat durch ein abscheuliches Verbrechen, kann niemals gesühnt (= bezahlt) werden mit dem Leben seines Mörders. Jedes Leben ist unbezahlbar. In so ziemlich jeder großen Religion auf diesem Globus ist Leben das höchste Gut überhaupt. Wie kann sich der Mensch anmaßen, dieses Leben auch noch staatlich abgesegnet zu nehmen? :nein:

Es hat durchaus seine Berechtigung, wie auch Helene hier schon gesagt hat, dass wir uns einmischen müssen, wenn dieses Prinzip der menschlichen Unversehrtheit in anderen Staaten nicht geachtet wird. Nichts anderes tut amnesty.

Liebe Grüße,

Matou

matou

Beitrag von matou » 09.11.2006, 21:34

Ich vergaß, ich wollte einen Link zu amnesty international zum Thema Todesstrafe hier einstellen. Das sei nachgeholt:

http://www2.amnesty.de/internet/deall.n ... /TH2004059

Matou

Wiggle

Beitrag von Wiggle » 09.11.2006, 22:22

Das heißt doch, ganz gleich, was dieser Mensch getan hat, darf ich ihn nicht seines Lebens berauben, wohl aber ihn der Schwere der Tat angemessen bestrafen - mit erprobten strafrechtlichen Mitteln, die wir alle kennen.
Ich glaube das ist es ja-was ist angemessen :gruebel:,ich finde das viele
Verbrecher von unserer Justiz eben nicht die angemessene Strafe erhalten.
Die Opfer sind meist ein Lebenlang geschädigt und bekommen kaum unterstützung und die Täter werden resozialisiert.
Wie bestraft man einen Mörder?
Einen Massenmörder?
Einen Kinderschänder?
Einen Endführer? :nixweiss:

helene

Beitrag von helene » 09.11.2006, 23:45

Ich glaube,daß viele Leute nicht bedenken,daß wir in diesem Staat eine Drei-Gewalten-Teilung haben.

"Die Justiz" kann nicht einfach willkürlich Urteile fällen,die der gerade herrschenden Stimmung des Volkes entsprechen.

Das Gericht muß sich an das Strafgesetzbuch halten!
Wie bestraft man einen Mörder?
Einen Massenmörder?
Einen Kinderschänder?
Einen Endführer?
So,wie es das Gesetz vorschreibt!

strangegirl

Beitrag von strangegirl » 11.11.2006, 11:14

Ich kann mich im Großen und Ganzen matous Meinung anschließen.

Ich lehne die Todesstrafe ab, und zwar aus verschiedenen Gründen. Zunächst stimmt, was matou zitierte. Es ist absurd, das Unrecht, welches durch Töten geschieht, verdeutlichen zu wollen, indem man einen Menschen tötet. Es darf schlicht und ergreifend nicht erlaubt sein, ein Leben zu nehmen. Und man kann nicht mit zweierlei Maß messen, nur weil die Beweggründe für ein Todesurteil scheinbar legitim sind.

Zweitens sehe ich die Todesstrafe lediglich als Rache. Ich würde mich nicht freisprechen von gelegentlichen Rachegedanken, aber wer sich mal gerächt hat, weiß, was das für ein oberflächliches Befriedigungsgefühl ist und wie schnell letztlich nur noch schaler Geschmack zurückbleibt. Eine wackelige und schmale Motivation, einem Menschen das Leben zu nehmen, wie ich finde. Noch dazu eine, die einen an der eigenen Integrität zweifeln lassen sollte.

Drittens finde ich an der Todesstrafe gefährlich, daß sie irreversibel ist. Sie läßt keinen Raum für Irrtümer. Wenn einer tot ist, ist er tot, und angesichts dieser Endgültigkeit könnte der Mensch ein bißchen mehr Respekt aufbringen, bevor er ein Urteil ausspricht. Bei Saddam Hussein besteht zwar kein Zweifel an der ungeheuren Schuld, die er auf sich geladen hat. Aber in anderen Fällen kann das passieren, auch wenn sich alle Beteiligten zum Zeitpunkt der Vollstreckung ganz sicher sind - vielleicht sogar aufgrund ganz subjektiver Sympathien oder Antipathien für den Verurteilten. Töten kann man aber nur einmal, und niemand ersetzt den Menschen, der in Namen des Rechts umgebracht wurde, selbst wenn hinterher Verfahrensfehler oder sogar die Unschuld des Getöteten ans Licht kommen.

Viertens bin ich nicht sicher, ob es die richtige Form der Bestrafung ist, jemanden zu töten. Derjenige erlebt seine Strafe nicht mehr, wir wissen nichtmal, was er überhaupt erlebt, außer dem Ende seines Lebens, das er sich wahrscheinlich für viel später gewünscht hätte. Ich halte es für viel angemessener, jemanden einzusperren, der Menschenleben auf dem Gewissen hat. Und zwar wirklich bis ans Ende seiner Tage, so daß er miterleben muß, was er nicht hat: Enkel, einen sonnigen Lebensabend, erfüllte Tage, ein soziales Umfeld. Stattdessen vier Wände einer Zelle (bitte ohne jeglichen überflüssigen Komfort wie z.B. TV) und viel, viel Zeit. Zeit zum Nachdenken, zum Bereuen oder auch nicht, quälende Zeit. Zeit, in der draußen das Leben weitergeht, während derjenige langsam vergessen wird. Das ist dann vielleicht annähernd angemessen.

Und fünftens denke ich im besonderen Fall Hussein, daß es politisch unklug ist, ihn zum Märtyrer zu machen. Das sieht ein Blinder mit Krückstock. Es ist noch um so vieles leichter, einen Toten zu verehren und in den Himmel zu heben als einen Lebenden. Ich sehe in der Glorifizierung eines hingerichteten Saddam Hussein eine viel größere Gefahr als darin, ihn nicht hinzurichten. Aber offensichtlich geht es hier unter anderem auch noch um Machtdemonstration, und man will wohl offenbar nicht als "schwächlich" oder "nachgiebig" gelten.

Von diesen Gründen mal abgesehen muß ich sagen, daß ich erschüttert bin über die Art, wie sich viele Personen des öffentlichen Lebens zuu diesem Urteil geäußert haben. Wie kann man nur! Wie kann man nur behaupten, der gewaltsame Tod eines Menschen sei ein Meilenstein für die Entwicklung eines "demokratischen" Landes? Das ist ein Schlag ins Gesicht für die zivilisierte Welt. Ich kann nicht glauben, daß sich Menschen erdreisten, solche Aussagen zu machen. Wir sind verdammt tief gesunken, vor allem, da sich doch die westliche Welt immer ihrer Vernunft und ihrer Zivilisiertheit rühmt.

Wie ich selbst in dem Fall fühlen würde, daß jemand einen meiner Lieben umbringt, weiß ich nicht. Das kann glaube ich keiner von uns vorher sagen, und mit Sicherheit werden in solchen Fällen Schmerz, Trauer und vielleicht auch Verbitterung überwiegen. Aber ich sehe es so, daß Rechtsprechung von Gefühlen freizubleiben hat. Deswegen spricht ja auch ein Gericht Recht und nicht ich selbst mit der Mistgabel in der Hand. Dieses Grundprinzip wird mit der Todesstrafe in Frage gestellt. Ein Todesurteil ist über die Maßen emotional und befriedigt die Rachegelüste von Betroffenen und betroffen Gemachten. Ich unterdessen muß lernen, mit dem Schmerz zu leben, denn nichts bringt mir einen geliebten Menschen zurück. Diese Lektion kann man nicht gründlich genug lernen.

LG,

strangegirl

Wollibär

Beitrag von Wollibär » 11.11.2006, 15:23

Wiggle hat geschrieben:Wie bestraft man einen Mörder?
Einen Massenmörder?
Einen Kinderschänder?
Einen Endführer?
Jedenfalls nicht mit dem Tod, das wäre viel zu einfach und auch keine Strafe.

Es steht uns nicht zu, einen anderen Menschen zum Tode zu verurteilen. Viele von euch sind fest in ihrem Glauben verwurzelt und müssten das doch wissen.

helene

Beitrag von helene » 11.11.2006, 20:00

@ charlie,

tut mir leid ,daß ich dir erst jetzt antworte,ich war mit einem ähnlichen Thema beschäftigt.


Weißt Du, was ich aber noch viel grausamer finde? Wenn die Kandidaten teilweise bis zu zwanzig Jahren in der Todeszelle sitzen und eine stetige Berg-und Talfahrt durch die verschiendenen Instanzen von Gnadengesuchen, Ablehnungen und Verzögerungen erleben.
Da stimme ich Dir voll und ganz zu!Das ist eine der pervertiertesten Formen der Todesstrafe.

Und es verfehlt vor allem den Sinn der Strafe,vorausgesetzt,die Todesstrafe wäre eine sinnvolle oder akzeptable Bestrafung.

Das wäre in etwa so,als würde man ein 10 jähriges Kind für etwas bestrafen,was es im Alter von 5 Jahren ausgefressen hat.

Ich weiß,der Vergleich hinkt,aber ich weiß auch nicht,wie ich es anders beschreiben soll.

Die Todesstrafe ist ein sehr emotionales Thema und auch ich bin nicht frei von Rachegedanken.
Aber ich kann meinen Abscheu vor dieser Form der Bestrafung nicht abschütteln.

Mag sein,daß es daran liegt,daß dieses Thema für mich eben nicht rein hypothetisch ist.

Weil ich eben einen Menschen kenne,der aus einem Land stammt,in dem die Menschenrechte mit Füssen getreten werden.Ein Mensch,der eingesperrt wurde,weil er sich nicht den Mund verbieten ließ und der im Gefängnis übelster Folter unterzogen wurde,deren Schilderung mich nächtelang nicht schlafen ließ und bei mir eine Gastritis verursachte.
Dieser Mensch wäre hingerichtet worden,wenn er nicht mit Hilfe mutiger Menschen hätte fliehen können.

Er lebt jetzt in unserem Rechtsstaat und ist zutiefst dankbar dafür.
So einen Menschen kann das momentane Geschrei nach Todesstrafe und ähnlich barbarischen Bestrafungen nur zutiefst verstören.

Aber ich würde mich auch ohne diese sehr persönliche Betroffenheit immer und ohne Ausnahme gegen die Todesstrafe aussprechen.

Weil sie meinem Rechtsempfinden,meinem sozialen Gewissen und meinen menschlichen Grundwerten widerspricht.


Zu Deiner Frage bezüglich Schuld und Sühne von Dostojewski, muß ich eingestehen,daß dies zu den wenigen Büchern gehört,die ich nicht zu Ende gelesen habe.Ich hatte schon immer meine Probleme mit russischen Schriftstellern.

Allerdings war ich noch sehr viel jünger,als ich das Buch "weglegte".Vielleicht sollte ich es noch mal versuchen,inzwischen bin ich ja gesetzter und geduldiger geworden.

Liebe Grüße, Helene

Charlie

Beitrag von Charlie » 11.11.2006, 23:11

Hallo Helene,

Naja, das Buch fiel mir so spontan ein während dem Schreiben. Diese Geschichte hat eigentlich nichts mit einer Todesstrafe zu tun, eher der lange Weg bis zur Reue. Aber ich kenne niemand in meinem Umfeld, der russische Literatur mag. Bin wohl eine der wenigen, die auf so schwermütige Kost steht. Aber das nur am Rande.

Das Du jemanden kennst, der sozusagen "entrechtet" aus seinem Land fliehen mußte, tut mir leid.

Trotz unserer interessanten und kontroversen Debatte bin ich nicht zum absoluten Todesstrafengegner geworden.
Nach wie vor stehe ich diesem Thema ambivalent gegenüber.
Vielleicht liebe ich Menschen einfach nicht genug, um eine andere, innere Grundhaltung zu gewinnen. Wer weiß.

Liebe Grüße Charlie


Aber Du hast gut gekämpft

Wölkchen

Beitrag von Wölkchen » 27.12.2006, 08:52

Todesurtel für Saddam Hussein ist ohne weitere Berufungsmöglichkeit besiegelt. Binnen 30 Tagen soll er trotz internationaler Kritik am Galgen hingerichtet werden. Die Iraker selber bewerben sich zu Hunderten als Henker und viele sehen der Exekution mit Spannung entgegen.

Lob kam von dem Pressesprecher der US-Regierung, er bezeichnete es als Meilenstein auf dem Weg zum Rechtsstaat ( meine Anmerkung: Die Todesstrafe ist nicht vereinbar mit einem rechtsstaatlichem System). Dahingegen betiteln die Verteidiger von Saddam Hussein das Urteil als Siegerjustiz. Italien und die Menschrechtsorganisationen sind weiterhin dagegen, dass das Urteil überhaupt vollstreckt wird.

Hier die Chronik des Prozesses:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 02,00.html

hier gehts zum vollständigen Artikel:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 16,00.html

inna

Beitrag von inna » 27.12.2006, 13:39

Die US-Regierung lobte die "mutigen Anstrengungen" der irakischen Richter. Ein Sprecher des Weißen Hauses begrüßte das Urteil als "Meilenstein" auf dem Weg des Landes zu einem Rechtsstaat.
Mut? Rechtsstaat?

Ja, und was ist nun damit gewonnen? Nichts als ein weiterer, von Menschenhand ausgeführter Mord...

Viele Grüße, inna

woodstock

Hingerichtet

Beitrag von woodstock » 30.12.2006, 08:16

Saddam Hussein wurde in den frühen Morgenstunden hingerichtet:
http://www.tagesschau.de/
Was ändert sich nun für das Land und seine Bevölkerung?

Gruß, Doro

inna

Beitrag von inna » 30.12.2006, 10:01

Mord und Todesstrafe sind nicht Gegensätze, die einander aufheben, sondern Ebenbilder, die ihre Art fortpflanzen.

George Bernhard Shaw

woodstock

Beitrag von woodstock » 30.12.2006, 10:09

Hier ein Interview mit seinem Richter:
Interview mit Richter im Prozess gegen Saddam

"Ich hasse die Todesstrafe"
Eigentlich sei er gegen die Todesstrafe, erklärte der irakische Richter Haddad, der das Todesurteil gegen Saddam Hussein bestätigt hat, im Gespräch mit tagesschau.de. Aber angesichts von Saddams Verbrechen habe er einer Hinrichtung zugestimmt.

[Bildunterschrift: Munir Haddad, Richter am irakischen Berufungsgericht, welches das Todesurteil gegen Saddam Hussein bestätigt hatte.]
tagesschau.de: Werden Sie bei der Hinrichtung anwesend sein?

Haddad: Ja. Ich bin sehr müde, ich rechne damit, dass ich jederzeit zur Hinrichtung losfahren muss. Ich warte auf einen Anruf vom Büro des Premierminister.

tagesschau.de: Was ist Ihre Rolle bei der Hinrichtung?

Haddad: Ich bin der Berufungsrichter, der der Hinrichtung beiwohnen wird.

tagesschau.de: Wer wird außerdem anwesend sein?

Haddad: Der Staatsanwalt.

tagesschau.de: Was fühlen sie, wenn Sie sich vorstellen, dass sie Saddam in Kürze hängen sehen werden?

Haddad: Nichts. Ich bin Richter. Das ist mein Beruf.

tagesschau.de: Waren Sie der Berufungsrichter, der das Todesurteil am 26. Dezember bestätigt hat?

Haddad: Ja. Ich habe es unterschrieben.

tagesschau.de: Menschenrechtsorganisationen haben das Todesurteil kritisiert. Warum haben sie diese Strafe für erforderlich gehalten?

Haddad: Im Irak gibt es ein Gesetz und wir sind diesem Gesetz verpflichtet. Das ist die Entscheidung unseres Gerichtshofes.

tagesschau.de: Für welches Verbrechen genau haben Sie Saddam Hussein zum Tode verurteilt?

Haddad: Saddam hat 1982 in Dudschail 148 Menschen umgebracht. Das endgültige Urteil des Berufungsgerichts hat Saddam Hussein in dieser Sache für schuldig befunden.

tagesschau.de: Wie genau wird die Hinrichtung vor sich gehen?

Haddad: Im Augenblick befindet sich Saddam Hussein im Gefängnis. In Kürze wird er vom Gefängnis zur Hinrichtungsstätte gebracht.

tagesschau.de: Wie glauben Sie, wird die irakische Bevölkerung auf die Hinrichtung reagieren?

Haddad: Ich bin Richter, mit den politischen Auswirkungen müssen sich die Politiker befassen.

"Saddam Hussein kann man mit Hitler vergleichen"

tagesschau.de: Gab es keine andere Möglichkeit als gegen Saddam das Todesurteil zu verhängen.

Haddad: Nein, das ist die endgültige Entscheidung. Es gab keine andere Möglichkeit. Saddam Hussein kann man mit Hitler vergleichen.

tagesschau.de: Nachdem Sie dieses Urteil unterzeichnet haben, fürchten Sie, dass Sie einem Racheakt zum Opfer fallen könnten?

Haddad: Nein, ich bin Richter. Ich habe nur Angst vor Gott.

tagesschau.de: Sind noch andere Richter aufgefordert worden, der Hinrichtung beizuwohnen?

Haddad: Nein. Sonst wurde niemand gefragt.

tagesschau.de: Was denken Sie über die Todesstrafe?

Haddad: Ich hasse sie. Aber angesichts von Saddam Husseins Verbrechen, habe ich einer Hinrichtung zugestimmt. Bei Verbrechen anderer Art bin ich dagegen. Ich bin ein Gegner der Todesstrafe. Aber in diesem Fall gibt es zuviele Opfer. 148 in Dudschail und 180.000 während der Anfal-Offensive gegen die Kurden.

Das Interview führte Marc Thörner für tagesschau.de
Zu lesen hier:
http://www.tagsschau.de/aktuell/meldung ... AB,00.html

Inna:
Shaw hat Recht gehabt!
Gruß, Doro
die eben eine kurze Sequenz von vor der Hinrichtung gesehen hat, der Strang mit im Bild...
Mir wurde ganz schlecht.

Andreea

Beitrag von Andreea » 30.12.2006, 11:45

hoffentlich gibt es wegen den jetzt nicht noch mehr krieg...es werden sich sicher einige leute dagegen wehren...bei solchen vorfällen kommt man ganz schön ins grübeln

lg andreea

Nadine75

Beitrag von Nadine75 » 30.12.2006, 20:19

http://www.gfbv.de/pressemit.php?id=67&stayInsideTree=1

Bei dem was er angerichtet hat, wirds mir schlecht.
:nein:

Wer zart besaitet ist sollte nicht reinklicken.
Es werden dort alle Gräueltaten aufgezählt mit den verschiedenen Foltermethoden die Saddam Hussein zu verantworten hat.

Ohne Worte. Ganz ganz übel.

laemmlein

Beitrag von laemmlein » 30.12.2006, 20:26

Inna hat geschrieben:Mut? Rechtsstaat?

Ja, und was ist nun damit gewonnen? Nichts als ein weiterer, von Menschenhand ausgeführter Mord
Exakt meine Meinung, inna - kein Mensch sollte die legalisiert töten dürfen - auch wenn die Greueltaten von Saddam Hussein unbestritten sind!

inna

Beitrag von inna » 30.12.2006, 21:59

Bei dem was er angerichtet hat, wirds mir schlecht.
Ja, Nadine, er war ohne Zweifel ein ganz grauenhafter und bösartiger Mensch...unbeschreiblich und unfassbar, was er vielen, vielen Menschen angetan hat. Ich verabscheue ihn zutiefst.

Viele Grüße, inna

Kehua

Beitrag von Kehua » 30.12.2006, 22:35

ich hab nun nicht alle eure beitäge gelesen (sorry, mir fehlt mal wieder die zeit!)

im grunde bin ich gegen die todesstrafe, denn es gab schon sehr viele fehlurteile.....

wenn es allerdings um diesen speziellen, nachgewiesenen fall geht..... dann stimme ich absolut zu!

wieviele menschen sind durch die schuld Saddams gestorben? sei es aus primitiven, bösartigen und hinterlistigen motiven oder aus kriegsverbrechericher sicht...... er lebte im größenwahn, ebenso wie seine familie und seine "fans".

wozu hatte z.b. jeder einen doppelgänger?
das original fühlte sich nicht sicher und ein doppelgänger sollte den kopf hinhalten, falls denn jemand ein attentat versucht.... sehr menschlich von Saddam & co.!


nee, es ist nicht die beste lösung Saddam zu töten... aber auf jeden fall für die iraker und die umliegenden staaten die sicherste. das macht das todesurteil (wegen eindeutig erwiesener verbrechen an der menschheit) für mich legitim!


was wäre auf unserer welt, wenn es noch mehr "Saddams" gäbe????

55.000.000 tote im 2. weltkrieg sollten eine mahnung für ALLE ZEITEN sein........ soll sich das wirklich wiederholen????? wegen Saddam oder anderer spinner???????



hat jemand eine vorstellung wie man sich fühlt, wenn man einen lieben menschen im krieg verliert? ich kann euch aus eigener erfahrung sagen, es ist unbeschreiblich...... man vergißt es NIEMALS!!!!!!

und alles wegen Saddam......

Andreea

Beitrag von Andreea » 31.12.2006, 03:28

unglaublich...dass man menschen so quält...mir wird schlecht bei den gedanken..er hat vor nichts angehalten...

ich kann mir nicht vorstellen wie man leute so quälen kann (ich denke das kann keiner hier) wenn man sie schon umbringt dann kann man das ja auch schnell machen so dass es nicht lang dauert und nicht so viele quälereien sind..ich kann mir das nicht vorstellen dass das irgendwen gefallen kann zuzusehen wie andere einen qualvollen tod erleiden

schrecklich...

woodstock

Beitrag von woodstock » 31.12.2006, 09:39

wozu hatte z.b. jeder einen doppelgänger?
das original fühlte sich nicht sicher und ein doppelgänger sollte den kopf hinhalten, falls denn jemand ein attentat versucht....
Genau das ging mir die letzten Tage auch durch den Kopf:
Ist er es - oder ist er es nicht...

Ein schauriges Gedankenspiel...
Gruß, Doro

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