Massentierhaltung und Tiertransporte

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Charlie

Massentierhaltung und Tiertransporte

Beitrag von Charlie » 27.10.2006, 06:40

Hallo, und Guten Morgen ihr Cleveren.

Immer wieder,aber in letzter Zeit im Besonderen beschäftigt mich das Thema mit der Massentierhaltung. Gestern kam wieder eine Sendung ( in der Regel zappe ich schnell darüber hinweg, damit ich keine Herzschmerzen bekomme ) aber diesmal dachte ich, daß ich das nicht immer ignorieren kann.
Es ging um eine Vielzahl von Schweinen, die in einen Stall gestopft wurden, so daß ihnen keine Bewegungsfreiheit blieb. Sie liefen und quetschten sich teilweise übereinander, waren krank, bekamen kein Wasser usw.
Vor längerer Zeit kam ein Bericht, wo die Kühe wie am Fließband mit dem Kran ( lebend ) befördert wurden, an zwei Beinen, die teilweise schon gebrochen waren.
Das sind jetzt nur zwei Beispiele, es ließe sich natürlich endlos noch über die Hühner diskutieren und über den Leidensweg der Tiere auf den Tiertransporten.
Was mich jetzt nun beschäftigt ist die Frage: Nehme ich das hin? Was kann ich ändern? Gibt es für den einzelnen Verbraucher überhaupt Möglichkeiten?
Ohne jetzt missionieren zu wollen, habe ich über Alternativen nachgedacht, was ich im Einzelnen tun könnte,-einfach für mich selbst, bzw - als stillen Boykott gegen diese Entwicklung. Und das Ergebnis meiner Gedanken war niederschmetternd.
Denn, um eine Lösung zu finden, muß man alles im Gesamten und in allen Zusammenhängen sehen. Ist normal nicht meine Stärke, darum denke ich nun laut, damit Ihr mit mir beurteilen könnt, ob meine Gedanken Hand und Fuß haben.
Mein erster Einfall war: Fleisch, Wurst und Milch ist viel zu billig.
Die Bauern haben eigentlich kaum eine Chance. Ein SChwein muß aufgezogen, tierärztlich behandelt und geschlachtet werden. Das Fleisch wird dann für ein Apfel und ein Ei verkauft, für den Bauern bleibt kaum was übrig. Es lohnt sich also nicht, das eine Handvoll Schweine frei auf dem Bauernhof herumlaufen und im Stall viel Platz haben. So eine Schweineidylle zahlt sich nicht aus. ALso werden sie zu hunderten ( oder tausenden?) im Stall übereinander gestapelt.Natürlich gibt es Bauen, wo es die Schweine nicht ganz so schlecht haben, aber auch die stehen unter Druck.
Das mit der Milch ist auch nicht gerade das Geschäft des Jahrhunderts. Der Bauer hat schließlich die Kuh am Hals, dessen Kosten im keinem Verhältnis zum Milchdumping stehen.
Ich sehe also nur die Möglichkeit, die Frage der Tiertransporte zu umgehen, wenn ich im Hofladen eines ansässigen Bauern einkaufen würde, die Massentierhaltung bleibt jedoch bestehen.
Wobei Massentierhaltung und Massentierhaltung zwei verschiedene paar Schuhe sind. Ich müßte also einen Bauern suchen, seinen Bauernhof unter die Lupe nehmen und dann beurteilen, ob die Tierhaltung einigermaßen vertretbar für mich wäre und ich ohne schlechtes Gewissen seine Schweine essen kann.
ICh merke, daß ich nun etwas unrealistisch und auch ein wenig kindisch werde und ich galube, daß ich in dieser Richtung keine befriedigende Lösung finde.
Fleisch ist nicht mehr viel wert. Die Tiere auch nicht.

Vielleicht werde ich Vegetarier.

Es grüßt Euch Charlie

bienchen

Beitrag von bienchen » 27.10.2006, 08:18

Charlie, ein sehr schwieriges Thema.
Ich kann mir auch keine Sendung über Massentierhaltung und Transport ansehen ohne in Tränen auszubrechen oder in Wut zu erstarren.
Ich esse kaum Fleisch und Wurst aber reicht dieses „kaum“ aus um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen?
Reicht es aus Vegetarier zu werden oder noch extremer Veganer?
Wo anfangen und aufhören mit dem Boykott tierischer Produkte?
In vielen Dingen des täglichen Bedarfs sind doch tierische Produkte verarbeitet oder stecken zumindest für die Entwicklung Tierversuche hinter,
Du siehst also, liebe Charlie, in meinen Kopf dreht sich auch alles.
Ich glaube das größte Problem ist die „Geiz ist geil“ Mentalität der Deutschen.
Wie wollen zwar möglichst Top-Qualität aber eben zu Geizpreisen.
Das geht eben nicht.
In anderen Ländern gibt man weit mehr für qualitativ gute Lebensmittel aus als hier zu Lande.
Ich denke der Weg um diese teilweisen schlimmen Zustände in der Massentierhaltung abzustellen wäre wirklich der, dass einfach kein Billigfleisch mehr gekauft wird.
Wenn es denn so einfach wäre…..aber dazu müsste eben ein allgemeines Umdenken in den Köpfen der Verbraucher stattfinden.

helene

Beitrag von helene » 27.10.2006, 15:17

aber dazu müsste eben ein allgemeines Umdenken in den Köpfen der Verbraucher stattfinden.
Da hast Du recht, Bienchen,aber das bleibt vorerst eine Utopie.

Es gibt immer noch zu viele Leute hierzulande,die meinen,ohne täglichen Fleischgenuß nicht auszukommen.
Und oftmals höre ich auch Sprüche wie: "Salat? Ich bin doch kein Karnickel!"

Mich macht diese Massentierhaltung und das mangelnde Bewußtsein der Leute auch betroffen.

Ich kann daran allein nichts ändern,aber ich kann tun,was in meiner Macht steht.

Zwei meiner Söhne sind eh Vegetarier,deshalb gibt es bei uns sehr selten Fleisch.Und da ich sehr selten Wurst und Fleisch kaufe,kann ich es mir auch erlauben,zum Bio-Schlachter zu gehen.Und ich kaufe grundsätzlich meine Eier beim Bauern,der seine Hühner artgerecht hält.

Vielmehr kann ich als kleines Rädchen im Getriebe nicht tun.Aber es ist wie bei allen Dingen.Wenn niemand anfängt,gibt es auch keine Veränderung.

Jeder Einzelne,der sich Gedanken macht und sein Konsumverhalten ändert,trägt ein bischen dazu bei,daß sich die Situation für die armen Viecher in ferner Zukunft vielleicht zum Besseren wendet.

LG, Helene

echtgold

Beitrag von echtgold » 27.10.2006, 16:42

Es ist sicher wahr,das Fleisch bei uns zu billig ist....Lebensmittel in Deutschland sind allgemein sehr billig,-
was soll man da erwarten?

Es ist aber sicher auch schwierig bei der zunehmenden Armut den Leuten höhere Fleischpreise "schmackhaft" zu machen...

Die Massentierhaltung ist ein riesiges Tier-Elend,-
alles spielt sich hinter verschlossenen Türen ab, für uns Verbraucher meist unbemerkt.
Müsste jeder diese armen Viecher täglich versorgen und dann schlachten, sähe es wohl anders aus.

Ich glaube nicht, dass sich kurz- und mittelfristig irgendetwas zum Besseren wenden wird, denn es wird eben nur durch diese Qualzucht noch etwas verdient am Fleisch....

Sicherlich wäre es das Beste, man würde zum Vegetarier.....ich schaffe das aber nicht,-
esse zu gern mal ein Steak....
Ich habe aber meinen Fleischkonsum eingeschränkt und kaufe nicht im Supermarkt.

LG: echtgold

Nadine75

Beitrag von Nadine75 » 28.10.2006, 00:42

Gibt es für den einzelnen Verbraucher überhaupt Möglichkeiten?
Vegetarier werden !
Genau diese Umstände motivierten mich, ich habe es keine Sekunde bereut.

strangegirl

Beitrag von strangegirl » 28.10.2006, 13:43

Ich habe mich dazu ja schonmal geäußert.

Generell kann ich mich anschließen, daß insbesondere Fleisch, Eier und Milch bei uns viel zu billig sind. Leider wird man den Leuten aber nicht austreiben können, woran sie sich gewöhnt haben, nämlich wie die Geier um jeden Cent zu feilschen. Man ist weit davon entfernt, zu sagen: "Gute Lebensmittel und auch das Leben der Tiere (solange es dauert) sind es mir wert, mehr zu zahlen!" Es wird allgemein so getan, als wären wir alle fürchterlich arm. Würden wir aber insgesamt weniger Mist kaufen, hätten wir auch Geld für eine ordentliche Ernährung. Markenkleidung - ist den Menschen ungeheuer viel wert. Das neueste Handy - ultrawichtig!!! Jede Saison neue Schuhe - das muß sein! Aber die Fleischwurst darf nicht mehr als 50 Cent die Packung kosten? Da stimmt was nicht! Wir Deutschen geben übrigens anteilig am Einkommen am wenigsten für Lebensmittel aus.

Ich denke, Helene, daß das gar nicht so wenig ist, was Du tust. Letztlich bestimmt der Konsument, was wie produziert wird. Und da ist man viel mehr als ein kleines Rädchen. Ich bin keine Vegetarierin, aber ich lege Wert darauf, daß mein Fleisch aus artgerechter Haltung kommt. Mein Mann sieht es genau so, und deswegen kaufen wir einmal in der Woche bei dem Fleischer unseres Vertrauens, der das sicherstellt. Klar, bis ins letzte Detail kann man das nicht verfolgen, aber es ist doch auch schon mal ein Pluspunkt, kritische Fragen zu stellen und nicht einfach die Würstchen vom A... zu kaufen, weil die billig sind. Ich persönlich sehe es außerdem so, daß man den Unterschied auch schmecken kann. Der Fleischer bietet auch einiges vom bunten Bentheimer Schwein an, das fast ausgestorben war, weil es mehr Fett hat als die Muskelzüchtungen der heutigen Standardschweine. Diese Tiere werden ausdrücklich extensiv gehalten, und mir schmeckt es ausgezeichnet.

Was Eier betrifft, so habe ich überhaupt kein Problem damit, 20, 30 oder 50 Cent mehr pro Schachtel zu zahlen als für die weißen Käfigeier, wenn ich dafür welche von freilaufenden Hühnern bekomme. Und jetzt, wo ich auf dem Land wohne, bekomme ich auch oft welche geschenkt von der Mutter meiner Schwägerin, die draußen im Garten Hühner hält. Auch da ist ein geschmacklicher Unterschied. Das ist natürlich ein Privileg, das man nur auf dem Land hat, nicht in der Großstadt. Aber die aus Freilandhaltung kann man überall kaufen, und wer es anders macht, ist in meinen Augen einfach nur ein Geizhals auf Kosten der Kreatur.

@echtgold:

Ich denke, wer nicht ganz blind und taub ist, kann sich heute gut über die Umstände informieren, unter denen Tiere gehalten und geschlachtet werden. Das alles sind keine Geheimnisse mehr. Ich denke nur an die Tiertransport-Skandale, gegen die schon in den End-Achtzigern kräftig protestiert wurde. Da gab es, soweit ich mich erinnern kann, sogar noch in der Bravo sowas wie ein Gesellschafts-Thema, wo man solche Dinge auch der Jugend nahe gebracht hat. Ich erinnere mich noch gut an diese Bilder und mein Entsetzen. Heute dreht sich alles nur noch um Stars und Sex, und die Kids sind von solchen gesellschaftlich-sozialen Themen nur noch gelangweilt.

Was ich damit sagen will ist, daß man eben auch nur das wahrnimmt, was man will. Wenn ich die Augen zumache, dann muß ich mir keine Gedanken machen, ob das Tier, von dem mein Schnitzel stammt, in seinem Leben nur leiden mußte. Und wenn es ans Portemonnaie geht, ist der deutsche Durchschnitts-Bild-Leser-Bürger sowieso hochempfindlich. Auf vielen anderen Gebieten leider nicht...

Ich denke, wir können in der Tat eine Menge dazu beitragen, daß sich diese Dinge ändern. Die breite Mehrheit ist dafür allerdings geistig und körperlich leider zu träge.

LG,

strangegirl

Charlie

Beitrag von Charlie » 28.10.2006, 14:39

Hallo ihr Lieben, es war interressant, Eure Antworten zu lesen, zumal wir uns ja alle auch einig sind, bzw. ähnliche Meinungen vertreten.
Bei mir fehlt nicht mehr viel für den Absprung zum Vegetarier. Bin eh nicht so wild auf Fleisch und es wäre kein großes Opfer.
DIe Gammelfleischskandale sind bei solch einer Entscheidung auch recht förderlich.
Ist schon eine Sauerei, die da abläuft. ( Im wahrsten Sinne des Wortes )

Liebe Grüße Charlie

echtgold

Beitrag von echtgold » 28.10.2006, 17:17

strangegirl:

Natürlich kann man sich informieren......

Die meisten tun es aber nicht und uns wird,so finde ich, recht wenig von dieser Quälerei gezeigt....
Es ist noch ein Unterschied,ob ich "mal was davon gehört habe" oder ob " ich täglich solche Grausamkeiten selbst vollbringen muss",- ich denke ,wir sind einfach zu weit entfernt von diesen Dingen.

Es ist eben nicht mehr wie früher, als fast jeder seine Tiere selbst gehalten hat, für ihr "Wohlergehen" verantwortlich war und sie dann am Ende auch töten musste.....

Das alles ist aus unserem Bewusstsein doch fast verschwunden!
Tier-Haltung und Schlachtung ist ein "Industriezweig" und da achtet man in erster Linie auf Profit.

Wenn plötzlich die Mehrheit aller Deutschen umdenken würde und von heute auf morgen Fleisch aus artgerechter Tierhaltung kaufen möchte, hätten wir ein Problem....es gibt viel zu wenig davon!

In unserem Ort (immerhin 19000 Einwohner) gibt es keinen Bio-Metzger,-
der nächste ist ca. 14 km entfernt!

Ich habe kein Auto und auch nicht die Zeit mit dem Bus dorthin zu fahren.
Es ist also garnicht so leicht,"gutes" Fleisch zu bekommen......

LG: echtgold

strangegirl

Beitrag von strangegirl » 29.10.2006, 18:22

@echtgold:

Natürlich wird uns nichts davon gezeigt, weil wir konsumieren sollen. Wer will denn schon noch etwas essen von einem Tier, das elend gelebt hat und elend krepieren mußte? Das stört den Absatz ganz empfindlich.

Dennoch, ich finde, man kann schon selbst etwas tun, und sei es, daß man den eigenen Fleischkonsum einschränkt und Produkte boykottiert, bei denen man sich wirklich denken kann, daß sie nur aus Massentierhaltung stammen können. Wir verhungern schließlich nicht, wenn wir weniger Fleisch essen.

In einem Punkt gebe ich Dir recht: Würden von heute auf morgen alle nur noch Fleisch und andere Tierprodukte aus artgerechter Haltung essen wollen, dann gäbe es wahrscheinlich wirklich Engpässe. Aber von heute auf morgen wird sich der Markt auch nicht verändern. Der Markt ändert sich erst, wenn die Billigbranchen einen Umsatzschwund zu verzeichnen hätten und wenn deutlich ersichtlich wäre, wohin die Kunden abwandern. Dann gäbe es vielleicht eine Chance, daß sich die gesamte Struktur ändert. Ich glaube allerdings nicht, daß ein solcher Wandel automatisch zu Ressourcenknappheit führen würde. Man muß ja nur allein mal an die Butterberge, an den Apfelüberschuß, an Milchseen denken, die hierzulande vernichtet werden. Irgendwo her kommen ja die Dumpingpreise.

LG,

strangegirl

Vitalsun

Beitrag von Vitalsun » 22.12.2006, 08:28

Hallo zusammen,

ich hole das Thema noch einmal hoch :)

Mein Mann und ich essen seit über 10 Jahren kein Fleisch, keine Wurst und kein Fisch, aber Milchprodukte und sehr selten Eier.
Ferner kaufen wir keine Lederprodukte (bis auf Schuhe), keine Daunendecken oder -jacken, meine Schminke ist tierversuchsfrei getestet worden etc.
Das Sortieren und die getrennte Entsorgung von Glas, Papier ist ja ohnehin selbstverständlich.

Uns wird immer wieder mal vorgeworden, daß wir dies oder das nicht tun und somit inkonsequent sind.
Mir geht es nicht darum, ob ich das konsequent oder inkonsequent mache, sondern daß ich bzw. wir etwas tun. Das sind nur kleine Schritte, aber diese sind konsequent.

Als Einzelperson werden wir die Welt nicht verändern, aber wenn tausende Einzelpersonen etwas ändern, etwas bewusster machen, DANN wird sich die Gesellschaft ändern.
Nein, nicht heute und auch nicht nächstes Jahr, aber wenn jeder Einzelne bewusster lebt werden wir etwas ändern.

LG
Vitalsun

Babsel

Beitrag von Babsel » 22.12.2006, 10:08

echtgold hat geschrieben:Es ist sicher wahr,das Fleisch bei uns zu billig ist....Lebensmittel in Deutschland sind allgemein sehr billig,-
Sorry, echtgold, aber dem kann ich mich nicht anschließen. Mindestens dann nicht, wenn man bei einem Metzger einkauft. Oder hätte jemand zu DM-Zeiten 32 DM (16 Euro) für ein kg Rinderbraten bezahlt???? Das kostet es bei uns in BaWü durchschnittlich. Hätte jemand 2 DM bezahlt für einen Berliner? Heute wird im Angebot für 2 Berliner 2 Euro verlangt. Ein kg Paprika kostet im Schnitt 4,99 Euro - sind fast 10 DM.

Wo bitte ist das billig????

Die Fleischpreise in Supermärkten kann ich nicht beurteilen.

echtgold

Beitrag von echtgold » 22.12.2006, 19:20

Du vergleichst mit Preisen von vor sechs oder sieben Jahren und diese Preise waren damals schon sehr niedrig!
Schau Dir die Lebensmittelpreise in Europa mal an.... da ist Deutschland meines Wissens nach am untersten Ende zu finden!

Fleisch stammt von einem Lebewesen, welches ernährt und gepflegt und medizinisch versorgt werden möchte.
Es hätte gern einen schönen , nicht zu kleinen Stall und gutes Futter ohne chemische Zusatzstoffe.
So ein Tier hat eh schon eine kurze Lebensspanne und in der wird es auch noch gequält, damit Du für ein Kilo Fleisch am liebsten nur zehn Euro zahlen möchtest.....

Ich hab das jetzt mal etwas verschärft ausgedrückt....aber Fleisch sollte tatsächlich so viel kosten, das man den Kreaturen ein lebenswertes Leben ermöglichen kann....

Das ist meine Meinung!

LG: echtgold

Babsel

Beitrag von Babsel » 22.12.2006, 19:48

echtgold hat geschrieben:... und in der wird es auch noch gequält, damit Du für ein Kilo Fleisch am liebsten nur zehn Euro zahlen möchtest.....
Hallo echtgold, ich habe geschrieben:
"Die Fleischpreise in Supermärkten kann ich nicht beurteilen.
.
Damit habe ich gesagt, dass ich das Fleisch ausschließlich beim Metzger kaufe und ich denke damit auch zu zeigen, dass ich gegen Massentierhaltung bin.

Es gibt noch einen anderen Aspekt:
Wie bitte soll eine Hausfrau beispielsweise 3 halbwüchsige Kinder - also 5 Mahlzeiten - von einem Verdienst bestreiten? Oder gar von ALG? Oder Hartz IV?
Bei allem Verurteilen der kreaturunwürdigen Tierhaltung, darf man nicht vergessen, dass es Menschen gibt, die es sich ganz einfach formuliert: Nicht leisten können, Fleisch vom Metzger zu essen. Was bitte sollen die tun?
Schau Dir die Lebensmittelpreise in Europa mal an.... da ist Deutschland meines Wissens nach am untersten Ende zu finden!
echtgold, rechnest Du auch die steuerlichen Belastungen der Einzelnen in den verglichenen Ländern ein?

Ich habe die "Geiz-ist-geil"-Diskussion ziemlich satt. Es ist seit Einführung des Euro unstreitig teurer, den Lebensunterhalt zu bestreiten. (Im Verlauf von beispielsweise 6 Jahren gab es niemals eine Preissteigerung von 100 % und mehr!) Die Gehälter sind aber im Gegenzug nicht, oder nur marginal, gestiegen.
Unstrittig ist auch, dass den einzelnen Haushalten immer weniger Geld zur Verfügung steht. Wie sollen diese Menschen (jeder kann ganz schnell zu den Betroffenen gehören) sich ein menschenwürdiges Leben leisten können?
Auch ein ALG- oder Hartz IV-Empfänger hat einen Anspruch auf eine vollwertige und gesunde Ernährung, auf eine angemessene, zweckmäßige Kleidung, auf mal eine Tasse Kaffee oder ähnlichen "Luxus".

Ich bin jedenfalls dankbar, nicht zu den Menschen zu gehören, die eben nicht ein Stück Fleisch beim Metzger kaufen können, sondern im Supermarkt kurz vor Schluss darauf angwiesen sind, ein halben Pfund Hackfleisch zum reduzierten Preis zu bekommen, weil das Haltbarkeitsdatum am nächsten Tag abgelaufen ist.
Gott verschone uns alle davor.

Damit sage ich nicht, dass gewissenlose "Fleischproduzenten", auf dem richtigen Weg sind.
Nur, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich bin sehr tierlieb und finde es erbärmlich, wie mit dem Schlachtvieh umgegangen wird!

Wölkchen

Beitrag von Wölkchen » 22.12.2006, 20:06

Ich weiß nicht, ob alle das kennen, wie oft früher Fleisch auf dem Tisch stand. Das einmal verglichen mit heute, ist es unfassbar, wieviel kg pro Kopf auf Deutschlands Tischen stehen.

Zu dem Wirtschaftswunder und alles was danach kam, zählte auch, dass man sich Alltags Fleisch leisten konnte. Damals hatte man höchstens mal Speck oder Beinscheiben u.a. für Eintöpfe in der Woche. Da fing es an, dass Fleisch billiger wurde. Unser Schwein beim Bauern gekauft war im Verhältnis zur damaligen Einkommenssituation sauteuer und das für Selbsschlachter. Aber was billiger war und womit sich jeder ernähren konnte, dass war Obst und Gemüse aus der Saison.

Wir können beim Fleisch reduzieren oder Vegetarier werden. Vitalsun hat es sehr gut gesagt und ich stimme da voll mit überein. Mein Vorschlag geht eher dahin, dass Fleisch, Leder und andere Tierprodukte teurer werden, aber im Gegenzug das Gemüse, Getreideprodukte, Fleischersatzprodukte und auch Bioprodukte billiger werden. In bestimmten Bereichen müsste für den Übergang subventioniert werden. Da aber Subventionen im Fleischbereich für die Bauern wegfallen, da sie pro Kilo mehr Geld bekommen müsste das aufgehen.

Ist jetzt auch mal so vor mir hingedacht, da ich nicht unbedingt ein Wirtschaftsexperte bin.

Babsel

Beitrag von Babsel » 22.12.2006, 21:01

Wölkchen hat geschrieben: . Mein Vorschlag geht eher dahin, dass Fleisch, Leder und andere Tierprodukte teurer werden, aber im Gegenzug das Gemüse, Getreideprodukte, Fleischersatzprodukte und auch Bioprodukte billiger werden. In bestimmten Bereichen müsste für den Übergang subventioniert werden. Da aber Subventionen im Fleischbereich für die Bauern wegfallen, da sie pro Kilo mehr Geld bekommen müsste das aufgehen.
:ja:

strangegirl

Beitrag von strangegirl » 23.12.2006, 12:29

Der Haken an der Sache ist doch, daß wir, anstatt den Fleischkonsum zu reduzieren (was uns ohnehin nicht schlecht täte) verstärkt den Billigkram kaufen. Damit fördert der Konsument die Massentierhaltung. Die ist darauf ausgelegt, eine Nachfrage zu befriedigen, die zum Billigeren, Schnelleren und Schlechteren tendiert. Aber auf das Würstchen verzichten will keiner, auch wenn er nicht weiß, was drin ist - das ist doch eigentlich paradox.

Ich will nicht bestreiten, daß mit dem Euro so einiges teurer geworden ist. Teilweise sind die Preiserhöhungen dreist zu nennen. Aber ich muß echtgold beispringen: In Deutschland wird - anteilig am Gesamteinkommen - verhältnismäßig wenig für Nahrung ausgegeben. Die Deutschen legen offenbar weniger Wert auf qualitativ hochwertige Lebensmittel als auf andere Dinge.

Ich will niemandem etwas unterstellen, aber in so mancher Familie scheinen andere Dinge eben mehr Gewicht zu haben. Ich glaube gern, daß es schwer ist, Kinder gut zu ernähren, insbesondere vielleicht, wenn man halbwüchsige Jungs hat. Aber man könnte sich doch mal fragen, ob man nicht bei Handy, Zigaretten, Computern, TV, Markenklamotten und anderem Schnickschnack sparen kann. Dann könnte man sich auch bessere, fairere und artgerechtere Lebensmittel leisten.

LG,

strangegirl

echtgold

Beitrag von echtgold » 24.12.2006, 00:48

Ich möchte mal klarstellen,dass sich meine Äusserungen in erster Linie auf die Fleischpreise beziehen.
Da geht es nicht nur um gute Lebensmittel, sondern auch um ein ethisches Problem: Wie gehen wir mit uns anvertrauten Kreaturen um?

Ich finde auch, dass Gemüse sehr teuer geworden ist.Der Euro hat ohne Frage vieles verteuert....

Es ist aber auch so, dass wir Deutschen lieber Geld für ein tolles Auto oder den Urlaub auf Teneriffa ausgeben, als für hochwertige Nahrungsmittel.

Ich pflichte auch Wölkchen bei,- früher kam man mit wesentlich weniger Fleisch aus.
In meiner Kindheit gab es wochentags mal ein Stückchen Fleischwurst oder eine kleine Frikadelle, manchmal garkein Fleisch.
Wir waren aber dadurch keinesfalls schlecht ernährt!

Was die Hartz 4 Leute angeht, so glaube ich auch, dass sie es oft schwer haben, mit diesem bisschen Geld auszukommen.
Ich weiß, wie es ist "arm" zu sein,- mein Vater war sehr krank und mit 49 schon Frührentner, vorher ein einfacher Arbeiter.

Luxus gabs bei uns nie,- ich kannte bis ich so 12 war weder Limonade, noch Saft.Es gab Tee oder Kranenburger....
Ein kleines Brathähnchen am Sonntag war für uns vier damals das "Highlight" der Woche.

Ich habe aber auch das Gefühl, das viele jüngere Menschen garnicht mehr wissen, wie man aus einfachen Grundnahrungsmitteln etwas schmackhaftes kocht.
In einem Fernsehbericht sah ich letztens eine alleinerziehende Mutter, die sich beklagte, das sie ihre Kinder mit dem wenigen Sozialhilfegeld nicht sattbekommt.
Da gabs morgens nur Cini-minis und Frosties und mit Schokolade gefüllte "Brötchen" von A..., mittags Fertiggerichte wie Pizza und Lasagne und wenn neues Geld da war, Pommes und Gyros vom Schnellimbiss.

Da würde ein "Kochkurs" sicher auch etwas helfen....

LG: echtgold

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