Die unantastbaren Rechte des Lesers

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matou

Die unantastbaren Rechte des Lesers

Beitrag von matou » 17.11.2004, 20:58

Auch wenn dieses Thema vielleicht in den Bereich Literatur/Kunst gehört, stelle ich es hier rein, denn es ist trotz allem eine Schreibübung für mich, weil ich mich an einer Freihandübersetzung versuche.

Die unantastbaren Rechte des Lesers

1. Das Recht, nicht zu lesen.
2. Das Recht, Seiten zu überspringen.
3. Das Recht, ein Buch nicht zu Ende zu lesen.
4. Das Recht, wieder zu lesen.
5. Das Recht, egal was zu lesen.
6. Das Recht zum Bovarysmus (unersättliches Lesen, das ansteckt).
7. Das Recht, egal wo zu lesen.
8. Das Recht zu nippen.
9. Das Recht, laut zu lesen.
10. Das Recht zu schweigen.

(Daniel Pennac, Comme un roman)

LG, Matou

Wölkchen

Beitrag von Wölkchen » 17.11.2004, 21:58

Das ist toll Matou!

matou

Beitrag von matou » 17.11.2004, 22:40

Das ist einem Buch entnommen, das seit einiger Zeit in Frankreich Furore macht. Daniel Pennac ist eigentlich ein Kinder- und Jugendbuchautor, der sich Gedanken darüber gemacht hat, woran es liegen mag, dass Kinder so eine Abneigung gegen das Lesen entwickeln. Ob es nicht möglicherweise die Art ist, mit der wir Erwachsenen (Lehrer, Eltern) im den Spaß daran verdeben, indem wir immer neue Imperative aufstellen. Der schlimmste Imperativ von allen: "Lies!" Weil man das genauso wenig befehlen kann wie "Liebe!" oder "Lach!"

Das Buch hat mittlerweile auch schon in den Schulen Einzug gehalten, die sich das wohl sehr zu Herzen nehmen. So hat mich mein Sohn kürzlich mit einem der "unveräußerten Rechte" konfrontiert und ich habe mich gefragt, wie es sein kann, dass er die kennt, denn das Buch habe ich doch gelesen... Als ich ihn fragte, hat er mir erklärt, dass sie die Rechte im Klassenzimmer angepinnt haben.

Liebe Grüße,

Matou

Binchen

Beitrag von Binchen » 17.11.2004, 23:33

Ich bin auch der Meinung, dass Kinder, die viel vorgelesen bekommen, auch später selbst gerne lesen (zumindest die Mädels). Bei den Jungs ist das wieder ein bisschen anders. Da kommt das wohl erst später.

Wölkchen

Beitrag von Wölkchen » 18.11.2004, 09:52

@ bine

Kann ich so nicht zustimmen. Ob Junge oder Mädel es hängt immer davon
ab, welche Neigungen sie haben.
Wir haben den Kindern immer vorgelesen und dann mitten im Buch aufgehört, es ihnen in die Hand gedrückt und dann mussten sie notgedrungen selber ran. Nur so konnten sie das Ende erfahren.
List und Tücke, nennt man das.
Unsere beiden haben gern und viel gelesen bis heute.
Es kommt auch darauf an, was man ihnen bietet. Nun haben wir zu Hause schon eine kleine Bücherei, aber ich bin mit ihnen 2-3mal die Woche auch in unserer städtischen Bücherei gewesen. Und das schon, bevor sie in die Schule kamen.
Auch in den Spielzeuggeschäften blieb ich eher an den Bücherregalen kleben.
Wenn ein wenig Geld übrig war, durften sie sich eines aussuchen.
Die Lust am Lesen kann man lernen.

Binchen

Beitrag von Binchen » 18.11.2004, 10:03

Aber du bestätigst doch gerade das, was ich geschrieben habe! *wunder*
Und Kindergartenkinder, denen man vorliest, werden wohl kaum das Buch zu Ende lesen können.
Und im Allgemeinen ist es schon so, glaube ich, dass Mädels lieber lesen als Jungs.

Wölkchen

Beitrag von Wölkchen » 18.11.2004, 11:38

Nein Bine!
Vorgelesen haben wir zwar schon vor der Schulzeit, aber List und Tücke kam erst in der Grundschule zum tragen.
Und unser Sohn ist ein fleißigerer Leser als unsere Tochter.
Jetzt klarer?

edit:
Ich vergaß zu erwähnen, dass die beiden nur eine Klasse auseinander liegen.
Also Sohnemann hat in diesem Jahr sein Abi super geschafft und Töchterchen ist im nächsten Jahr dran.

Binchen

Beitrag von Binchen » 18.11.2004, 11:56

Ich sehe das nur im Bekannten- und Verwandtenkreis, dass die Mädels die "besseren" Leserinnen sind, als die Jungs.
Und bei meinem Bruder und mir (wir sind Zwillinge) war es genauso, obwohl wir beide ja immer zusammen vorgelesen bekommen haben. Meinen Bruder hätte man wahrscheinlich damals auch mit List und Tücke nicht zum Lesen bewegen können.
Erst seit ein paar Jahren liest er mehr, und ich lese eigentlich schon immer sehr gerne, war schon immer Dauerkunde in der Stadtbücherei.

matou

Beitrag von matou » 18.11.2004, 22:47


Und Kindergartenkinder, denen man vorliest, werden wohl kaum das Buch zu Ende lesen können.
Und im Allgemeinen ist es schon so, glaube ich, dass Mädels lieber lesen als Jungs.
Hm, Bine, ich weiß nicht, ob man das verallgemeinern kann. Bei uns ist es nämlich auch anders herum. Klar, meine Tochter ist erst 5 1/2, aber mein Sohn konnte in diesem Alter schon lesen und hat das mit Begeisterung getan. Jetzt ist er 7 1/2 und verschlingt die Bücher, liest oft vier verschiedene parallel und hat sie in Windeseile durch. Er liest wirklich in jeder Lebenslage und egal was, hat die "Leserrechte" so richtig verinnerlicht, sei es nun die Cornflakes-Packung, Zeitungsartikel, Bücher, Straßenschilder,... Meine Tochter bekommt zwar gerne vorgelesen (auch von ihrem Bruder), aber sie hat bis jetzt wesentlich weniger Initiative entwickelt als ihr Bruder, sich das Leben selbst beizubringen. Man wird sehen, was für eine Leserin aus ihr wird.

LG, Matou

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