Brief an mich

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Lilabirgit
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Brief an mich

Beitrag von Lilabirgit » 23.11.2015, 15:11

Brief an mich

ich bin traurig, nein das ist momentan einfach zu banal ausgedrückt, ich trauer, möchte gerne weinen und es will nicht fließen, dieser Tränenstrom, der so glaube ich, ein wenig Erleichterung bringen würde.
Es fing an mit der Wohnungssuche und endete damit, dass ich mich verliebte und zwar aufs heftigste.
Kein schöner Mann, nein dass ist er nicht, groß und überschlank, sehr gepflegt, ausdrucksstark, humorvoll, aufmerksam und 6 Jahre jünger.
Ein Mann der mich in ein Konzert von Marius Müller Westerhagen entführte, der mich nur mal so zwischendurch mit einer Musik-CD beschenkte und unangemeldet abends vor meiner Tür stand, um mir zu sagen das er mich liebt WOW. Was für ein Glücksfall. Hurra ein Lottogewinn. Endlich ein Mann der sich auf Frauen versteht.......und das mir, nach so vielen Jahren der geistigen Dürre.

Die ersten atmosphärischen Störungen jedoch traten bereits bei den Renovierungsarbeiten meiner neuen Wohnung auf, bei denen er unaufgefordert mit half (wie nett). Während der von mir engagierte Anstreicher das Wohnzimmer pinselte, erklärte bzw. besserte meine „Liebe“ bereits fehlerhafte Stellen nach, sodass nicht nur bei den Handwerkern der Eindruck entstand – Klugscheißer - .
Zugegeben, meine „Liebe“ ist ein exzellenter Handwerker fehlerfrei und akkurat , jedoch schien es zwischenmenschlich nicht ganz so gut zu funktionieren.
Jetzt nur nicht zu kritisch sein, gut Ding will Weile haben.

Die nächste Irritation ließ nicht lange auf sich warten, ich kickte meine Schuhe in die Diele, wohl bemerkt in meiner Wohnung, er bückte sich und stellte sie gesittet ordentlich auf den µ Mü genau in die Ecke.
OK sehr ordnungsliebend der Herr, muss ja kein Fehler sein.

Als ich jedoch dass Erste Mal seine Wohnung betrat, wurde mir zur Begrüßung kein Kussmund gereicht sondern der Hinweis „Schuhe ausziehen“.
Kein Thema, kann ich nachvollziehen, mach ich bei mir Daheim auch, nur ein wenig netter verpackt.

Tja und dann kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus, ich betrat die Wohnstätte meiner „Liebe“. Modern und sehr geschmackvoll eingerichtet, mit „Hinstellerchen“ an den richtigen Plätzen und ......klinisch rein- quasi fusselfrei - ohne die geringste Unordnung.
Ich legte meine Brille ab und meine „Liebe“ wies post wendend daraufhin, dass die Brille nur an bestimmter Stelle zu liegen hat.
Krümmel - egal wo sie sich aufhalten, werden sofort ausgewiesen, ach was eliminiert, Gebrauchsgegenstände immer sofort wieder an ihren angestammten Platz geräumt,
Jalousien bleiben immer zugezogen – ich war verunsichert.
Aber gut, schon Adenauer hat gesagt „jeder Jeck ist anders“.

Und dann die Sache mit dem Kosenamen – er bestand darauf mich mit Prinzessin anzuschreiben und er schrieb oft. Nun bin ich inzwischen 57 Jahre alt, zugegeben ich sehe immer noch ganz passabel aus, aber Prinzessin......... erinnert mich ein wenig an Cindy aus Marzan, dass passt weder zu meinem Wesen, noch zu Figur und Alter.
Aber ich gewöhnte mich schnell an die netten Morgengrüße „Wie hast du geschlafen Prinzessin“ und fühlte mich allmählich ein wenig geadelt.

Da ich nun schon einige Jahre unbemannt durchs Leben stolpere, nicht dass es an Gelegenheiten gemangelt hätte, nein daran lag es nicht, vielmehr neige ich dazu, mir aus Hundert möglichen Kandidaten den Einen mit der größten Macke rauszupicken und die intakten restlichen 99 links liegen zu lassen, daher mein selbst gewähltes Zölibat.
Nun ja was soll ich sagen, aller Anfang ist schwer, Funktionsstörungen hat er nicht, jedoch wenig bis gar keine Kenntnisse über die weibliche Anatomie. Das unkontrollierte Kneten und Pressen von Brüsten und dass Wilde bearbeiten der Vagina, als ob der Maurer mit dem Mixstab den Mörtel anrührt, liebe Männer, führt in den wenigsten Fällen zu einem Orgasmus.
Den fragenden Blick – na wie war ich – hab ich ignoriert und stattdessen versucht vorsichtig und diplomatisch „Entwicklungshilfe“ zu leisten, leider nur mit mäßigem Erfolg.
Nichts desto Trotz habe ich gespürt, wie wohltuend körperliche Nähe sein kann.

So allmählich wurde es dann doch ein wenig skuriel, mein „Bestimmer“, wie er sich selber gerne nannte, gab an sehr eifersüchtig zu sein.
Ach wie putzig, dachte ich, hatte ich bisher auch noch nicht.
Männliche Freunde bei mir zum Kaffee ohne ihn, unvorstellbar für meine „Liebe“.
Es kam wie es kommen musste, kurz und knapp, aus die Maus.

Zum habe Abschied habe ich dann das Lied von Thekentratsch „Ich würd gern eine Bombe werfen“ mit Wohlgefallen selbst gesungen und via whats up meiner „Liebe“ zugeschickt.

Und siehe da, beim Lesen meines Briefes an mich geht es mir schon viel besser.
Resümee von der Geschicht – wahre Liebe war es nicht.

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