Ist das schon Mobbing?

Konflikte am Arbeitsplatz, Begriffserklärungen, Hilfen & Erfahrungsaustausch
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Nudelholz

Ist das schon Mobbing?

Beitrag von Nudelholz » 31.12.2009, 11:44

Ich arbeite im Vertriebsinnendienst in der Telekommunikationsbranche. Wir haben in unserer Abteilung viel mit Kundendienst bzw. der Bearbeitung von Kundenanfragen zu tun. Jeder ist für seinen Kram eigenverantwortlich, was ja eigentlich eine gute Sache ist. Seitdem wir eine neue Abteilungsleiterin haben, hat sich einiges im Umgang der Kollegen untereinander geändert. Auch wenn die Auftragslage gut ist und wir uns in der Abteilung vor Arbeit nicht retten können, hat die neue Chefin gesagt, dass Stellen abgebaut werden müssen.

Auf einmal misstraut jeder jedem. Es gibt Kollegen, die mich meiden oder ignorieren, bei denen ich eigentlich dachte, dass ich ein gutes Verhältnis zu ihnen hatte. Ich bin generell nicht auf den Mund gefallen, wenn ich der Meinung bin, dass etwas im Umgang miteinander nicht richtig läuft und weiß die Dinge auch im geeigneten Tonfall anzusprechen. Bei diesen Kollegen scheint das aber nichts zu nutzen.

Eine andere ungünstige Entwicklung ist, dass das neue Arbeitspensum auch bei guter Organisation nicht mehr zu schaffen ist. Das merken auch die Kunden, die mit Recht dann noch mehr rummeckern und uns vom Kundendienst das Leben schwerer machen. Mehr Stress erhöht auch die Fehlerquote eines jeden Einzelnen. Die genannten Kollegen schauen uns natürlich genau auf die Finger, dokumentieren alles und petzen das bei der Abteilungsleiterin. Die kriegt so viel Druck von oben, dass sie das zu billigen scheint.

Ich weiß ja, dass Stress und Konflikte auf der Arbeit was ganz normales sind, gerade in unserer heutigen Zeit. Deshalb frage ich hier in die Runde, ob man bei den oben beschriebenen Vorgängen schon von Mobbing sprechen kann und wenn ja, was kann sollte ich dagegen tun? Vielen Dank im Voraus für eure Tipps und ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Medi

kritisch hinterfragen, dann handeln

Beitrag von Medi » 04.01.2010, 14:34

Viele Menschen fühlen in der heutigen Zeit so wie du am Arbeitsplatz. Deshalb hast du Recht, wenn du in einem ersten Schritt erst einmal kritisch hinterfragst, ob man in dem Fall deines Arbeitgebers bzw. deiner Abteilung von Mobbing reden kann. Von Mobbing kann man sprechen, wenn ein systematisches Verhalten vorliegt, mit dem Ziel, einen Menschen aus seinem sozialen Umfeld zu verdrängen. Aus diesem Grund habe ich dir einen Beitrag herausgesucht, der beispielhaft für viele steht und der dir im Vorfeld hilft, zu prüfen, inwieweit anhand deiner persönlichen Erfahrung von überhaupt von Mobbing die Rede sein kann. Oftmals werden die Dinge nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht werden. Wenn du für dich zu dem Ergebnis kommst, dass das der Fall ist, kannst du zum zweiten Schritt gehen.

Ich weiß, dass es nicht einfach ist, aus sich herauszugehen, um das Problem in einem günstigen Augenblick mit einer Person des Vertrauens oder sogar den betroffenen Personen selbst anzusprechen. Da Mobbing aber in unserer Gesellschaft leider so ein Querschnittproblem geworden ist, wirst du in einer guten Bibliothek, im Buchhandel oder auch im Web kompetenten Quellen finden. Es gibt im Internet bestimmt auch Foren und Hotlines zu dem Thema.

Oft ist es schon so, dass die Tatsache ein Problem angesprochen zu haben die Sache leichter macht. Der Gegenüber wird auf das Gesagte oder Gefragte in irgendeiner Weise reagieren. Aus dieser Reaktion kann man dann schon oft seine Schlüsse ziehen. Als ich mal selber Probleme dieser Art hatte, habe ich zum Beispiel einen Kollegen angesprochen, der zwar als schwierig galt, den ich aber so charakterstark einschätzte, dass er professionell damit umzugehen wusste. Ich lag mit meiner Einschätzung gottseidank nicht daneben.

Sollte auch das nichts nützen, wird es notwendig sein, den zweiten Schritt zu gehen. Aber auch dafür gibt es Verhaltenstechniken und professionelle Ansprechpartner. Auch wenn kein Experte für dieses Thema, sondern nur eine ehemalige Betroffene, die aus ihrem sehr subjektiven Blickwinkel schreibt, hoffe ich doch, dass ich einige Anregungen geben konnte. Ich wünsche dir viel Erfolg und viel Kraft für den Weg, der jetzt vielleicht vor dir liegt. LG

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indigo
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Beitrag von indigo » 07.01.2010, 11:23

Vom Lesen her, würde ich das Mobbing nennen.
Ich bin schon mal gemobbt worden und habe dann aber den Betrieb gewechselt, dannach hab ich es nichtmehr kennengelernt, weiß es aber von Kollegen.
Mein Mann ist derart gemobbt worden, sodass er gekündigt hat/worden ist.
Er hat den Fehler gemacht und hat es erstens nicht gemerkt oder merken wollen und hat sich zweitens niemandem anvertraut. Im letzten Moment hat er dann auf mein Raten hin (denn mir hatte er es auch nicht erzählt) den Betriebsrat eingeschaltet.
Mein Mann z.B. war und ist überall beliebt. Niemals im Leben hätte er mit Mobbing gerechnet. Und leider ist es so, dass noch eine Meinung existiert, dass man selbst Schuld ist. Also, irgendwie muss man doch Schuld sein usw. Deshalb trauen sich viele nicht, sich irgendjemandem anzuvertrauen.
Es grüßt Bild 'lichst indigo
-Eine blaue Träne der Aphrodite-

mimi

Beitrag von mimi » 28.01.2010, 17:38

Auf den ersten Blick sieht es aus wie Mobbing. Aber es wird schwerlich zu beweisen sein.
Nicht alles was wie Mobbing aussieht ist nun mal Mobbing.

Leider wird dieses Wort allzuoft für alles möglich benutzt.

Das sage ich z.B. zum Kollegen, weil ich z.B. an ihm vorbei will : "Herr... gehen sie doch schneller, ich möchte heute noch fertig werden". Er schreit dann gleich Mobbing.

Wenn du einen Betriebsrat hast, schneide das mal an.

Christina
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Beitrag von Christina » 14.09.2011, 08:58

Da Mobbing so schwer zu beweisen ist, da meistens Aussage gegen Aussage steht, wurden soweit ich weiß ein paar Kriterien festgelegt, die bei der Entscheidung helfen sollen. Ich habe das mal in der Uni gelernt. Mobbing sind verbale und non-verbale Handlungen, die mindestens einmal die Woche und über einen längeren Zeitraum hinweg geschehen müssen. Ganz wichtig ist es als Mobbingopfer jegliche Art von beweisen zu sammeln und sich Verbündete zu suchen.

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Beitrag von jackie » 22.05.2012, 09:30

Die Sache mit dem Mobbing. Die Beweispflicht ist immer sehr kompliziert und oftmals verläuft es dann doch im Sand. Aber ich habe auch erfahren müssen, dass manche diesen Begriff inflationär gebrauchen.

SilkeM
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Beitrag von SilkeM » 09.01.2013, 16:08

Ist zwar schon was älter das Thema, aber das hier verspricht interessant zu werden: http://www.zeit.de/karriere/beruf/2013- ... ge-mobbing

daecherle
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Beitrag von daecherle » 27.11.2013, 12:15

Hallo, wie ist die Sache nun ausgegangen, ist ja nun etwas über 3 Jahre her. Wie ging es weiter mit der Arbeitsbelastung und der Chefin.

Ich kann nur sagen, Abteilungsleiter sind keine Götter, sie tun zwar gerne so, aber sie sind es nicht. D.h. Sie wälzen gerne, weil sie können den Druck nach unten ab. D.h. aber noch lange nicht, das das so von der Firma getragen wird.

Gruß

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Beitrag von Sonnchen » 31.03.2015, 14:47

Es ist nicht wichtig, wie man es benennt. Mobbing, Bossing oder Staffing, wen interessierts? Wenn das Arbeitsklima vergiftet ist, dann machts keinen Spaß mehr dort seine Lebenszeit zu verbringen und es schadet der Gesundheit. Wenn ein Arbeitgeber daran interessiert ist, seine Arbeitnehmer zu halten, dann sorge er für ein angenehmes, von Anerkennung und Respekt getragenes, Arbeitsklima.

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