Dyskalkulie/Rechenschwächen

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petry

Dyskalkulie/Rechenschwächen

Beitrag von petry » 23.09.2006, 19:19

Was ist Rechenschwäche?

Unter Rechenschwäsche (Arithmasthenie oder Dyskalkulie) wird ein systematisches Lernversagen beim Erwerb fundamentaler arithmetischer Einsichten bezeichnet.Die Folge dieses Lernversagens sind mathematische Wissensdefiziete.Davon betroffen sind Kinder und Jugendliche.
Die Probleme liegen gewöhnlich im Zahlenverständnis.

Vielfach basieren die Schwierigkeiten auf Defizieten beim Erwerb basaler Einsichten beim vorzähligen Bereich,sowie beim Aufbau eines verständigen Mengen-Zahlenbegriffs.
Da bei einer vorliegenden Rechenschwäche fundamentale arithmetische Einsichten fehlen,können darauf aufbauende mathematische Gedanken nicht verstanden werden.
Die Betroffenen folgen in der Bearbeitung mathematischer Sachverhalte ihrer subjektiven Logig,die systematisch nachweisbare Fehlertypen aufweist.

Die Rechenschwäche ist in der ICD-10-Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) neben der Lese-Rechtschreibschwäche als eine umschriebene Teilleistungsschwäche gelistet.
Demnach handelt es sich bei einer Rechenschwäche nicht um einen Mangel an Intelligenz oder an Begabung.
Es handelt sich ebenso wenig um die generell mangelnde Fähigkeit zum logischen Denken,sondern um einen definierten Ausfall im mathematischen Lernen.

Eine Rechenschwäche wächst sich nicht aus.Ihre Auswirkungen auf die Bildungs-und Berufschancen und damit auf die Lebenschancen der Betroffenen sind in der Regel gravierend.Dies Versagen in einem so zentralen Lernbereich verursacht bei den betroffenen Schulkindern meist eine Orientierung an den eigenen Misserfolgen,die dann zu Schulunlust und Schulangst führen kann.
Schulisches Versagen und der Entzug von Lebenschancen ist nicht selten eine der Kosequenzen einer unbehandelten Rechenschwäche.
Für die von einer Dyskalkulie betroffenen Kinder,später Jugendlichen und Erwachsenen ist eine dyskalkulietherapeutische Hilfestellung angeraten.


ZTR-Berlin

petry

Symptome der Rechenschwäche

Beitrag von petry » 23.09.2006, 21:02

Bei rechenschwachen Kindern wie bei Jugendlichen und Erwachsenen treten die folgenden Symptome häufig auf.Die aufgeführten Symptome können einzeln oder auch kombiniert ebenso bei Nicht-Rechenschwachen auftreten.Das Zutreffen einzelner Symptome indiziert noch nicht den Befund einer Rechenschwäche.Sollte dagegen eine Vielzahl der aufgeführten Symptome zurteffen,raten wir dringend zu einer genaueren Untersuchung.Erst mit einer genauen Diagnostik kann das individuelle Profil der Rechenschwäche als Voraussetzung einer gezielten Hilfestellung festgestellt werden.

-Nahezu alle Aufgaben werden durch Zählen mit den Fingern oder mit Hilfe von Anschauungsmaterialien gelöst.

-Bei Additionen und Subtraktionen wird sich häufig um 1 verrechnet.

-Es wird auch da gezählt,wo sich Zählen erübrigt.Nach 7+8=15 wird 7+9 erneut ausgezählt.

-Alle aus der Logig des Zahlenaufbaus und aus dem Zusammenhang der Operationen ergebenden Rechenerleichterungen bleiben systematisch ungenutzt.Nach 3+4=7 wird 7-4 neu abgezählt

-Dekadische Transferleistungen sind nicht möglich.Nach 3+4=7 wird 13+4neu abgezählt.

-Subtraktionsaufgaben werden regelmäßig nicht oder falsch gelöst.

-Rechenarten werden verwechselt.

-An die Stelle des stupiden Zählens tritt regelmäßig das begrifflose,rein michanische Rechnen,auch da,wo die Mechanik logisch "verbietet".13-12 wird gerechnet als 10-10=0 und 3-2=1

-Anstelle der Operationslogik treten subjektive Rechenregeln (subjektive Algorithmen) 10+10=200

-Es werden häufig die Zehner und Einer vertauscht (Zahlrevision)24 statt 42

-Die Stellenwerte von Zahlen werden beim Rechnen missachtet.Bei 30+25=55 wird gerechnet 3+5=8 und 0+2=2

-Die Bedeutung der Null als Zahl und Ziffer wird nicht erkannt.

-Multiplikationsaufgeben werden begriffslos wie ein Gedicht aufgesagt:9x9=81;8x9=72;81-9 muß neu abgezählt werden.

-Offensichtlich falsche Lösungen werden nicht erkannt.Häufig werden "Traumergebnisse" produziert,z.B. 200:2=1

-Platzhalteraufgaben (analytische Aufgaben),wie x-4=6 können nicht gelöst werden

-Bei Textaufgaben zeigt sich völliges Unverständnis:Es werden falsche Fragen formuliert,z.B. nach schon gegebenen Inhalten,und falsche Rechnungen angestellt.Die Antworten passen nicht zur Frage.

-Der rechnerische Umgang mit Größen(Gewichten,Geld,Strecken,Zeiten)gelingt nicht oder kaum.

-Das räumliche und/oder zeitlicht Vorstekllungsvermögen ist nicht altersgemäß entwickelt.

-Mühsam Eingeübtes ist nach kurzer Zeit wieder vergessen.

petry

Diagnose bei Rechenschwäche

Beitrag von petry » 24.09.2006, 17:25

Sollte eine Vielzahl der Symptome einer Rechenschwäche bei einem Kind,einem Jugendlichen oder Erwachsenen vorliegen,empfiehlt es sich,eine diagnostische Untersuchung durchzuführen.

Im Rahmen der Diagnose soll nicht bestätigt werden,das Rechenschwierigkeiten vorliegen,sondern es wird ermittelt,um welche Rechenschwierigkeiten es sich handelt.
Nur auf diese Weise kann festgestellt werden,wo die dyskalkuliethrapeutische Förderung gezielt ansetzen muß.

Mit unserem Diagnoseverfahren stellen wir Art und Ausprägungsgrad der Rechenschwäche fest.
Unser Test hat das Ziel,ein individuelles Rechenschwächeprofil des Betroffenen zu erstellen.
Das Verfahren von Test und Beratung gliedert sich im Falle der Untersuchung eines Kindes wie folgt:

1. Im Rahmen eines ca. einstündigen individuellen Tests untersuchen wir,welche Rechenschwierigkeiten vorliegen.Testbestandteil ist die gezielte Beobachtung des Kindes beim Lösen und Kommentieren mathematischer Aufgabenstellungen.Wir bezeichnen diese Methode als "lautes Denken".Entlang der mathematischen Fähigkeiten des Kindes wird eine quallitative Fehleranalyse durchgeführt,um subjektiven Rechenstrategien aufzudecken.Da dieses Verfahren der qualitativen Untersuchung nicht standartisiert ist und nicht auf den Vergleich von Kindern(Lösen von Aufgaben in vorgegebener Zeit) ausgerichtet ist,ergeben sich im Zeitaufwand individuelle Schwankungen.

petry

Beitrag von petry » 24.09.2006, 17:41

2. Zur unfassenden Bestandsaufnahme einer Rechenschwäche gehören ferner die Analyse vorhandener Dokumente(Klassenarbeiten,nicht korrigierte Arbeitsblätter,Zeugnisse,psychologische Gutachten)sowie die Befragung der Eltern zu medizinischen und psychosozialen Besonderheiten in der Entwicklung des Kindes.Schon vor der Untersuchung bitten wir die Eltern daher,einen Fragebogen zur Entwicklung des Kindes auszufüllen.
Um das Lernumfeld des Kindes besser einschätzen zu können,führen wir neben der anamethischen Befragung auf Wunsch der Eltern auch Gespräche mit den zuständigen Kinderärzten,Lehrern,Erzieherungsberatungsstellen,Schulpsychologen und anderer Stellen,bei denen die Kinder bereits vorgestellt wurden oder wo bereits Therapien stattgefunden haben.

3. Im Anschluss an den Test findet ein ausführliches ein-bis zweistündiges Auswertungsgespräch statt,zu dem wir möglichst beide Erziehungsberechtigten bitten.
In dem Gespräch stellen wir den Eltern die Ergebnisse des diadnostischen Verfahrens vor.Aus dem erstellten Rechenschwächeprofil resultieren Empfehlungen für geeignete Folgemaßnahmen,die wir mit den Eltern genau besprechen.

4. Nach dem Test und Beratung erhalten die Eltern von uns einen Bericht inclusive eines Rechenschwächeprofils ihres Kindes.Dieses dient als Vorlage für Schulen,Lehrer,Ärzte und Behörden.

Weitere Informationen bei mathematischen Lernproblemen erhalten Sie bei unseren ZTR-Instituten

petry

Therapie bei Dyskalkulie

Beitrag von petry » 18.10.2006, 20:18

Wurde eine Rechenschwäche festgestellt,hilft in der Regel nur eine fundierte Dyskalkulietherapie zur Aufarbeitung der Defizite im Mathematik-Verständnis.

Dei ZTR-Zentren bieten daher eine integrative Dyskalkulietherapie an,die aus

-wöchentlichen einstündigen Therapiesitzungen,

-einem individuell abgestimmten häuslichen Übungsprogramm,

-einer begleitenden Beratung von Eltern und Lehrern,gegebenenfalls
von behandelnden Ärzten und betreuenden Diensten,

-einer begleitenden Leistungstestung besteht.

Die Dyskalkulietherapie im ZTR setzt an den Erkenntnissen über die jeweilige Lernausgangslage des rechenschwachen Kindes,Jugendlichen oder Erwachsenen an.Das Ziel unserer Therapie ist es die Betroffenen bei der Entwicklung eines korrekten Mengen-und Zahlbegriffs zu unterstützen.
Darauf aufbauend wird ihnen der sichere Umgang mit Mengen und Zahlen im operativen Bereich vermittelt.

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