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    Die Frage:
    Hallo, ich bin am überlegen, ob ich meinen Sohn, 10 Jahre alt, die dritte Klasse wiederholen lassen soll. Er hat leider ein sehr schlechtes Zeugnis. D und M 4 E5. Die Lehrerin habe ich darauf schon angesprochen, sie reagierte aber ganz geschockt und verstand überhaupt nicht warum ich darüber nachdenke. Was soll ich tun? Er ist ja auch schon 10 Jahre alt :-(

    Die Antwort:
    Wenn die Lehrerin schon geschockt auf die Idee reagiert,...

    dann besteht eh die Frage, ob man eine Wiederholung ueberhaupt durchbringt, denn da muss die Schule ja einverstanden sein. Nur auf Wunsch der Eltern laeuft das nicht mit dem Wiederholen. Heutzutage geht man davon aus, dass statistisch gesehen ein Wiederholen eh meist nicht viel bringt, d.h. das Kind verbessert sich nicht merklich dadurch. Sinn macht ein Wiederholen daher meist nur, wenn es ueber das Schuljahr einen Ausfall gab, d.h. das Kind vielleicht lange krank war oder familiaere Probleme ein Absacken bewirkten. Das ganze ist dann mit Lehrer und Schulleitung gemeinsam zu besprechen und auch gemeinsam zu entscheiden zum Wohle des Kindes. Man darf auch nicht vergessen, dass ein Wiederholen bedeutet, in eine neue Klasse zu kommen, seine alte Klasse zu verlassen, als Sitzenbleiber verurteilt und evtl. ausgegrenzt zu werden. Und er selbst koennte sich auch zurueckgesetzt fuehlen, nicht mehr zugehoerig (wegen dem hoeheren Alters) und noch mehr Versagensaengste zu entwickeln, sich als Versager zu fuehlen. Von daher sollte ein Wiederholen sehr gut ueberlegt sein und die Vor- und Nachteile gegeneinander aufgerechnet werden. Andererseits sollte ueberlegt werden, woran es liegt mit den Schulproblemen und das auch mit dem Lehrer besprochen werden. Wie koennte man versuchen, das Kind schulisch zu foerdern? Womit genau hat es Probleme. Waere Nachhilfe sinnvoll? Ist Einzelfoerderung in der Schule moeglich? Gaebe es spezielle Uebungen fuer zu Hause? Liegt evtl. eine Lese-Rechtschreibschwaeche vor? Oder ADHS? Wird das Kind von anderen ausgegrenzt? Neben der rein schulischen Foerderung sollte man auch das angeschlagene Selbstwertgefuehl staerken und die Zugehoerigkeit zur Gruppe. Waere eine Sportart oder ein Verein was fuer das Kind, was wuerde ihm Spass machen als Ausgleich zur Schule? Autogenes Training bei Konzentrationsschwierigkeiten? Das alles sollte man bedenken. Und nicht zu viel Druck ausueben, sonst bewirkt man nur das Gegenteil. Zur Beruhigung, ich habe einen Sohn, bei dem es auch immer Schwierigkeiten gab in der Schule bis zur 9. Klasse, die er gerade so geschafft hat. Ich habe auch ueber eine Wiederholung der Klasse nachgedacht, sties aber auf Seiten der Schule auf taube Ohren. Er wurde einfach zu frueh eingeschult und ging als stilles Kind in einer grossen Klasse einfach unter. Nach der 9. Klasse besuchte er eine berufsbildende Schule und seine Leistungen besserten sich, der berufsbezogene Teil machte ihm Spass und lag ihm. Er ist jetzt im 2. Jahr einer handwerklichen Lehre und macht sich extrem gut. Es macht ihm Spass und er hat fast nur noch Einser in Schule und Betrieb. Ich haette so was lange nie fuer moeglich gehalten. Es ist also noch lange nicht alles verloren. Viel Glueck! Petra





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