Krankenhauskost: Schlechte Versorgung = höhere Sterblichkeit

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Wölkchen

Krankenhauskost: Schlechte Versorgung = höhere Sterblichkeit

Post by Wölkchen » 31.01.2007, 12:17

Ich habe im letzten Jahr diese Erhebung mit Interesse wahrgenommen. Mein zweifacher Krankenhausaufenthalt im letzten Jahr zeigte auf, dass es immer noch gravierende Unterschiede in den Krankenhäusern gibt. Wohingegen das eine eine hervorragende, ausgewogene und auch leichte Kost hatte, war bei dem anderen die Kost eher von naja bis ungenießbar mit wenig Vitaminen und Ballaststoffen aber dafür genug Kohlenhydrate. Wer um Obst und Gemüse bitten konnte, war gut dran und musste sich trotzdem überraschen lassen, wieviele Tage die Umsetzung dieses Wunsches dauert. Aber die bettlägrigen und nicht mehr eigenständigen Patienten waren auf das angewiesen, was normal serviert wurde. Die vegetarische Kost ging von Milchreis über Eierkuchen bis hin zu Spagetti mit Tomatensauce mit einem nie wechselnden Salat. Dieses nun als Beispiel meiner Erfahrung, die nicht repräsentativ ist. Dahingegen aber sehr wohl die Erhebungen der NutritionDay in European Hospitals.

Pressemitteilung von www.aid.de vom 31.1.07
(aid) - Im Trubel der heftigen Diskussionen um die Gesundheitsreform ist ein wichtiges Ereignis etwas untergegangen: der nutritionDay 2007. Am 25. Januar wurde in ganz Europa der Ernährungsstatus von mehr als 20 000 Krankenhauspatienten erhoben. Gleichzeitig sollten die teilnehmenden Krankenhausstationen Auskunft darüber geben, ob die Patienten auf Mangelzustände hin untersucht und wie diese behandelt werden. Ziel dieser groß angelegten Studie: Ärzte, Pflegepersonal und Verantwortliche sollen auf die Bedeutung einer adäquaten Ernährung für eine rasche Genesung des Patienten aufmerksam gemacht werden.
Das Problem ist schon lange bekannt und wurde durch die Ergebnisse des nutritionDay 2006 bestätigt. Jeder dritte Patient zeigt schon bei der Aufnahme ins Krankenhaus Zeichen einer Mangelernährung und bei einem Viertel der Patienten treten im Laufe des Krankenhausaufenthaltes Komplikationen aufgrund einer unzureichenden Nährstoffversorgung auf. Die Folgen sind längere Liegezeiten, höhere Sterblichkeitsraten und höhere Kosten. Ein Blick ins benachbarte Österreich zeigt, dass es auch anders geht. Dort sind schon an vielen Krankenhäusern Ernährungs-Teams etabliert, die aus Ärzten, Pflegern, Oecotrophologen oder Diätassistenten und Küchenpersonal bestehen. Risikopatienten werden aufgespürt und mit einem umfassenden Ernährungsplan einer Mangelernährung vorgebeugt. So weit ist es in Deutschland leider noch nicht. Dass sich etwas bewegt, zeigt aber die zunehmende Zahl der teilnehmenden Krankenhäuser. Besser spät als nie.
aid, Alina Reich
Hier ein Ausschnitt der Pressemitteilung des idw (Informationsdienst Wissenschaft) Es lohnt sich, den vollständigen Artikel zu lesen:
http://idw-online.de/pages/de/news192931
'NutritionDay in European Hospitals' ist zudem die erste europaweite Studie, bei der Patienten direkt in ihrer Muttersprache befragt werden. Die Befragung umfasst neben den Betroffenen aber auch Pflegepersonal und Ärzte. Diesmal werden zudem Pflegeheime und Intensivstationen in die Befragung eingebunden. Laut dem österreichischen Koordinator des europaweiten Projekts, Prof. Michael Hiesmayr von der Medizinischen Universität Wien, lieferte bereits der NutritionDay2006 bedeutsame Ergebnisse:

· 47% der Patienten kommen bereits mangelernährt ins Krankenhaus. Nur jeder dritte Patient (genau: 38 Prozent aller Patienten) isst das angebotene Essen vollständig auf. Eine Konsequenz: Die Liegedauer erhöht sich bei Mangelernährung durchschnittlich um sechs Tage.
· Von den Patienten, die weniger als ein Viertel der angebotenen Menge aßen (das sind elf Prozent aller Patienten), waren nur elf Prozent mit dem Essensangebot unzufrieden. Die Mehrheit hatte keinen Appetit (47%) oder litt unter Übelkeit (14%). Als Ursachen wurden Krankheit und das "im Krankenhaus sein" angegeben.
· Wenig Appetit bedeutet höhere Sterblichkeit: Gegenüber Patienten mit ausreichender Nahrungsaufnahme (Mortalität 1,3%) erhöht sich die Mortalität drastisch: bei halber Nahrungsaufnahme steigt die Mortalität auf 2,4 Prozent, bei jenen, die weniger als ein Viertel des Nahrungsangebots bzw. gar nichts essen auf 5,5 bzw. 5,7 Prozent.
· Dickleibige Patienten haben pro Krankheitsfall eine geringere Mortalität als Untergewichtige. Dieser scheinbare Vorteil wird jedoch durch insgesamt höheres Krankheitsrisiko überkompensiert. Diese bekannten Fakten wurden in der Studie bestätigt.

Die Problematik der Verpflegung und Ernährungsversorgung in Krankenhäusern hatte der Europarat 2003 in einer Resolution aufgegriffen. Sie wurde von 18 Staaten unterzeichnet. Diese politische Willenserklärung wird nun durch das dreijährige Projekt "NutritionDay in European Hospitals" in die Praxis umgesetzt.

bessere hälfte

Post by bessere hälfte » 31.01.2007, 18:39

Hallo Wölkchen
auch ich habe schon einige Erfahrung in Sachen Krankenhauskost.Im letzten Jahr habe ich dort 5 Wochen verbracht, konnte mich aber über die Kost nicht beklagen. Es wr alles sehr ausgewogen, und es gab auch immer unterschiedliche Gerichte. Wünsche wurden von einem auf den anderen Tag erfüllt.
Ich denke es liegt mit der Versorgung auch an der Größe des Krankenhauses und an der Trägerschaf. Hier gibt es gravierende Unterschiede. Bei uns "auf dem Land" sind die Krankenhäuser noch gut ausgestattet, zum Teil mit eigenen Küchen,Ernährungsberatern und Diätassistenten
Meine Erfahrungen waren bis jezt nur positiv in Sachen Krankenhauskost.

strangegirl

Post by strangegirl » 01.02.2007, 10:12

Bei meinen Krankenhausaufenthalten in Osnabrück konnte ich nicht meckern. Da war die Kost recht ausgewogen, es gab jeden Tag drei Mahlzeiten zur Auswahl, die man sich wöchentlich zusammenstellen konnte. Außerdem waren die Schwestern immer sehr freundlich, wenn man gern mal einen Tee extra haben wollte. Eine Schwester hat sich aufgemacht und mir Naturjoghurt organisiert, weil ich dieses schlappe, zuckrige Zeug aus dem Becher nicht mochte - fand ich top in Ordnung. Natürlich haben sie auch drüber gewitzelt, daß ich meinen Grießbrei nicht aufgegessen habe, und irgendwie scheint es in Krankenhäusern immer diesen eingelegten Rohkostsalat zu geben, bei dem alles nur noch nach Essig schmeckt.

Hier in Nordhorn war es weniger gut, wobei ich natürlich durch die Mandeln gehandicapt war. Dennoch frage ich mich, wieso man wirklich furztrockenes Graubrot serviert bekommt, und das jeden Tag. Die warmen Mahlzeiten wirkten heillos verkocht und vitaminfrei.

Ich habe allerdings selbst auch mal in einer Großküche gearbeitet und weiß, daß es gar nicht so leicht ist, in Massen gut zu kochen. Wenn dann die Patienten auch noch nicht selbst ans Buffet gehen können, kann man es nicht jedem Recht machen. In Osnabrück hatte ich die eine oder andere Mitpatientin, die wirklich über jeden Bissen gemeckert haben. Trotzdem sollte natürlich die Grundversorgung mit Nährstoffen und auch Kalorien unbedingt stimmen, und man kann auch verlangen, daß es auf alte Leute und Kinder angepaßte Kost gibt. Schließlich geht es ja in den Krankenhäusern um die Gesundheit.

LG,

strangegirl

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