Prostitution

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inna

Prostitution

Post by inna » 24.11.2006, 22:48

Mich würde mal interessieren, was ihr über Prostitution denkt. Wann immer das Gespräch auf dieses Thema kommt, muss ich gestehen, dass ich da keine rechte Meinung dazu habe. Natürlich meine ich nicht jene Form, wo jemand dazu gezwungen wird, oder sich dazu gezwungen fühlt (beispielsweise aus finanziellen Nöten heraus) - dies ist zweifellos abzulehnen.
Nein, ich meine Frauen, die ganz aus freien Stücken diesem Gewerbe nachgehen und sich sehr wohl dabei fühlen - das soll es ja geben.

Meine Meinung dazu ist, wie gesagt, nicht sehr differenziert, und wie mir scheint, auch etwas tagesstimmungsabhängig:

Manchmal denke ich: naja, jeder versucht eben das zu "verkaufen", was er gut kann und was ihm Spass macht. Dann empfinde ich es einfach als ein Gewerbe, für das es eben eine Nachfrage und ein entsprechendes Angebot gibt. Und ich denke: vielleicht wird dort glücklicherweise so manches abreagiert, was sich sonst unberechenbare Wege suchen würde.

An anderen Tagen wiederum finde ich den Gedanken daran doch sehr befremdlich, und bin der Meinung, dass man doch etwas gestört sein muss, wenn man sich auf diese Weise mit Männern abgibt, die man im schlechtesten Fall auch noch unsympathisch oder abstoßend findet.

Wie seht ihr das?

Viele Grüße, inna

Jaime

Irma la Douce

Post by Jaime » 25.11.2006, 08:40

hi

es heisst ja nicht umsonst, das älteste Gewerbe der Welt. Früher gab es sogar Zeiten, wo diese Damen sehr angesehen waren.
Neulich las ich das Buch : die Wanderhure, kann ich hier nur empfehlen.

wir haben hier das Steintorviertel...,so wie ST .Pauli in Hamburg
ich mache mir ab und zu den Scherz und nehme dadurch eine Abkürzung. Interessant, welche Männer da tagsüber in den Hauseingängen verschwinden....Es sind bestimmt nicht alles Handwerker... ;D

An unseren Bundesstrassen stehen regelmässig diese Kleinbusse, das finde ich sehr gefährlich, dazu wäre ich ein Hasenfuß :D

Und neulich sah ich einen Tatsachen Film mit der Rosemarie Nitribitt, der Frankfurter Edelhure der 60 er Jahre.

Die Tochter einer Bekannten rutschte ins Rauschgift und Nuttenmilieu ab, die ganze Familie ist krank und depresiv.

Und zum Schluss brachte mal ein Freund eine aus Thailand mit, er wollte sie retten... aber sie zockte ihn ab.

Und wen eine einen reichen Mann nur deshalb heiratet, so ist sie in meinen Augen nix anderes !

Männer, die als Zuhälter fungieren erkenne ich sofort...die Frauen auch,, meistens tun sie mir nur leid, wenn sie leichtgeschürzt im kalten Winter am Bordstein stehen.

In meiner ersten Wohnung in einem grossem Arpartementwohnblock wohnte auch eine Dame,atemberaubend schön und sehr nett. ( da kam ich als Landei natürlich erst später drauf..)

Was aber auch sehr bekannt ist: dass Frauen extra dazu nach Kenia und Tunesien reisen.. also anderstherum, als Freierinnen

Und nun bin ich gespannt, was die Anderen hier dazu schreiben,,,

LG jaime

strangegirl

Post by strangegirl » 25.11.2006, 11:17

Ich finde, es ist sehr leicht, diese Frauen zu verurteilen, und bin deswegen froh, daß es hier keiner tut. Diejenigen, die gezwungen werden, tun mir einfach elend leid, und da kriege ich oft so richtig die Wut. Sex gegen ihren Willen ist so ziemlich das Schlimmste, was man einer Frau antun kann, finde ich.

Wenn sie es freiwillig machen - da stehe ich so auf der Kippe. Es gibt bestimmt Frauen, die es gut und gern machen, das will ich nicht abstreiten. Wenn das wirklich so ist, ist das Geld zunächst mal sicher leicht verdient. Was mir zu sehr unter den Tisch fällt bei Diskussionen darüber ist, daß tolle Frau keinerlei Versicherungsschutz genießen und schon privat vorsorgen müssen, damit sie auskommen, wenn die Zeiten mal nicht mehr so rosig sind. Außerdem kann ich mir vorstellen, daß es auch Zeiten gibt, in denen es auch die Freiwilligen ziemlich nervt oder anwidert, in denen auch sie ihre Arbeit nicht gern tun. Vor allem, wenn's finanziell mal knapp kommt und man drauf angewiesen ist.

Moralisch gesehen wundert es mich nicht, daß es ein Angebot gibt, wo auch eine Nachfrage herrscht. Letztere beunruhigt mich viel mehr. Ich glaube, viel mehr Männer besuchen tolle Frau, als eigentlich so bekannt ist. Sonst gäbe es wohl nicht so viele von ihnen. Daß es das "älteste Gewerbe der Welt" ist, finde ich immer eine sehr schale Begründung. Für mich ist es ein Symptom dafür, daß in unserer Gesellschaft immer noch nicht offen über sexuelle Bedürfnisse gesprochen wird, und auch, daß diejenigen der Frau immer noch nicht anerkannt sind. Sex ist zwar überall ein Thema - nur nicht der eigene...

Ich habe auch mal in der einen oder anderen Reportage gesehen, daß es oft Männer gibt, die zwar zu einer tolle Frau gehen, dann aber eher das Reden über die ach so schlechte Ehe zuhause oder andere Emo-Probleme im Vordergrund steht. So lange diese Männer bezahlen, so lange hört ihnen eine mehr oder weniger schöne Frau eben auch zu und "tröstet" gegebenenfalls.

LG,

strangegirl

strangegirl

Post by strangegirl » 25.11.2006, 11:20

Der Filter hat mich mal wieder kalt erwischt - dabei wißt ihr hoffentlich, daß ich es nicht böse meinte... :lach:

strangegirl

dana

Post by dana » 25.11.2006, 11:30

ich wuerde diese frauen auch nicht verurteilen,weil es genug davon gibt,(alleinerziehende muetter) die ihre familien damit ueber wasser halten.
was zuhaelter betrifft,ist es das erniedrigst,was einer frau passieren kann.
LG dana

Jaime

hallo

Post by Jaime » 25.11.2006, 11:34

hier erst mal ein paar Fehler richtigstellen.

depressiv natürlich mit 2 ss
und Appartement mit 2 p
sorry

wenn ich heute die Zeitung aufschlage (auch die seriöse) springen mir diese sog. Angebote direkt ins Gesicht
manoman da kann man ja nur trocken schlucken.

Ja, die Vereinigung der Nutten kämpft schon lange für Versicherungsschutz, soviel ich weiss, werden sie sogar steuerlich veranlagt, dann bitte auch mit allen Rechten und Pflichten.

Solange es eine tut aus freien Stücken, ok

aber wenn ich mitbekomme, dass junge Mädchgen in den Ostblockländern einfach von der Strasse gefischt werden, oder mit falschen Versprechungen Arbeit zu bekommen, hierhergelockt werden, und regelrecht auf dem Sklavenmarkt verkauft werden, so bekomme ich die kalte Wut !!!!

Ebenso wenn hier Messezeit ist, da geht es wohl rund im wörtlichen Sinne.
Nach Hause kommen dann diese Manager mit Pralinenschachteln und Luxusgüter... wie groß eigentlich wird eine Beule durch eine Praline ??? :lach:

da kommt mir gerade der Hartz in den Sinn ! das einfach toll mich echt an !
die dachten wohl, ihnen gehöre die Welt !

LG jaime

laemmlein

Post by laemmlein » 25.11.2006, 11:51

vielleicht wird dort glücklicherweise so manches abreagiert, was sich sonst unberechenbare Wege suchen würde.
Das sehe ich auch so, Inna! Darüber hinaus trägt jede Frau, die Sex als Dienstleistung anbietet, die Verantwortung für sich selbst und hat die freie Entscheidung darüber, Sex auf professioneller Ebene zu erleben.

Allerdings finde ich es furchtbar, wenn auch verheiratete Frauen mitmischen :eek: - und die soll es wohl nicht zu knapp geben...

bienchen

Post by bienchen » 25.11.2006, 12:46

Einerseits denke ich mir man sollte dieses Gewerbe wie jedes normale Dienstleistungsgewerbe betrachten, aber auf der anderen Seite kann ich mir die praktische Umsetzung absolut nicht vorstellen.
Wie kann ich zum Beispiel mit einem vollkommen ungepflegtem, ungewaschenen und obendrauf einem mir absolut unsympathischen Mann Sex haben?
Kann „Frau“ ihre Gefühle und den Ekel dermaßen abstellen und in dem Moment nur an das Geld denken?

Verurteilen würde ich keine Frau dafür, die das, sagen wir mal aus Überzeugung macht.
Jeder muss selber wissen wie er sein Leben gestaltet.

Leid tun mir nur alle Frauen die dazu gezwungen werden.
Man sieht doch immer wieder die Reportagen von den Frauen aus den Ostblockländern, die hierher gelockt werden und denken sie bekämen ein besseres Leben geboten.
Fern der Heimat und ohne Kenntnisse der hiesigen Sprache ergeben sich viele in ihr Schicksal und greifen zu Drogen.
Aber das wäre wohl wieder ein anderes Thema.

Babsel

Post by Babsel » 25.11.2006, 14:18

Prostitution - sofern freiwillig und als Beruf ausgeübt! - finde ich persönlich völlig in Ordnung. Wie inna schon schreibt, bieten diese Frauen manchen Männern ein Ventil, das sie sonst auf anderen Wegen ausleben würden. Unter Umständen "beschützen" sie auch die Lebenspartnerinnen der Freier vor Sexualpraktiken, mit denen sie nie einverstanden sein könntn.

Die psychische Struktur bezüglich Sexualität mag vielleicht anders sein, als die einer Lehrerin, Sekretärin, Putzfrau, Professorin - wir können nicht in das Herz und den Kopf unserer Mitmenschen schauen -. Ich persönlich kann es mir auch nicht vorstellen, mit jedem Sex zu haben, damit die Kasse stimmt. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, einem Eskimo einen Kühlschrank zu verkaufen, dass die Kasse stimmt.

Ehefrauen haben häufig Angst, dass ihr Mann in ein Bordell geht. Ich finde. es ist eher Angst angebracht, dass er eine "normale" Frau kennenlernt, bei der Gefühle eine Rolle spielen und der Schutz mittels Kondom vielleicht nicht so "Pflicht" ist, wie bei Prostituierten.

Schaut man mal Reportage aus diesem Milieu an, findet man sehr viele "starke" und taffe Frauen unter den Prostituierten.

Ich spreche mich dafür aus, dass Prostitution als "normaler" Beruf in unserer Gesellschaft anerkannt wird und habe in gewisser Weise auch durchaus Achtung vor diesen Frauen.

Bitte nicht :steinigung: :lach:

inna

Post by inna » 25.11.2006, 14:42

Jaime, "die Wanderhure" klingt ja irgendwie interessant. In welcher Zeit spielt der Roman? Weißt du denn noch die/den Autor/in?


So lange diese Männer bezahlen, so lange hört ihnen eine mehr oder weniger schöne Frau eben auch zu und "tröstet" gegebenenfalls.
Das, Strangegirl, finde ich auch eine bedenkliche Tatsache. Ich bin mir nur nicht so ganz im Klaren darüber, über wen sie etwas aussagt: sind es die Männer, die sich zu Hause ausschweigen über das, was ihre eigentlichen Bedürfnisse sind, oder sind es die Frauen, die sich nicht für die Bedürfnisse ihrer Männer interessieren und sie nicht erfüllen (können/wollen)?

Allerdings finde ich es furchtbar, wenn auch verheiratete Frauen mitmischen - und die soll es wohl nicht zu knapp geben..
Ach echt, Laemmlein? Das wusste ich nicht - und ihre Ehemänner kriegen das nicht mit und wundern sich auch gar nicht über die wundersame Geldvermehrung?


Einerseits denke ich mir man sollte dieses Gewerbe wie jedes normale Dienstleistungsgewerbe betrachten, aber auf der anderen Seite kann ich mir die praktische Umsetzung absolut nicht vorstellen.
Tja, Bienchen, so geht`s mir ja irgendwie auch. Andererseits könnte ich es mir persönlich auch nicht vorstellen in den Innereien eines Menschen zu "wühlen", wie das Chirurgen so machen. Trotzdem veranlasst mich deren Beruf nicht zu weiterführenden Fragen. Naja, zumindest nicht wirklich ernsthaft.



[/quote]Ich spreche mich dafür aus, dass Prostitution als "normaler" Beruf in unserer Gesellschaft anerkannt wird und habe in gewisser Weise auch durchaus Achtung vor diesen Frauen.
Dieser Meinung bin ich auch, Babsel. Das kann ja nun nicht sein, dass eine Dienstleistung einerseits von einem beachtlichen Teil der Gesellschaft in Anspruch genommen wird und andererseits missachtet wird.
Dein Zitat, Babsel, habe ich irgendwie etwas verunstaltet, aber ich krieg das nicht mehr anders hin, aber ich denke, es ist dennoch als solches zu erkennen.

Viele Grüße, inna

Jaime

die Wanderhure

Post by Jaime » 25.11.2006, 15:01

die Wanderhure ist von Iny Lorentz geschrieben, sie schreibt sehr viel in der Mittelalterzeit...


schau mal nach bei Amazon... neu 8.95 incl.Porto, gebraucht 5.45 + 3 e Porto zugzl. ist dann eh wurscht,,,

sie hat danach nochmal das Vermächtnis der Wanderhure geschrieben, aber meistens sind die nachgelegten Bücher nix mehr..

dieses eine spielte in Konstanz ab, zur Zeit des Konzils, das einige Jahre dauerte und eine Unmenge von Hübschlerinnen beherbergte.(Johann Hus Verbrennung und Wortbruch des Papstes !

da ich aus der Gegend stamme, war es natürlich interessant, wer da alles mitmischte, auch die Klosterbrüder von der Insel Reichenau..BÄH, Gänsehaut...

Ich hoffe, die Antwort konnte Dich etwas interessieren...
Leider habe ich es nicht mehr, habe es bestellt, gelesen und weiterverkauft... so wie es sein sollte
LG jaime

inna

Post by inna » 25.11.2006, 15:10

Ich hoffe, die Antwort konnte Dich etwas interessieren...
...ja, durchaus! Danke! Ich komme ja ursprünglich auch aus Süddeutschland, die Gegend ist mir vertraut.

Ich werde zuerst einmal in der Bibliothek danach suchen - mein Bücherkonsum ist nicht finanzierbar für uns, andernfalls werde ich mir das mal gönnen!

Viele Grüße, inna

meol

Post by meol » 28.11.2006, 10:06

Guten Morgen!

Wie alle anderen hier, verurteile auch ich Prostituierte nicht.
Verstehen kann ich sie allerdings nicht.
Es handelt sich in ihrem "Job" um schnell verdientes Geld, ich persönlich ziehe es jedoch vor, ganz normal meiner Arbeit nachzugehen.

Menschen, die Frauen zur Prostitution zwingen, verabscheue ich zutiefst.

@bienchen
Die Frage, ob diese Frauen nicht der Ekel überkommt, habe ich mir auch schon gestellt. Ich finde alleine den Gedanken an Sex mit den beschriebenen Männern recht ... .

Gruß, meol

inna

Post by inna » 28.11.2006, 13:27

Wie alle anderen hier, verurteile auch ich Prostituierte nicht.
Verstehen kann ich sie allerdings nicht.
Ich kann es auch nicht verstehen, meol, und das ist es eben, was mich daran beschäftigt. Wenn ich mir das ganz konkret vorstelle - also eben ganz konkret - dann stellt sich bei mir nur absolutes Unverständnis ein, das doch schwere Tendenzen in Richtung Ekel bekommt.
Andererseits würde die Ausübung dieses Jobs keine Rolle bei der Entscheidung spielen, ob ich sie sysmpathisch oder unsympathisch fände, wenn ich eine Prostituierte persönlich kennenlernen würde.

Wahrscheinlich fällt das Ganze einfach unter die Rubrik: was mir nicht entspricht, befremdet mich. Ist ja bei Weitem nicht immer so, aber in diesem Fall trifft es zumindest auf mich sehr zu.

Viele Grüße, inna

nana

Post by nana » 29.11.2006, 11:07

Dieses Thema ist interessant...meistens traut man es sich aber doch nicht anzuschneiden. Die Meinungen rutschen oft soweit auseinander wie meine Schlittschuhe beim Eislaufen.
Ich bin gerade mit einem sehr guten Buch zusammengestossen.
Der Titel: "Das erste Mal und immer wieder". Es hat mich total in seinen Bann gezogen. Es ist die autobiografische Schilderung einer Prostituierten. Man sollte es sich ruhig zulegen. Es kann die Sichtweise auf dieses Gewerbe doch etwas ändern!
Lisa Moos erzählt schonungslos und offen den Liebes- und Leidensweg einer Prostituierten.
In dem Buch erzählt sie von ihrer Familie (wurde als Kind missbraucht), iher ersten großen Liebe, von ihren zwei Söhnen und ihrem Erfolg und Misserfolg. Das Leben hat sie gezeichnet und dabei ist sie doch ein toller Mensch geblieben.
Wie gesagt, das Buch lohnt sich!!
Gruß Nana

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