schon wieder: Amok in der Schule

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Jaime

schon wieder: Amok in der Schule

Post by Jaime » 21.11.2006, 09:13

Was ist denn nur los?
Was trieb diesen jungen Mann wohl an?
und: woher hatte er die Waffen ?

Er hätte keine Zukunft für sich gesehen, wenn das so ist, und alle durchdrehen dann : Gute Nacht !

LG jaime

und jetzt denke ich mal an seine Mutter und an die Verletzten...

inna

Post by inna » 21.11.2006, 09:42

Was ist denn nur los?
Was trieb diesen jungen Mann wohl an?
Ja, dass sind wohl die Fragen, die wir uns ernsthaft stellen müssen.
Im besten Fall finden wir die richtigen Antworten und können aus dieser Erkenntnis heraus dann unseren Kindern ein entsprechendes Umfeld bieten, das solch unglaublich grauenhaften Konsequenzen verhindert.
Wenn ein junger Mensch, gerade "erwachsen" geworden, aus der Summe seiner Erfahrungen den Schluss zieht, dass solch ein Handeln die sinnvollste Reaktion darauf sei, dann sagt das nicht nur etwas über ihn aus. Sein Handeln gibt uns, wie ich meine, auch Auskunft über die Angebote, die Werte und den Umgang der Menschen untereinander in jener Gesellschaft, in der er aufgewachsen ist, die ihn geprägt und erzogen hat.

Viele Grüße, inna

Babsel

Post by Babsel » 21.11.2006, 09:53

inna2 wrote: Wenn ein junger Mensch, gerade "erwachsen" geworden, aus der Summe seiner Erfahrungen den Schluss zieht, dass solch ein Handeln die sinnvollste Reaktion darauf sei, dann sagt das nicht nur etwas über ihn aus. Sein Handeln gibt uns, wie ich meine, auch Auskunft über die Angebote, die Werte und den Umgang der Menschen untereinander in jener Gesellschaft, in der er aufgewachsen ist, die ihn geprägt und erzogen hat.

Viele Grüße, inna
Das ist völlig richtig inna2. Ich denke auch, dass solche Aktionen eher Re-aktionen auf Umstände sind, die Menschen an den Rand des seelischen Ruins bringen. Um das zu beseitigen, sind wir alle gefordert. Einmal - und das zu vorderst - als Eltern, aber auch als Nachbarn, Lehrer und nicht zuletzt als "Staat".

Isis

Post by Isis » 22.11.2006, 20:01

;( Hallo zusammen,

ich bin da auch eurer Meinung. Irgendwie muß einem so ein Mensch doch leid tun. Die Welt ist grausam. Ich habe mitbekommen, wie in einer Parallelklasse meines Sohnes ein Junge vom 5. bis 10. Schuljahr nur gemobbt wurde und keinen Anschluß fand. Die Eltern waren hilflos und die Lehrer auch. Mal ging es ne zeitlang gut, dann wurde es immer schlimmer. Auch die Schulpsychologin half da nicht viel weiter. Dieser Junge hat zwar nichts angestellt, aber ich möchte nicht wissen, was in ihm so gebrodelt hat. Der eine ist halt so veranlagt, dass er alles schluckt und der andre explodiert dann irgendwann.
Es gibt so viele einsame Menschen, besonders auch Jugendliche, die lassen aber auch irgendwann keinen mehr an sich ran.

Ein schwieriges, trauriges Thema.

LG Isis :/

Jaime

Kinder können grausam sein

Post by Jaime » 22.11.2006, 20:54

In meinem Heimatort *** habe ich den Schülerheimwegalltag hautnah mitbekommen. Ein Junge hatte wohl ein Bein kürzer als das andere, er wurde ständig geschupst, getreten, angespuckt...

das konnte ich nicht mitansehen, ein Junge kannte ich, d.h. seine Mutter
das war mir doch grad mal ein zufälliger Besuch wert !!!

Und soweiter... :D LG jaime

Babsel

Post by Babsel » 22.11.2006, 22:08

Klasse Jaime! Wir brauchen Menschen, die aufpassen (keine Denunzianten)! Super, dass Du so engagiert an die Sacher herangegangen bist.

Babsel

Post by Babsel » 22.11.2006, 22:15

:lach: Jaime, ich weiß nicht, ob Du - wie ich - auch engagiert an die "Sacher" herangehst. Ich meinte natürlich Sache! :lach:

Babsel

Post by Babsel » 22.11.2006, 22:19

:lach: Jaime, ich weiß nicht, ob Du - wie ich - auch engagiert an die "Sacher" herangehst. Ich meinte natürlich Sache! :lach:

Wiggle

Post by Wiggle » 22.11.2006, 22:33

:stupid: Irgendetwas stimmt hier in diesem Forum nicht,
in letzter Zeit sind viele Threats doppelt.
Und seht euch mal die Zeiten an.
Ich wette hier hat sich ein Poltergeist eingenistet. :nighty:

Babsel

Post by Babsel » 22.11.2006, 22:40

Ich habe zu dem Thema einen interessanten Link gefunden:

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldun ... AB,00.html

strangegirl

Post by strangegirl » 24.11.2006, 15:41

Ich denke, das ist doch eigentlich keine Neuigkeit, daß es in jeder Schulklasse einen Außenseiter gibt. Kinder und Jugendliche können ganz schön grausam sein.

Das kenne ich aus meiner eigenen Schulzeit auch noch, als ich Angst hatte, nach Wochenenden und Ferien wieder in die Schule zu gehen - das morgendliche Spießrutenlaufen auf dem Gang (könnte einem jemand ein Bein stellen?), Gelächter bei falschen Antworten, Ausgrenzung wegen Kleidung und Aussehen - das war auch vor 15 Jahren nicht anders. Das ist richtig schlimm und wird mit zunehmendem Materialismus immer noch schlimmer.

Das allein ist es aber nicht. Die Frage ist, wann "kippt" ein so ausgegrenzter junger Mensch um? Es ist eine Sache, über so etwas zu reden, aber eine völlig andere, es auch zu tun.

Darüber hinaus bin ich extrem "medienempfindlich" geworden in den letzten Tagen. Überall wird reißerisch von einer Todesliste geredet, von "Hass-Tagebüchern". An der Schule war gerade Pause, als es passierte, und der Knabe hätte einfach "nur" ins Lehrerzimmer gehen müssen und die Lehrerschaft, die ja angeblich auf seiner Liste stand, erschießen müssen. Die Trefferquote wäre hoch gewesen. Er hat es aber nicht getan.

Was im allgemeinen total unter den Tisch fällt, ist, daß sich da ein junger Mensch das Leben genommen hat, und zwar auf grausame Weise. Man sollte sich fragen, was passiert ist, daß es nichts mehr gab, das ihn im Leben hielt. Wann der Punkt kam, wo alles "umkippte". Das sind die Fragen, die wirklich wichtig sind.

LG,

strangegirl

Jaime

ein Punkt kommt zum anderen

Post by Jaime » 25.11.2006, 19:47

hi

dem jungen Mann (ja, er ist ja fast noch ein Kind) wurden wohl Misserfolg, Demütigung,Kränkungen und eben o Chancen zuviel. Der Auslöser war vielleicht die Trennung von seiner ersten Freundin.

Es stecken eben nicht alle die diversen Misshandlungen der lieben Mitschüler locker weg, die meist in Rudeln auftreten, +die Aussenseiter immer alleine sind..

Was sagen denn die Eltern des Schülers,? meine Informationen aus der Zeitung sind, das sie immer noch unter Schock sind

Auch mein Sohn hatte mal einen Sommer im nahen Wäldchen Gotcha gespielt, haben wir früher nicht alle Indianer usw . gespielt ?

zu denken gibt mir allerdings die Aussage von Erfurt, dem Lehrer von Robert, er sei schon lange nicht mehr im Schuldienst, er wurde wohl auch von der Schulleiterin gemobbt.

und dazu diese PC Internet Scheinwwelt der Spiele.. welche Eltern haben da noch eine Übersicht,,? wie zu Mephisto..

das sind nun meine Gedanken dazu, zusammen bekommen wir vielleicht ein ganzes Bild, wenn es überhaupt eines gibt..

LG jaime

echtgold

Post by echtgold » 26.11.2006, 01:36

Ich kann Strangegirl nur beipflichten....
Aus einem jungen Menschen ,der schrecklich verzweifelt gewesen sein muss,wird in den Medien ein Monster gemacht!
Sicher-,was er getan hat ist schlimm und Gewalt gegen andere ist keine Lösung.

Aber man muss doch auch sehen,das seine Mitmenschen wohl versagt haben.
Es ist sehr schlimm, wie heute Kinder und Jugendliche ausgegrenzt,gequält und erniedrigt werden.Nicht nur von Mitschülern.

Mein Sohn wurde in der Schule auch von Lehrern gedemütigt und lächerlich gemacht,-er kam früher oft weinend aus der Schule.
Bis heute geht er nicht besonders gern zum Unterricht, denn dort muss man in erster Linie funktionieren.

Und in den Pausen muss man cool sein und möglichst beliebt,sonst hat man nichts zu lachen.
Ich habe den Eindruck,dass diese Dinge zugenommen haben,bzw. sich verschärft haben.

Zu meiner Schulzeit war man nicht so extrem gewalttätig und grausam.....aber wir hatten auch keine Ego-Shooter-Spiele,keine Soft-Air-Pistolen und durften auch nicht bis in die Nacht Horror- und Gewaltfilme gucken.
Damals waren ein paar Raufereien oder Hänseleien das Schlimmste, was vorkam.

Ich will aber nicht damit sagen,dass diese Schiess-Spiele an allem schuld sind.
Ich glaube, sie tragen vielleicht zu einer gewissen "Abhärtung" (im negativen Sinne) bei, aber ein Mensch ,der in einer liebevollen und geborgenen Atmosphäre aufwächst,wird auch bei regem Ballerspiel-Konsum sicher keine "echten Menschen" abschiessen.

Ich denke , unsere ganze Gesellschaft ist kalt ,materiell orientiert und extrem leistungsfordernd.
Wer da in irgendeiner Form nicht mithalten kann, wird ausgegrenzt.

Ich bin sehr betroffen von solchen Vorfällen und auch traurig....

LG: echtgold

strangegirl

Post by strangegirl » 26.11.2006, 13:22

Meine vollständige Zustimmung, echtgold...

strangegirl (immer noch traurig und entsetzt)

Babsel

Post by Babsel » 26.11.2006, 15:36

echtgold wrote: Mein Sohn wurde in der Schule auch von Lehrern gedemütigt und lächerlich gemacht,-er kam früher oft weinend aus der Schule.
Bis heute geht er nicht besonders gern zum Unterricht, denn dort muss man in erster Linie funktionieren.

Und in den Pausen muss man cool sein und möglichst beliebt,sonst hat man nichts zu lachen.
Ich habe den Eindruck,dass diese Dinge zugenommen haben,bzw. sich verschärft haben.
.....
.....

Ich denke , unsere ganze Gesellschaft ist kalt ,materiell orientiert und extrem leistungsfordernd.
Wer da in irgendeiner Form nicht mithalten kann, wird ausgegrenzt.

Ich bin sehr betroffen von solchen Vorfällen und auch traurig....

LG: echtgold
echtgold, Danke! Du hast es auf den Punkt gebracht. Ich denke auch, dass unsere immer kälter werdende Gesellschaft an vielem "schuld" ist.

Die Hänseleien, die früher üblich waren, taten auch weh - klar! Aber das war dem Alter der Kids und ihrer eigenen Unsicherheit gegenüber anderen angemessen. Auch ich wurde gehänselt und habe das - auch wenn ich mich nicht erinnern kann - sicher auch getan. - Darum geht es heute nicht mehr.
Aus den Hänseleien wurde im Laufe der letzten Jahre harter Psychoterror - und leider (unserer Erfahrung) viele Lehrer sind sich dazu auch nicht "zu fein".

Die Leistungsorientierung ist aus meiner Sicht völlig abstrus und krankhaft.
Gerade gestern habe ich mich mit einer jungen Frau unterhalten, die zur Polizei möchte. Die Zulassung zur Aufnahmeprüfung für den gehobenen Dienst setzt ein Abitur von 2,0 voraus. Mit 2,1 ist man weg vom Fenster. Die Modalitäten der Prüfung sind hammerhart. Ein LRS-"Kind" hat soviel wie keine Chance, weil auf Deutsch enormen Wert gelegt wird und das Fach "schwerpunktmäßig" geprüft wird - warum? Mir persönlich ist es nicht wichtig, wie viele Fehler ein Polizist oder Kommissar in seinem Bericht macht. Wichtig ist, wie er als Mensch mit seinem Job und mit den Opfern wie Tätern umgeht. Dazu braucht er meiner Meinung nach kein Top-Abi. - Dazu braucht er soziale Kompetenz!

Wie sollen junge Menschen an sich und ihre Zukunft glauben können, wenn sie schon in der Grundschule nur nieder gemacht werden; wenn sie Leistungen erbringen müssen, denen sie teilweise entwicklungsmäßig noch gar nicht gewachsen sind.

Sicher, wir haben als Eltern einen Teileinfluss, auf welche Schule wir unser Kind geben. Aber nicht allen Eltern ist das möglich. Einerseits fehlt es an wirklich guten Alternativen in erreichbarer Nähe, andererseits an den monatlichen Beiträgen für eine Privatschule. Wie soll z. B. ein allein erziehender Elternteil das finanziell und organisatorisch "stemmen". Also sind die Kinder dem "Staatssystem" ausgeliefert - das Ergebnis: (muss nicht - ist aber sehr wahrscheinlich) Frustrierte Kinder, ohne Selbstbewusstsein, ohne gute Noten, ohne Perspektive. Je nach charakterlicher Veranlagung wundere ich mich jedenfalls nicht, dass der eine oder andere Jugendliche "austillt". Es sind arme Kinder, an denen - hart formuliert - menschliche Verbrechen begangen wurden.

Vor kurzem las ich einen schönen Satz:"Zeigt dem Kinde seine Stärken und nicht nur seine Schwächen. Es dankt es euch mit Meisterwerken, statt an den Fehlern zu zerbrechen!"

Auch mich - als Mutter eines 3. Klässslers - machen diese "Vorfälle" - aber auch viele Reaktionen darauf - sehr traurig und manches Mal auch mutlos.

woodstock

Post by woodstock » 26.11.2006, 17:24

Babsel und echtgold:
Auch ich habe einen Sohn, der dem Mobbing durch Lehrer ausgesetzt war.
Er hat, obwohl ein guter Schüler, die Schule geschmissen.
Ich weiß bis heute nicht, warum das so war...
Ich denke, es müsste mehr Kontrollinstanzen für Lehrer geben, damit allein diese Möglichkeit ausgeschlossen werden kann.
Natürlich gibt es auch viele Ursachen, die im Elternhaus zu suchen sind.
Ich möchte mich aber hier mal darüber auslassen, dass es heutzutage ein Leichtes ist, an scharfe Waffen und auch verbotene, leichtere Waffen zu kommen. Dieser letzte Amoklauf konnte doch nur "so einfach" stattfinden, weil es per Internet möglich war, sich die Waffen zu beschaffen. Laut Radio-Nachrichten hat dieser Junge rund 10 Einkäufe von Waffen in einem darmstädter Internet Waffengeschäft getätigt. Innerhalb der letzten Monate! Ich finde, der Händler müsste verpflichtet sein, größere Waffeneinkäufe (im Sinne von Mengen) zu melden. Vermutlich werden jetzt viele aufschreien, denn dann werden die Kaufleute darunter leiden...
Gegen ein Alkoholverbot oder andere Sicherheitsmaßnahmen, die dafür sorgen, dass Jugendliche geschützt werden, geht doch auch kein Weg vorbei. Warum dann im Waffenhandel?
Vielleicht wäre es ein gangbarer Weg, sich "der Sache", nämlich dem Schutz der Bevölkerung - nicht nur unserer Kinder - ein wenig zu nähern?!!
Nachdenkliche Grüße,
Doro

inna

Post by inna » 26.11.2006, 17:34

Einerseits fehlt es an wirklich guten Alternativen in erreichbarer Nähe, andererseits an den monatlichen Beiträgen für eine Privatschule. Wie soll z. B. ein allein erziehender Elternteil das finanziell und organisatorisch "stemmen".
Ich weiß nicht, wie andere Privatschulen das handhaben, aber bei Waldorfschulen ist der monatliche Beitrag abhängig vom Einkommen der Eltern. In die Klassen meiner Kinder gehen Mitschüler, deren Eltern von Sozialhilfe leben.
Wir bezahlen jeden Monat 250 Euro für zwei Kinder und müssen eben auf verschiedene Luxusgüter deswegen verzichten - aber das ist es uns wert.

Viele Grüße, inna

strangegirl

Post by strangegirl » 26.11.2006, 17:44

@Doro:

Ich bin der Ansicht, daß Waffen generell nicht über das Internet gehandelt werden dürften. Im Zweifelsfall muß es bei ausländischen Sites ein Einfuhrverbot für Waffen geben.

Überall, wo der Waffenschein nicht direkt vorgelegt und überprüft werden kann, sollte ein Verbot greifen. Und ansonsten strengste Kontrolle, z.B. durch Abgleich mit dem gültigen Personalausweis usw. Ich hätte auch nichts dagegen, daß Leute, die Waffen besitzen, irgendwo registriert werden.

LG,

strangegirl

woodstock

Post by woodstock » 26.11.2006, 17:52

Ute:
Der Schüler war ja 18 Jahre alt und wäre somit eh durch die gängigen Raster gefallen. An ausländische Internet-Anbieter habe ich dabei noch nicht einmal gedacht. Doch: wie will man gerade aus dem Ausland einen Import verhindern? Klar ist auch: wer nur gewitzt genug ist, könnte ein solches "Mengen-Limit" umgehen, indem er in unterschiedlichen "Läden" einkauft. Vernetzung? Meldepflicht?
Ich weiß es nicht...
Ratlose Grüße,
Doro

echtgold

Post by echtgold » 26.11.2006, 22:43

Möchte nur mal so anmerken: "Ein glücklicher,geliebter und umsorgter Mensch WILL nirgendwo Waffen kaufen......"

Alle Verbote,Meldepflichten und Registrierungen können umgangen werden,--meiner Meinung nach ist die Lösung nicht in solchen Maßnahmen zu finden!

LG: echtgold

inna

Post by inna » 27.11.2006, 09:39

Möchte nur mal so anmerken: "Ein glücklicher,geliebter und umsorgter Mensch WILL nirgendwo Waffen kaufen......"

Alle Verbote,Meldepflichten und Registrierungen können umgangen werden,--meiner Meinung nach ist die Lösung nicht in solchen Maßnahmen zu finden!
Genau dieser Meinung bin ich auch. Nicht die Waffen sind das Problem, sondern die Gesinnung des Menschen, der sie in Händen hält.
Dennoch bin ich auch dafür, dass es potentiellen Tätern so schwer wie möglich gemacht wird, sich diese zu beschaffen.
Aber die Ursache des Problems wird, wie Echtgold schon sagt, mit diesen Maßnahmen nicht behoben.

Viele Grüße, inna

strangegirl

Post by strangegirl » 27.11.2006, 10:06

Man kann es doch auch so sehen: Er hätte noch so wütend auf die Welt sein können, hätte er keine Waffen bekommen, wäre das auch so nicht passiert.
Möchte nur mal so anmerken: "Ein glücklicher,geliebter und umsorgter Mensch WILL nirgendwo Waffen kaufen......"
Da hast Du sicher Recht, echtgold. Es ist nur anscheinend bei vielen, vielen jungen Menschen so, daß das Patentrezept für Glück und Sich-geliebt-fühlen noch nicht erfunden ist. Wir können ja nicht pauschal sagen, was jetzt z.B. in dem aktuellen Fall schief gelaufen ist. Und es gibt eben auch Fälle, da können sich die Eltern noch so viel Mühe geben, sie kommen nicht mehr an ihr Kind heran, weil es Dinge gibt, die einen vertrauensvollen Umgang verhindern. Und allzu oft sieht man auch, daß besonders verwöhnte Kinder hinterher nichts mit sich anzufangen wissen.

Die Haltung der Eltern spielt ganz gewiß eine Rolle, aber die Kriterien, nach denen sich z.B. Schüler das Klassena...loch aussuchen, sind völlig willkürlich und hängen oft von Kleinigkeiten ab. Wie will man so was unterbinden? Und daß ein Mensch, der so sehr auf seiner Individualität beharrt wie dieser, in unserer aktuellen Realität auf Grenzen stoßen muß, darf meiner Meinung nach auch nicht außer Acht gelassen werden.

Da ist sie wieder, die Grenze. Wie schön wäre das Leben, könnte man sagen "Ach, habt Euch doch alle einfach lieb!". Wie schön wäre das Leben, wenn man sagen könnte "Der Knabe ist halt bloß einfach nicht genug geliebt worden!". Das Leben ist bloß einfach nicht so schön.

LG,

strangegirl

echtgold

Post by echtgold » 27.11.2006, 23:20

Strangegirl: Ja leider!

Aber diese vielen ungeliebten,gemobbten,unter widrigen Umständen lebenden Menschen werden meines Erachtens immer mehr.
Keine Verbote und Gesetze können gewaltbereite Menschen von ihren Taten abhalten....
Man braucht nur eben über die Grenze fahren oder die "richtigen" Internet-Adressen kennen,dann bekommt man auch bei noch so strengen Gesetzen seine Mordinstrumente.

Ich bin eben nicht immer so sehr für Gesetzesverschärfungen....
das wollte ich zum Ausdruck bringen.

LG: echtgold

Nadine75

Post by Nadine75 » 28.11.2006, 01:33

Und daß ein Mensch, der so sehr auf seiner Individualität beharrt wie dieser, in unserer aktuellen Realität auf Grenzen stoßen muß, darf meiner Meinung nach auch nicht außer Acht gelassen werden.
Man muß auch nicht außer Acht lassen wie manche mit andersartigen Menschen umgehen.
Vor allen Dingen warum ?
Weil der eine Mensch nicht mit der Menge geht ?
Ist es denn gerechtfertigt ?

Klingt nach: Selbst schuld.
Das ist arm,.

Nadine75

Post by Nadine75 » 28.11.2006, 01:42

Da ist sie wieder, die Grenze. Wie schön wäre das Leben, könnte man sagen "Ach, habt Euch doch alle einfach lieb!". Wie schön wäre das Leben, wenn man sagen könnte "Der Knabe ist halt bloß einfach nicht genug geliebt worden!". Das Leben ist bloß einfach nicht so schön.
Lieb haben kann man nicht jedern Menschen.
Aber achten und wertschätzen, egal wie er nun rumläuft. Denn jede Nichtachtung und Nichtwertschätzung führt ihn über kurz oder lang näher ans Grab.
Hört sich hart an, aber wenn sich jemand nicht mehr wertschätzen kann passiert eben auch mal so ein Unglück.

Wenn er sich so unmgebracht hätte ohne "Publikum", wäre es nur eine Anzeige und Problem des Einzelnen. Keiner würde sich je großartig Gedanken machen.
Nur weil jemand nun noch andere mit reingezogen hat, gehts um die Angst der Kinder und Eltern.
Es könnte ja einen selbst treffen, oh Wunder.

Schön wäre, wenn jeder den es treffen könnte bei sich selbst anfängt, bei deinen eigenen Kindern und deren Verhalten gegenüber Mitschülern.
Da wäre - übrigens ohne Gesetze oder Verbote die Menschen in dem Fall nicht brauchen - vielen geholfen.
Es kann einfach jeden treffen, siehe auch Mobbing am Arbeitsplatz. Ist ja auch nichts anderes.

strangegirl

Post by strangegirl » 28.11.2006, 09:52

Ich befürworte im Prinzip auch, daß jeder bei sich anfangen muß. Irgendwie muß man ja das ändern, was man auch ändern kann. Das sehe ich sein.

Nur - ich habe es leicht, mit meinen Mitmenschen respektvoll, nett oder gar liebevoll umzugehen. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der noch weit weniger Kälte herrschte. Ich habe irgendwann lernen dürfen, daß es Menschen gibt, die mich so nehmen wie ich bin. In der Zeit, als es für mich wichtig war, hing das allseits bekannte Damoklesschwert aus finanzieller Not, Arbeitslosigkeit und massiver Ausgrenzung noch nicht so sehr über meinem Kopf, oder zumindest war der Faden noch nicht so dünn.

Ich finde, das muß man mit berücksichtigen. Jeder hat seine Geschichte, und da ist es eben nicht damit getan, daß wir uns alle einfach "irgendwie mehr lieb haben" oder einander ganz locker "schlicht mehr Respekt entgegenbringen". Die eigene Angst, der eigene gesellschaftliche und familiäre Background, Orientierungslosigkeit und vieles mehr sind mit dafür verantwortlich, wie einer mit seinen Mitmenschen umgeht, und - wie die Mitmenschen mit ihm umgehen.

Das gesamte Umfeld der einzelnen Menschen ändert sich zusehends, und wenn es uns nicht gelingt, adäquat darauf zu reagieren (natürlich nicht nur durch Verbote, aber dort wo sie sinnvoll sind, halte ich sie für angemessen), dann wird Emsdetten nach Erfurt nur ein Name in einer langen Reihe solcher Geschehnisse werden.

LG,

strangegirl

strangegirl

Post by strangegirl » 28.11.2006, 09:57

Nadine75 wrote:Man muß auch nicht außer Acht lassen wie manche mit andersartigen Menschen umgehen.
Vor allen Dingen warum ?
Weil der eine Mensch nicht mit der Menge geht ?
Ist es denn gerechtfertigt ?

Klingt nach: Selbst schuld.
Das ist arm,.
Meine liebe Nadine, Du hast mich wieder mal nicht verstanden. Was ich sagen wollte ist, daß Menschen, die individuell denken und handeln, schon allein deshalb von unserer Gesellschaft ausgegrenzt werden. Die Masse ist alles, guck' Dir doch die Menschen auf der Straße mal genau an. Das ist die Realität, und sie ist traurig.

Es tut mir ausgesprochen leid, daß Du meine Äußerung dazu als "arm" betrachtest. Wenn es in Deinen Ohren nach "selbst schuld" klingt, muß das noch lange nicht heißen, daß ich es auch so gemeint habe. Deine Fähigkeiten zur freien Interpretation sind beachtlich.

strangegirl

Nadine75

Post by Nadine75 » 28.11.2006, 14:09

Meine liebe Nadine, Du hast mich wieder mal nicht verstanden. Was ich sagen wollte ist, daß Menschen, die individuell denken und handeln, schon allein deshalb von unserer Gesellschaft ausgegrenzt werden. Die Masse ist alles, guck' Dir doch die Menschen auf der Straße mal genau an. Das ist die Realität, und sie ist traurig.
Das ist arm. Genau das meine ich.
Die Sache, nicht dich oder weil die Äußerung nun von dir kam.

Dieser Schüler hat ja einen Abschiedsbrief geschrieben.
Er wollte einfach nur so sein wie er ist.
Das durfte er nicht.
Weil unsere Gesellschaft so bescheuert ist und Individuen ausschließt.

inna

Post by inna » 29.11.2006, 09:25

Strangegirl hat geschrieben:
Er hätte noch so wütend auf die Welt sein können, hätte er keine Waffen bekommen, wäre das auch so nicht passiert
In der Zeit, als es für mich wichtig war, hing das allseits bekannte Damoklesschwert aus finanzieller Not, Arbeitslosigkeit und massiver Ausgrenzung noch nicht so sehr über meinem Kopf, oder zumindest war der Faden noch nicht so dünn.
Die Haltung der Eltern spielt ganz gewiß eine Rolle, aber die Kriterien, nach denen sich z.B. Schüler das Klassena...loch aussuchen, sind völlig willkürlich und hängen oft von Kleinigkeiten ab. Wie will man so was unterbinden?
Die Argumente, die du hier nennst, sind ja Zustände, die sich für den Einzelnen kaum beeinflussen lassen. Die kann und muss man natürlich wahrnehmen und benennen, aber damit ist dann auch schon alles getan, was möglich ist, und man kann sich aussuchen, ob man daran verzweifeln mag, oder ob man es einfach verdrängt.
Wenn man nur für sich selbst und sein Verhalten verantwortlich ist, mag das genügen. Doch wenn man Kinder hat und diese auf die Welt und ihre Unbillen vorbereiten möchte, dann trägt man mehr Verantwortung, sich damit auseinander zu setzen, welche Qualitäten ein Mensch entwickeln muss, um sich in dieser Welt, die nun mal so ist, wie sie ist, zurecht zu finden und im besten Fall sogar ein zufriedenes, erfülltes Leben führen zu können.
Ich habe mich in jungen Jahren einer Clique angeschlossen, in der Haschisch geraucht wurde. Neugierig, wie ich war, habe ich das auch ausprobiert und dabei zunächst interessante Erfahrungen gemacht. Beinahe die gesamte Clique ist in einem Prozess über mehrere Jahre hinweg mehr und mehr "abgestürzt": härtere Drogen wurden konsumiert, manche sind wegen Drogenbesitz im Gefängnis gelandet und einer starb an einer Überdosis Heroin. Die Drogen zu beschaffen war kein Problem, sie standen Allen zur Verfügung, und auch ich hätte ohne Weiteres Kokain und Heroin konsumieren können.
Mein Weg sah so aus, dass ich nach 1 Jahr der "verdumpften" Haschischwahrnehmung überdrüssig war und es seither auch nie wieder geraucht habe. Die Ursache dafür sehe ich eindeutig darin, dass es meinen Eltern in den vielen Jahren, die sie mich begleitet und beeinflusst haben gelungen ist, dass ich das reale Leben, so schwer es manchmal auch sein mag, in einer Weise erfüllend erlebe, dass ich es eindeutig der verzerrten Drogenwelt vorgezogen habe.

Ein glücklicher,geliebter und umsorgter Mensch WILL nirgendwo Waffen kaufen......"
In diesem Zusammenhang muss ich jetzt nochmal auf Echtgolds Äußerung zurückgreifen. Diese Aussage mag auf den ersten Blick etwas naiv erscheinen und von einer heilen Welt träumen, die es so nicht gibt -doch wer genau hinsieht, der erkennt darin alles, was nötig ist, um solche Greueltaten wie die des Amokläufers nachhaltig zu verhindern: hier ist die Rede von einem Menschen, der ein erfülltes Leben führt, der geliebt wird (zumindest von den Menschen, die ihm nahestehen - und das reicht völlig aus) und um dessen Bedürfnisse man sich in der Vergangenheit in einer Weise gekümmert hat, so dass er Geborgenheit erleben durfte. Dies sind keine utopischen Vorstellungen! Und ich bin davon überzeugt, dass ein solcher Mensch Wege finden kann, mit den Gefahren "draußen" fertig zu werden.
Aus diesen Gründen bin ich nach wie vor dafür, dass wir uns Gedanken darüber machen, was wir unseren Kindern vermitteln können, damit sie beispielsweise nicht zu potentiellen Gewalttätern werden. Diese Vorgehensweise halte ich langfristig für wirkungsvoller, als mich darauf zu beschränken, mich mit verschränkten Armen zurückzulehnen und darauf zu verweisen, dass die Welt (wer?) bitteschön erst einmal bessere Grundlagen für meine Kinder schaffen muss.

Viele Grüße, inna

strangegirl

Post by strangegirl » 29.11.2006, 10:20

@inna2:

Das hieße dann, daß in erster Linie die Eltern des Jungen für das Desaster verantwortlich waren, weil sie ihn nicht vernünftig auf das Leben vorbereitet haben?

Ich bin der Ansicht, daß diese Sache gerade deshalb so heikel ist, weil sich so schwer Verantwortlichkeiten benennen lassen. Klar ist es für ein Kind mehr als wichtig, gute Grundlagen mit auf den Weg zu bekommen. Viele rettet das vor dem Absturz, aber nicht alle. Und da fängt dann die Erklärungsnot an. Ich bin mir ziemlich sicher, daß die Eltern von Bastian B. alles getan haben, was sie konnten, zumindest aus eigener Sicht. Man kann ja nun keinen Katalog erstellen, nach dem ein Kind erzogen werden müßte, damit es hinterher nicht Amok läuft. Bastian hatte noch zwei Geschwister, und die sind auch nicht Amok gelaufen. Da kommt vieles zusammen, und sicher ist alles, was Du ansprichst, richtig, taugt aber nicht zur alleinigen Erklärung.

Auch ich habe schon darüber nachgedacht, wie es sein kann, daß diesen Jungen nichts mehr im Leben hielt. Und das ist vielleicht die wichtigste Frage. Ich sehe es eben so, daß da eine Menge zusammenkommt. Ja, offenbar haben seine Eltern ihm den Halt, den er gebraucht hätte, nicht geben können. Aber es ist wahrscheinlich, daß da mehr dazu kam. Der Junge hat ja in seinen Tagebüchern und seinem Abschiedsbrief eine ganz klare Kritik geäußert: Er wollte nicht in die Tretmühle eines klassischen Lebenslaufs - von der Schule bis zur Rente. In jedem Teenagerleben gibt es eine Phase, in der man das spießig findet, aber zum Teil kann ich seine Kritik auch nachvollziehen. Es ist natürlich leicht, die Gesellschaft und die äußeren Umstände dafür verantwortlich zu machen, aber er hat es eben so gesehen, und das war offenbar mit ausschlaggebend für seine Tat. Wie gesagt, ich kann diese Perspektivlosigkeit zum Teil verstehen.

Was hätten die Eltern da machen sollen? Ihn dreimal die Woche zum Tierestreicheln schicken oder in die Gesprächstherapie? Wir wissen, daß das nichts nützt. Bemühungen seitens der Schule, ihn mit dem Schulpsychologen in Kontakt zu bringen, sind schließlich ebenfalls gescheitert.

Wir können nicht bis in alle Einzelheiten nachvollziehen, wieso der Junge so gehandelt hat. Hätte er, anstatt Amok zu laufen, eine Therapie begonnen, dann hätte die wahrscheinlich sehr lange gedauert. Wie kann man da erwarten, als Außenstehender innerhalb von ein paar Wochen eine befriedigende Antwort zu finden? Ich selbst vermute, daß sein Handeln ganz stark mit dem Gefühl von Machtlosigkeit zu tun hat, und daß er vielleicht auch deshalb so ein Waffennarr war. Er hat das wohl als einzige (zur Verfügung stehende) Möglichkeit begriffen, sich aus seiner macht- und sprachlosen hinauszumanövrieren.

Daß die äußeren Faktoren, die Du von mir noch mal zitiert hast, schwer zu fassen sind, heißt nicht, daß sie keine Rolle spielen. Ich kann verstehen, daß man vielleicht am besten dort beginnt, begreifen zu wollen, wo Handeln noch am ehesten faßbar ist. Nämlich z.B. bei der Verantwortlichkeit der Eltern. Aber wir können doch überhaupt nicht beurteilen, wer was wann wo falsch gemacht hat und ob es etwas geändert hätte, wenn seine Erziehung anders gewesen wäre. Und ich denke, daß schon auch die äußeren Faktoren eine Rolle spielen. Insgesamt ist es nunmal so, daß es heute hauptsächlich darum geht, erfolgreich zu sein, Output für die Wirtschaft zu liefern, sich etwas leisten zu können und ansonsten nur in begrenztem Rahmen aufzufallen.

Wenn sich jemand damit weder wirklich kritisch auseinandersetzen kann noch sich damit identifiziert, bleibt vielleicht nur noch die Möglichkeit, an dieser Realität zu scheitern. Man kann diese gesellschaftlichen Umstände nicht einfach so negieren, man muß sich bewußt mit ihnen auseinandersetzen. Denn schließlich und endlich sind auch die mehr oder weniger liebevoll handelnden Eltern ein Produkt dieser Umstände.

LG,

strangegirl

inna

Post by inna » 29.11.2006, 13:52

Das hieße dann, daß in erster Linie die Eltern des Jungen für das Desaster verantwortlich waren, weil sie ihn nicht vernünftig auf das Leben vorbereitet haben?
Ja, offenbar haben seine Eltern ihm den Halt, den er gebraucht hätte, nicht geben können. Aber es ist wahrscheinlich, daß da mehr dazu kam.
Klar kam da mehr zusammen, doch diesen äußeren Umständen sind ja alle anderen auch ausgesetzt, ohne deswegen durchzudrehen. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass uns als Eltern nichts anderes bleibt, als unsere Kinder so gut es uns möglich ist, auf das vorzubereiten, was sie im Leben erwartet.
Man kann ja nun keinen Katalog erstellen, nach dem ein Kind erzogen werden müßte, damit es hinterher nicht Amok läuft
Warum nicht? Ich finde, dass viel zu wenig Aufmerksamkeit darauf gerichtet wird, wie aus Kindern zufriedene, sozial kompetente und an der Welt interessierte Menschen werden.
Ich habe in Tabeas Thread versucht, den Anfang einer Sammlung von Ideen und Gedanken zu machen, von denen wir glauben, dass sie der sinnvollen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen dienlich sind. Ich hätte da durchaus noch mehr Ideen, doch macht es für mich natürlich keinen Sinn, in meinen eigenen Vorstellungen zu waten, wenn niemand ein Interesse hat, die seinigen dazuzustellen. Ich glaube, dass wir alle von einer vielfältigen Gedanken- und Erfahrungssammlung hätten profitieren und lernen können.


Was hätten die Eltern da machen sollen? Ihn dreimal die Woche zum Tierestreicheln schicken oder in die Gesprächstherapie?
Logisch: ...Tierestreicheln - genau auf solch einen eindimensionalen und platten Lösungsversuch wollte ich hinaus....also echt...:-(



Daß die äußeren Faktoren, die Du von mir noch mal zitiert hast, schwer zu fassen sind, heißt nicht, daß sie keine Rolle spielen. Ich kann verstehen, daß man vielleicht am besten dort beginnt, begreifen zu wollen, wo Handeln noch am ehesten faßbar ist. Nämlich z.B. bei der Verantwortlichkeit der Eltern. Aber wir können doch überhaupt nicht beurteilen, wer was wann wo falsch gemacht hat und ob es etwas geändert hätte, wenn seine Erziehung anders gewesen wäre.
Dass die äußeren Faktoren keine Rolle spielen hat ja niemand behauptet, ich zumindestens nicht. Ich bin mit diesen Faktoren täglich direkt und persönlich konfrontiert, weil meine Kinder mitten in genau diesen Umständen aufwachsen und ihnen stetig begegnen und sich dann oft Rat bei mir einholen. Und genau da beginnt eben der wichtige Einfluss der Eltern schon sehr früh, wenn es darum geht, ihnen beizubringen, wie man beispielsweise damit umgeht, wenn man gehänselt oder ausgegrenzt wird.
Wie geht man damit um, wenn man wütend ist, welche Wege kann man gehen, wenn man schwer gekränkt wurde? Die Lösung dafür kann man niemals im anderen finden, denn auf dessen Verhalten hat man kaum Einfluss - man kann nur erlernen sich selbst so zu verändern, dass man mit dem, was einem entgegengebracht wird, gut fertig wird. Ansonsten macht man sich abhängig von der Ehrenwertigkeit der anderen und das führt nur allzu schnell in die elende Rolle des hilflosen Opfers.

Man kann diese gesellschaftlichen Umstände nicht einfach so negieren, man muß sich bewußt mit ihnen auseinandersetzen.
Gut und recht. Ich setze mich bewusst damit auseinander und versuche auf meine Weise darauf zu reagieren: ich bemühe mich, so viel wie möglich darüber zu lernen, in der Hoffnung, meine Kinder dann entsprechend erziehen zu können.
Welcher praktische Beitrag zur Verbesserung der Umstände resultiert aus deiner Auseinandersetzung?

Viele Grüße, inna

strangegirl

Post by strangegirl » 29.11.2006, 14:44

inna2 wrote:Klar kam da mehr zusammen, doch diesen äußeren Umständen sind ja alle anderen auch ausgesetzt, ohne deswegen durchzudrehen.
Es gibt ohne Zweifel Verlierer und Gewinner in dieser Situation, auch schon unter Schülern. Wer auf der Seite der Gewinner steht (sprich, als cool gilt, genügend Kohle für Markenklamotten aufbieten kann, immer die hübschen Mädchen abbekommt, sich ansonsten schön anpaßt), braucht sich in dieser Situation gar nicht in Frage zu stellen, ergo auch nicht durchdrehen.

Aber diejenigen, die auf der Seite der Verlierer stehen (sprich, unbeliebt sind, anecken, eine eigene Meinung vertreten, sich abgrenzen, schlechte Noten liefern und vielleicht auch unter Geldmangel leiden), die haben es doppelt schwer. Insofern, als daß sie direkt immer wieder vor Augen gehalten bekommen, daß sie nicht dazu gehören. Als daß sie merken müssen, daß sie sich in die bestehende Gesellschaft weder einfügen können noch wollen. Und ich denke, da ist es mit elterlicher Liebe als Ausgleich allein nicht getan, wenn z.B. die Eltern die Haltung ihres Kindes nicht verstehen können, oder wenn sie die Gründe für dessen Ausgrenzung weder genau kennen noch beheben können. Das ist bitter, aber so sehe ich es.

inna2 wrote:Warum nicht?
Es kann deshalb keinen Katalog geben, weil jedes Kind unterschiedlich ist und auch die Eltern ganz unterschiedliche Grundauffassungen haben. Wer kann denn "elterliche Liebe" schon einheitlich definieren? Wenn man fragen würde, würden alle Eltern übereinstimmend sagen, daß sie natürlich ihre Kinder lieben. Mit einem einfachen Regelwerk ist so mancher elterlicher Überforderung bestimmt nicht beizukommen. Und ich sehe es eben auch so, daß man Erziehungsmethoden nicht pauschal festlegen kann. Was ist den Wertevermittlung? Welche Werte werden vermittelt? Ab wann ist z.B. ein Kind selbstbewußt, wann tanzt es den Eltern auf der Nase herum? Vieles ist abhängig vom Bauchgefühl der Erziehungsberechtigten, deswegen geht ein Katalog nicht.

inna2 wrote:Logisch: ...Tierestreicheln - genau auf solch einen eindimensionalen und platten Lösungsversuch wollte ich hinaus....also echt...:-(
Sorry, aber ich frage mich, was Du denn vorschlägst? Sicher wäre eine Therapie angebracht, aber wie genau soll man denn einen Jugendlichen, der schon so weit entfernt ist von einem offenen Verhältnis, noch auffangen? Man kann sich eben auch nicht zurücklehnen und sagen: "Wenn in seinem Elternhaus nur genug Sorgfalt auf eine gute, vertrauensvolle Erziehung gelegt worden wäre, wäre es dorthin nicht gekommen!" Das finde ich ein bißchen bequem.
inna2 wrote:Die Lösung dafür kann man niemals im anderen finden, denn auf dessen Verhalten hat man kaum Einfluss - man kann nur erlernen sich selbst so zu verändern, dass man mit dem, was einem entgegengebracht wird, gut fertig wird.
Siehst Du, da scheiden sich schon die Geister. Es gibt auch Menschen, die sich eben nicht verbiegen wollen, die das als Anpassung auffassen und nicht funktionieren wollen, nur weil andere sich so verhalten, wie sie es eben tun. Ich sage nicht, daß ich die Motivation von Bastian B. befürworte, aber es fällt mir nicht besonders schwer, mir vorzustellen, wie seine Auffassung zustande kam. Manche verzweifeln daran, daß man sie einfach nicht so nimmt, wie sie sind.
inna2 wrote:Welcher praktische Beitrag zur Verbesserung der Umstände resultiert aus deiner Auseinandersetzung?
Ich kann da leider nicht mit konstruktiver Kindererziehung punkten, da muß ich passen. Ich sehe es so, daß man, wenn man die Umstände verändern will, zunächst einmal ein Bewußtsein darüber erlangen muß. Deswegen habe ich auch viel übrig für ausführliche Diskussionen über solche Themen. Am Beginn steht für mich immer, zu hinterfragen, was uns erzählt wird. Zu begreifen, daß die Dinge nicht so einfach sind, wie es zunächst mal scheint. Mag theoretisch erscheinen, tut mir leid.

Vielleicht wäre mein praktischer Beitrag, ein paar Warum-Fragen zu stellen:

Warum bedeutet nur noch derjenige etwas, der Erfolg, Geld, Schönheit und Macht vorweisen kann?

Warum brauchen Eltern überhaupt so etwas wie einen Katalog zur Kindererziehung?

Warum ist das Leben des Menschen zunächst mal auf pures Funktionieren festgelegt?

Warum sehen Eltern nicht mehr genauer hin, was ihre Kinder machen (bzw. warum können sie es möglicherweise nicht mehr)?

Warum ist es heute nicht mehr möglich, in Schulen mehr menschliches Miteinander zu vermitteln?

Warum trifft eine Ausgrenzung einen jungen Menschen heute mehr als früher?

Ich hoffe, diese paar Anregungen sind praktisch genug. Ich bin gespannt auf mögliche Antworten.

LG,

strangegirl

inna

Post by inna » 29.11.2006, 21:38

Hallo Strangegirl,

ich muss zugeben, dass es mir zunehmend schwer fällt, auf deine Beiträge zu diesem Thema zu antworten, weil mein Ausgangspunkt ein so ganz anderer ist als deiner, und ich den kleinsten gemeinsamen Nenner, von dem aus man sich den unterschiedlichen Aspekten nähern kann, kaum mehr erkennen kann.
Wenn ich dieses aktuelle Ereignis als Symptom unserer Gesellschaft sehe, dann mache ich mir Gedanken darüber, was die Ursachen dafür sein könnten und welche Mittel mir zur Verfügung stehen, um einen Beitrag in eine andere, hoffentlich bessere Richtung zu leisten. Es ist richtig, dass man die Probleme, die man dabei erkennt auch benennen muss. Ich habe nur meine Schwierigkeiten damit, dass so oft die Auseinandersetzung an diesem Punkt endet und abgehakt wird. Es geht also ein Aufschrei durch die Reihen, jeder findet diverse Schuldige für das Geschehene (meist die anderen) und dann geschieht nichts weiter. Natürlich sind unsere Möglichkeiten oft nicht sehr weitreichend, doch ich finde, dass nichts dagegen spricht, wenn ich mir als Mutter kleiner Kinder, die ich in näherer Zukunft Mutter von Jugendlichen sein werde, schon heute gerne Gedanken machen möchte, was ich bereits jetzt für meine Kinder tun kann. Wenn ich fragte, warum man nicht viele Meinungen und Erfahrungen zum Thema „sinnvolle Kindererziehung“ zusammentragen könnte, so ging es mir dabei natürlich nicht um eine Gebrauchsanweisung, die blindlings auf jedes Kind anzuwenden wäre mit der Garantie, sich auf diese Weise einen glücklichen Menschen zu backen. Das kannst du nicht im Ernst angenommen haben, dass ich das damit meinte.
Natürlich geht es auch gar nicht darum, auf welche Art und Weise Eltern ihre Kinder lieben sollen.
Ich glaube aber schon, dass man Bereiche abstecken, Inhalte finden und Richtlinien erarbeiten könnte, die sich positiv auf die Entwicklung aller Kinder auswirken. Die Art und Weise, wie das dann umgesetzt wird, hängt selbstverständlich sowohl von der Persönlichkeit der Eltern als auch der der Kinder ab.

So, und nun zu den Teilen deiner Antwort, wo ich kaum mehr weiß, wo ich ansetzen soll:

"Es gibt ohne Zweifel Verlierer und Gewinner in dieser Situation, auch schon unter Schülern. Wer auf der Seite der Gewinner steht (sprich, als cool gilt, genügend Kohle für Markenklamotten aufbieten kann, immer die hübschen Mädchen abbekommt, sich ansonsten schön anpaßt), braucht sich in dieser Situation gar nicht in Frage zu stellen, ergo auch nicht durchdrehen.
Aber diejenigen, die auf der Seite der Verlierer stehen (sprich, unbeliebt sind, anecken, eine eigene Meinung vertreten, sich abgrenzen, schlechte Noten liefern und vielleicht auch unter Geldmangel leiden), die haben es doppelt schwer. Insofern, als daß sie direkt immer wieder vor Augen gehalten bekommen, daß sie nicht dazu gehören. Als daß sie merken müssen, daß sie sich in die bestehende Gesellschaft weder einfügen können noch wollen. Und ich denke, da ist es mit elterlicher Liebe als Ausgleich allein nicht getan, wenn z.B. die Eltern die Haltung ihres Kindes nicht verstehen können, oder wenn sie die Gründe für dessen Ausgrenzung weder genau kennen noch beheben können. Das ist bitter, aber so sehe ich es."

Du sprichst von den angepassten, oberflächlichen Gewinnern, die aber wohl die eigentlich Bösen sind, wenn ich das recht verstehe, und von den Verlierern, die schlechte Schüler und unbeliebt sind, obwohl sie doch eigentlich die Guten sind, die eine eigene Meinung vertreten und sich nicht an die anderen anpassen wollen.
Ich finde das Unsinn, dass diejenigen, die eine eigene Meinung vertreten und sich nicht anpassen wollen an oberflächliche Werte, dass diese Jugendlichen ausgegrenzt werden. Es gibt doch sehr kompetente Jugendliche, die ihren eigenen Lebensstil haben, die durchaus in der Lage sind, das Leben um sie herum kritisch zu betrachten und die nicht Wertinhalten wie Geld und albernen Statussymbolen hinterherhetzen. Ich kenne solche jungen Menschen und finde besonders interessant, wie sie aufgewachsen sind. Und damit meine ich vor allem ihr Elternhaus, denn sie sind allen äußeren Unbillen zum Trotz zu sehr zufriedenen, interessierten und emotional und sozial kompetenten Jugendlichen herangewachsen.
Natürlich gibt es auch die von dir beschriebenen Jugendlichen, aber da es eben auch die anderen gibt, lohnt es sich für mich schon, genauer hinzuschauen, woran das liegt. Mir geht es da in keinster Weise darum, mit dem Zeigefinger auf Eltern zu zeigen, denen nicht das gelungen ist, was sie erreichen wollten. Ich weiß ja auch gar nicht, ob das, was mir sinnvoll erscheint, ob das letztlich den Erfolg bringen wird, den ich mir erhoffe. Aber da sich Kinder so komplett unterschiedlich in ein und derselben Gesellschaft entwickeln können, möchte ich in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen und ihren Erfahrungen so viel wie möglich darüber lernen, wo meine Möglichkeiten liegen hier positiven Einfluss zu nehmen.

"inna2 hat folgendes geschrieben:
Die Lösung dafür kann man niemals im anderen finden, denn auf dessen Verhalten hat man kaum Einfluss - man kann nur erlernen sich selbst so zu verändern, dass man mit dem, was einem entgegengebracht wird, gut fertig wird.

Siehst Du, da scheiden sich schon die Geister. Es gibt auch Menschen, die sich eben nicht verbiegen wollen, die das als Anpassung auffassen und nicht funktionieren wollen, nur weil andere sich so verhalten, wie sie es eben tun."

Das hat doch so etwas von gar nichts mit „Anpassung“ oder „Verbiegen“ zu tun, ich weiß gar nicht, wie du auf diesen Gedanken kommst! Hier geht es doch darum, sich soziale Kompetenz zu erarbeiten, indem man lernt, sich gekonnt gegen verbale Angriffe zu wehren, seinen eigenen Standpunkt vertreten zu können und dabei auch andere Sichtweisen bestehen zu lassen. Es geht darum emotionale Kompetenz zu erwerben, indem man lernt, zu Kränkung und Missachtung eine Haltung einzunehmen, die nicht den eigenen Selbstwert in Gefahr bringt, dass man sich unabhängiger macht von der Anerkennung anderer usw. Man kann die anderen in ihrem Verhalten nicht ändern, aber man kann, wie gesagt, lernen, mit dem Verhalten anderer fertig zu werden, ohne ernsthaften seelischen Schaden zu nehmen. Mit diesen Fähigkeiten kommt niemand zur Welt, doch man kann das lernen und zwar im besten Fall von klein auf.

Und zu deinem Fragen-Katalog. Da regt sich in mir nur Unverständnis: wie gesagt, bin ich auch der Meinung, dass man sich mit dem was um einen herum geschieht, fragend und kritisch auseinandersetzen muss. Auf diese Weise kann man sich zu allen möglichen Bereichen eine Meinung bilden. In dem Moment aber, wo man dringenden Handlungsbedarf bei anderen erkennt und einfordert, sollte man sich auch fragen, finde ich, in welchem Rahmen man selbst die Möglichkeit hat, etwas Konstruktives zur Verbesserung der Sachlage beizutragen. Dass dein Beitrag nun darin besteht, Fragen zu formulieren, mit deren Beantwortung du aber wiederum andere beauftragst, das versetzt mich schon in etwas ungläubiges Staunen.

"Man kann sich eben auch nicht zurücklehnen und sagen: "Wenn in seinem Elternhaus nur genug Sorgfalt auf eine gute, vertrauensvolle Erziehung gelegt worden wäre, wäre es dorthin nicht gekommen!" Das finde ich ein bißchen bequem."

Über die Umstände in dem Elternhaus des Amokläufers und den gesamten Umständen, die dazu geführt haben, kann ich mir im konkreten Fall gar keine Meinung bilden, weil sie mir nicht bekannt sind. Ich versuche ja lediglich einen Umkehrschluss zu ziehen, indem ich mich bemühe, das muss ich jetzt eben noch ein weiteres Mal wiederholen, herauszufinden, welche Möglichkeiten Eltern haben, ihre kleinen Kinder so zu begleiten, dass sie nicht zu solch einer grausamen Verzweiflungstat schreiten, sondern im Gegenteil zu einem zufriedenen, erfüllten Leben finden, das auch beinhaltet, dass sie mit Problemen, Ängsten, Angriffen anderer, Ausgrenzung und auch mit Schicksalsschlägen so umgehen können, dass sie nicht daran zerbrechen müssen.
Und dies ist, das kann ich dir versichern, alles andere als bequem, denn damit mache ich mich zur Hauptverantwortlichen und suche an erster Stelle bei mir den Handlungsbedarf und werde erst in einigen Jahren wirklich beurteilen können, was mir gelungen ist, und wo ich versagt habe. Und da es sich bei meinen Kindern um die Menschen handelt, die mir das Liebste auf der Welt sind, werde ich das Ergebnis meiner Bemühungen alles andere als gleichmütig betrachten und ich werde auch nicht denken, dass die Umstände in unserer Gesellschaft eben leider etwas ungünstig waren.
Abgesehen davon bietet das Leben hier in Vielem doch wesentlich bessere Vorraussetzungen, als in den meisten anderen Teilen der Welt.

Viele Grüße, inna

strangegirl

Post by strangegirl » 30.11.2006, 11:35

Liebe inna2,

ich wollte Dir doch gar nicht unterstellen, daß Du bequem bist. Ich sehe eben nur, wie jetzt nach dieser Sache in Emsdetten die Lage von außen beurteilt wird, und ich finde es bequem, wenn jemand sagt: Mit ein bißchen mehr Liebe wäre das nicht passiert. Dann ist genau das passiert, was Du kritisierst: Man hat einen vermeintlich Schuldigen gefunden, und die Sache ist gegessen.

Ich finde es auch durchaus nachvollziehbar, daß Du zunächst einmal selbst versuchst, Deinen Kindern möglichst viel - wie Du schreibst - Sozialkompetenz mit auf den Weg zu geben. Ich zweifle auch nicht im geringsten daran, daß Du sie über alles liebst. Ich finde, das ist ein guter Weg, nur ich befürchte eben, daß es in der Zukunft Umstände geben wird, in denen das vielleicht nicht mehr ausreicht. Und da sehe ich Deine Verantwortung enden, denn Du kannst als Mitglied dieser Gesellschaft immer auch nur tun, was Deine Grenzen Dir erlauben. Natürlich macht man sich immer die Hoffnung, daß man alles getan hat, was man konnte, mit bestem Wissen und Gewissen. Das greife ich überhaupt nicht an, ich finde es gut so.

Das löst eben nur das Problem nicht. Es geht nicht mehr darum, daß es manche Kinder gibt, die irgendwelchen oberflächlichen Zielen hinterherlaufen. Es geht darum, daß sich die Gesellschaft insgesamt verändert, und das zeigt sich bei den Kindern in der unsicheren Zeit der Pubertät vielleicht besonders. Da geht es darum, herauszufinden, wer man ist, und das orientiert sich auch immer daran, wer die anderen sind, zu was man dazugehören will.

Dazugehören-Wollen ist wirklich ein ganz wichtiger Faktor bei Jugendlichen. Und zur Zeit ändern sich die Maßstäbe dafür, wie man sein will, ganz massiv. Um das zu sehen, muß man nur die Augen aufmachen. Klar, es gibt auch Jugendliche, die ganz deutlich Position beziehen und sich an etwas anderem orientieren als an dieser Oberflächlichkeit, das will ich nicht abstreiten. Aber ich sehe es nunmal so, daß die Gesamttendenz anderswo hingeht.

Daß Du mir in den Mund legst, die "oberflächlichen Gewinner" seien die Bösen und die "Verlierer" seien eigentlich die Guten, finde ich nicht so ganz passend. Denn das habe ich nicht gesagt. Die Aufteilung in Gut und Böse ist haarsträubend vereinfachend und die habe ich nie vorgenommen.

Ich sehe beide Seiten als "Produkte" der aktuellen Umstände. Die Gewinner haben eben festgestellt, daß es sich so leben läßt. Die Werte, die heute Gewicht haben, kommen ihnen entgegen. Die Verlierer sind diejenigen, die vielleicht keinen anderen Weg finden. Aber daß die Verlierer ausgegrenzt werden, kannst Du nicht abstreiten. Es gibt natürlich Jugendliche, die ihre Meinung ganz gut vertreten können und trotzdem nicht ausgegrenzt werden. Das erfordert viel Mut und Kraft, aber auch einen gewissen Grad an Anpassung (die ja per se nicht schlecht ist) - sprich: Rückhalt von Freunden und Familie. Es gibt Menschen, die das nicht haben, aus am Anfang vielleicht ganz nichtigen Gründen. Als solchen schätze ich Bastian B. ein.

Daß die Entwicklung von Sozialkompetenz nichts mit "verbiegen" zu tun hat, weiß ich selbst auch sehr gut. Das ist aber nicht ausschlaggebend, sondern ob die Betroffenen es wissen. Irgendwann sind manche Menschen so von Kränkung, Mißhandlung und Lästereien in Mitleidenschaft gezogen, daß das buchstäbliche dicke Fell (das im übrigen auch meine Eltern versucht haben, mir beizubringen - damals erfolglos) nichts mehr nützt. Gegen manche Dinge kann sich ein junger Mensch einfach nicht wehren. Es geht ja nicht nur darum, daß einer sagt: "Du bist doof, mit Dir will ich nichts zu tun haben".

Es geht darum, daß da Jugendliche einen anderen dazu gezwungen haben, einen glühenden Schlüssel in die Hand zu nehmen. Sowas ist kein Einzelfall, mein Mann hat in seiner Schulzeit was ganz ähnliches erleben müssen. Da ist es dann mit Sozialkompetenz allein nicht mehr getan, da ist der junge Mensch alleingelassen. Und neben der Notwendigkeit, ihm zu helfen, ergibt sich eben auch die - meiner Meinung nach wichtige - Frage, woher ein solches Verhalten bei Jugendlichen kommt.
In dem Moment aber, wo man dringenden Handlungsbedarf bei anderen erkennt und einfordert, sollte man sich auch fragen, finde ich, in welchem Rahmen man selbst die Möglichkeit hat, etwas Konstruktives zur Verbesserung der Sachlage beizutragen. Dass dein Beitrag nun darin besteht, Fragen zu formulieren, mit deren Beantwortung du aber wiederum andere beauftragst, das versetzt mich schon in etwas ungläubiges Staunen.
Ich erkenne den Handlungsbedarf nicht nur bei anderen, sondern auch bei mir selbst. Da ich - wie schon erwähnt - keine eigenen Kinder habe, denen ich die erforderliche Sozialkompetenz beibringen könnte, und auch nicht die Absicht habe, Lehrerin, Kindergärtnerin, Sozialarbeiterin oder Jugendpsychologin zu werden, muß ich da passen. Natürlich ist mir daran gelegen, möglichst liebevoll für meine kleinen Nichten (2 und 4 Jahre) da zu sein und ihnen auch, wenn sie älter sind und der Bedarf daran wächst, soziale Kompetenz näher zu bringen. Daß das sinnvoll ist, ebenso, wie ein Kind in seinem Selbst zu stärken und zu einem konfliktfähigen, aufrechten Menschen zu machen, steht außer Frage.

Daß mein Beitrag Dir nicht praktisch genug ist, kann ich mir denken. Denn es ist ja so viel einfacher, selbständig zu denken, als hinzugehen und zu handeln. Ich persönlich würde die Gewichtung so nicht verteilen, aber wenn Du es so siehst. Ich bin davon überzeugt, daß fruchtbare Diskussionen sehr viel zum Bewußtsein des einzelnen beitragen, und Bewußtsein ist nun mal die Grundlage des Handelns.

Hast Du denn eine Anregung von Vorschlägen, was man über vernünftige Kindererziehung hinaus leisten könnte? Was müßte passieren, damit sich die Umstände ändern?

Oh, entschuldige, jetzt stelle ich schon wieder eine Frage, die ich nicht selbst beantworten kann... Der "Fragenkatalog" war nicht dazu gedacht, Dir die Beantwortung dieser Fragen zu überlassen, weil ich eventuell für sie keine Antwort hätte. Ich habe zu jeder einzelnen dieser Fragen eine ganz eigene Theorie, die hier aber zu weit führen würde. Ich will diesen Thread ja nicht mißbrauchen, hochtrabende Ideen zu verbreiten. Ich finde aber schon, daß es sinnvoll ist, sich diese Fragen mal zu stellen. Und zwar deshalb, weil man dann merkt, daß es mit einfachen Antworten nicht getan ist und daß es Fragen gibt, die man sich vielleicht viel dringlicher stellen könnte als die immer wiederkehrenden Fragen aus der Schublade: Wer ist schuld? Dürfen unsere Kinder noch Computerspiele machen? War Bastian B. das personifizierte Böse? Etc. etc. Ich wollte mitnichten die Verantwortung für die Antworten zu diesen Fragen auf Dich abwälzen.
Abgesehen davon bietet das Leben hier in Vielem doch wesentlich bessere Vorraussetzungen, als in den meisten anderen Teilen der Welt.
Ist das wirklich so? Und wenn ja, was will uns diese Feststellung sagen? Sollen wir froh sein, daß bei uns nur ein Amokläufer Selbstmord begeht, während anderswo Kinder als Soldaten mißbraucht werden?

LG,

strangegirl

inna

Post by inna » 30.11.2006, 16:35

Hallo Strangegirl,
finde es bequem, wenn jemand sagt: Mit ein bißchen mehr Liebe wäre das nicht passiert
.
Ich habe hier von niemandem gelesen, der dies behauptet hat.


All die Schwierigkeiten der Jugendlichen, die du beschreibst und die du ursächlich in Zusammenhang mit den äußeren Umständen bringst, diese Schwierigkeiten, betrachte ich nach wie vor hauptsächlich als Folge von Erziehung. Was sollen denn die äußeren Umstände sein? Das sind doch, neben dem Problem der wachsenden Arbeitslosigkeit, in der Hauptsache Tatsachen, die sich aus den Haltungen und Weltbilder der Erwachsenen ergeben, in die Kinder hineinwachsen und die sie von den Erwachsenen vermittelt bekommen. Aber ich glaube, wir kommen hier nicht weiter und deshalb schlage ich vor, dass wir diesen Punkt nicht weiter diskutieren, weil wir uns im Kreise drehen. Ich habe verstanden, dass du der Erziehung durchaus einen gewissen Stellenwert beimisst, darüber hinaus aber andere Faktoren siehst, die auf die Kinder und Jugendlichen einwirken und sie beeinflussen. Diesen Faktoren stehen wir deiner Meinung nach weitgehend hilflos gegenüber, weil sie sich unserem Einfluss entziehen. Wenn das im Kern deine Aussage ist, dann kann ich das so stehen lassen, auch wenn ich anderer Meinung bin.
Hast Du denn eine Anregung von Vorschlägen, was man über vernünftige Kindererziehung hinaus leisten könnte?
Was der Einzelne tun kann, hängt natürlich immer von seinen Talenten und Lebensumständen ab. Somit kann ich da gar keine allgemeinen Ideen entwickeln. Wenn ich in deiner Situation wäre, und mir dieses Thema ein wirkliches Anliegen wäre, das mich über das bloße „Gedankenmachen“ hinaus beschäftigt, dann würde ich mich wohl umfassend informieren und eine interessante Radiosendung darüber machen. Ich würde wahrscheinlich vor allem die Jugendlichen zu Wort kommen lassen, um aus 1.Hand zu erfahren, wo ihre Probleme liegen. Ich würde sie auch dazu befragen, was sie in ihrer eigenen Erziehung vermisst haben. (Kinder und Jugendliche können da bisweilen ja erstaunlich reflektierte Anregungen geben).

Oh, entschuldige, jetzt stelle ich schon wieder eine Frage, die ich nicht selbst beantworten kann...
…weit unter deinem Niveau, diese Ironie…

Ich habe zu jeder einzelnen dieser Fragen eine ganz eigene Theorie, die hier aber zu weit führen würde. Ich will diesen Thread ja nicht mißbrauchen, hochtrabende Ideen zu verbreiten.
Wie schade. Denn weiterführende Theorien wären doch das eigentlich Interessante. Fragen sind ja schnell gestellt, Missstände erkennen ist auch nicht soo schwer, aber der nächste Schritt, nämlich die Beantwortung der Fragen, das ist doch das, was uns dann weiterbringen kann. Vielleicht lässt du dich ja doch noch dazu hinreißen...?


Zitat:
Abgesehen davon bietet das Leben hier in Vielem doch wesentlich bessere Vorraussetzungen, als in den meisten anderen Teilen der Welt.

Ist das wirklich so? Und wenn ja, was will uns diese Feststellung sagen? Sollen wir froh sein, daß bei uns nur ein Amokläufer Selbstmord begeht, während anderswo Kinder als Soldaten mißbraucht werden?
Auf diese Interpretation meiner Feststellung wäre ich nur unter großer Anstrengung gekommen.
Wenn mein Gedanke, der hinter dieser Feststellung steht, sich dir wirklich nicht erschließt, dann will ich gerne versuchen, ihn zu erklären.
Die äußeren Umstände in unserem Land werden ja immer wieder als Erklärung herangezogen, wenn es darum geht, das Verhalten eines jungen Menschen, wie Bastian B. einer war, zu verstehen. Ich sehe auch verschiedene, schwerwiegende Probleme, doch meine ich, dass Kinder in unserem Land noch verhältnismäßig gute Verhältnisse vorfinden, wenn man bedenkt, unter welchen Umständen Kinder in vielen anderen Ländern aufwachsen. Unsere Kinder haben beispielsweise ein Dach über dem Kopf und müssen nicht verhungern. Sie dürfen alle eine Schule besuchen. Sie dürfen ihre Meinung frei äußern und ihre Religion frei wählen. Sie erleben keinen Krieg. Mit all diesen und anderen guten äußeren Umständen gehören sie zu einer Minderheit auf dieser Welt. Das sind äußere Umstände, die sich auch auf unsere Kinder auswirken, die neben all den Problemen eben auch da sind. Darüber kann man durchaus froh und dankbar sein. Ich sehe das nicht so, dass die negativen Entwicklungen vorherrschend sind.
Aber bitte, jetzt nicht wieder eine Diskussion darauf folgen lassen, die beinhaltet, dass man sich trotzdem mit den Problemen beschäftigen muss und und dass man die Missstände erkennen muss und dass man darüber reden muss – ich weiß das.

Viele Grüße, inna

strangegirl

Post by strangegirl » 30.11.2006, 17:19

Liebe inna2,

ich schwanke zwischen zwei Ideen:

Auf der einen Seite bin ich geneigt, die ganze Diskussion einfach sein zu lassen, weil wir im Grunde nicht so ganz weit auseinander liegen. Du beziehst Dich bei dem was Du sagst und wo Du Handlungsbedarf siehst, auf das Private. Ich bemühe mich eben um eine Sich, die versucht, auch die Hintergründe zu erfassen. Beides ist ja nicht schlecht, vielleicht würden wir uns sogar ergänzen.

Bloß in einem Punkt möchte ich Dich da korrigieren. Ich bin nicht der Ansicht, daß an den äußeren Umständen nichts zu ändern ist. Da mußt Du mich mißverstanden haben.

Andererseits würde ich wirklich gern in aller Ausführlichkeit weiter diskutieren. Ich habe aber wirklich den Eindruck, das führt zu weit. Wir könnten das per PN versuchen, wenn Du es möchtest. Aber ich habe den Eindruck, daß vieles von dem, was ich zu sagen hätte, letztlich vordergründig nicht mehr viel mit dem Amoklauf zu tun hätte und deswegen hier in diesem Thread off topic wäre.

Was Deinen Vorschlag mit der Radiosendung angeht, so halte ich das für keine schlechte Idee. Allerdings würde ich den Rahmen doch etwas globaler halten wollen, denn es ist nicht allein das Problem der Jugendlichen, was hier geschieht. Ich denke darüber nach (was zur Zeit das einzige ist, was ich tun kann).

Bitte entschuldige die Sache mit den Kindersoldaten, das war im Eifer des Gefechts ein wenig krass von mir. Was ich eigentlich damit sagen wollte (mal wieder) war, daß sich Probleme heute kaum noch isoliert betrachten lassen. Ich sehe es darüber hinaus auch so, daß ich mich frage, wie lange unsere Kinder (und auch wir) noch die Möglichkeit haben werden, frei Meinungen zu äußern, Religion auszuüben, Wissen zu bilden. Über unseren relativen Wohlstand kann man schon durchaus erleichtert sein, da stimme ich Dir zu. In diesem Wohlstand ergeben sich allerdings dann gern neue Probleme. Bastian B. stammte ja auch nicht aus einem armen Elternhaus...

LG,

strangegirl

inna

Post by inna » 01.12.2006, 11:08

Hallo Strangegirl,
Du beziehst Dich bei dem was Du sagst und wo Du Handlungsbedarf siehst, auf das Private. Ich bemühe mich eben um eine Sich, die versucht, auch die Hintergründe zu erfassen.
Da hast du sicher im Grunde recht, wenngleich ich glaube, dass auch mir sich die Hintergründe nicht ganz verschließen… Und auch meine Kinder sind ganz schnell nicht mehr „privat“, wenn mein ältester Sohn das erste absolut schadstofffreie Auto erfinden, meine Tochter in Angela Merkels Fußstapfen treten und mein Jüngster durch waghalsige Aktionen auf die Ziele von Greenpeace aufmerksam machen wird!
O.K. - meine Pläne für meine Kinder sind nicht ganz so hochtrabend, letztlich bin ich schon zufrieden, wenn sie sich nicht zu einem tadellosen Mitglied in Matous Schafherde entwickeln - aber auch dann wären sie ein aktiver Teil unserer Gesellschaft und somit nicht mehr nur „privat“.

Deine Idee mit der PN-Diskussion finde ich hervorragend, denn ich bin aufrichtig interessiert an deinen Gedanken zu diesem Thema. Allerdings müssten wir in diesem Fall ein gemächlicheres Diskussionstempo vorlegen, da ich diese täglichen „Schlag-auf-Schlag-Antworten“ auf Dauer nicht durchhalten kann!
Wenn du dich aber dagegen entscheiden solltest, so kann ich auch damit gut leben! Fühle dich deshalb nicht von meinem Interesse gedrängt. Ich werde ja sehen, ob mich eine entsprechende PN irgendwann erreicht - und wenn nicht, dann eben nicht! :-)

Dass du die Kindersoldaten inhaltlich wieder an die richtige Stelle rückst, finde ich in Ordnung, aber entschuldigen musst du dich meinetwegen nicht. Ich bin inzwischen mit deinen kleinen Temperamentsausbrüchen vertraut und sie schrecken mich auch nicht. Solch ein Temperament mag in manchen Situationen auch mal ein wenig über das Ziel hinausschießen, andererseits bietet es eine gute Grundlage für Tatkraft und Fortschritt. Es hat halt, wie Alles, so seine zwei Seiten.

Viele Grüße, inna

Babsel

Post by Babsel » 01.12.2006, 12:08

Hallo inna2 und strangegirl

Ich muss sagen, ich finde Eure Diskussion auf sehr hohem Niveau und glattweg hervorragend. Deswegen wäre es sehr schade, wenn Ihr Euch ins Separé zurückziehen würdet.
Leider habe ich den Kopf im Moment nicht frei genug, um mitzudiskutieren, lese aber sehr gerne Eure Beiträge. Es ist toll, dass hier im Forum eine Ebene gefunden wurde, ohne gegenseitige Anfeindungen miteinander zu sprechen. Ich spreche sicher im Namen Vieler, wenn ich Euch beiden dafür mal Danke sage.

inna

Post by inna » 01.12.2006, 13:45

Vielen Dank, Babsel, für dieses liebe Lob. Das freut mich sehr, wenn du unserer Diskussion etwas Positives abgewinnen kannst!
Die Entscheidung, ob und wo dieses Thema weitergeführt wird, liegt natürlich allein bei Strangegirl, schließlich handelt es sich ja dabei um ihre gedanklichen Diskussionsvorlagen.

Viele Grüße, inna

strangegirl

Post by strangegirl » 02.12.2006, 14:02

Also, es ist mir ganz wichtig, mit dem was ich denke nicht dogmatisch rüberzukommen. Ich weiß aber, daß sich das manchmal ganz schwer vermeiden läßt. Ich werde versuchen, mich unter Kontrolle zu halten.

Das mit dem Temperament, tja, das ist so eine Sache. Ihr hättet mich erst beim Lesen hier vorm Monitor sehen müssen - inna2, Du wärest glücklich, nicht im selben Raum anwesend gewesen zu sein... :motz: :angry: :motz: :angry:

Nein, jetzt mal im Ernst, es ist mir ganz wichtig, solche Themen breit zu diskutieren. Vielleicht kann man einen neuen Thread eröffnen, wenn wir das nicht im Hinterzimmer diskutieren sollen. Ich gebe aber zu, daß die ganze Sache eine Menge Denkarbeit erfordert und ich mich davor erst mal ein bißchen sammeln wollen würde. Ist das okay?

Im Übrigen freue ich mich immer, was neues zu lernen. Vielleicht steht ja am Ende ein ganz anderes Ergebnis, als wir überhaupt erwarten.

LG,

strangegirl (die die Hoffnung auf Konsens nicht aufgibt)

inna

Post by inna » 02.12.2006, 14:32

Hallo Strangegirl,

ich bin gespannt auf den Thread, auch wenn´s eine Weile dauern wird, bis es soweit ist!

inna2, Du wärest glücklich, nicht im selben Raum anwesend gewesen zu sein...
Ich bin mit einem intelligenten Choleriker als Vater durch eine harte aber lehrreiche Schule gegangen, was verbale Temperamentsausbrüche anbelangt!! Mich erschreckt da so schnell nichts!! :-D

Viele Grüße, inna

Wölkchen

Post by Wölkchen » 02.12.2006, 20:36

Wir können den Thread hier auch teilen. Ab einem gewissen Punkt hat die Diskussion eine Wende genommen, die mehr als interessant ist. Und ich pflichte Babsel bei, privat würde mir etwas fehlen. Auch wenn ich nicht die Zeit im Moment habe, mich so intensiv mit allem zu beschäftigen, nehme ich reichlich mit, um andere, neue Wege aufzudröseln. Ich bemerke so nach und nach, dass bei mir mit dem Auszug der Kinder das Nachdenken gerade über dieses so wichtige, gesellschaftliche Thema nachgelassen hat. Fast so, als hätte ich mir eine verdiente Ruhepause gegönnt. Nur gehöre ich ja nach wie vor zur Gesellschaft und sollte mich da auch im denken nicht ausschließen und faul werden.

Ihr seit wirklich nicht sehr weit auseinander, mit euren Meinungen. Nur steht jede von euch in einem anderen Lebensabschnitt und Umfeld. Sprich, ihr schaut aus verschiedenen Blickwinkeln auf ein und das Selbe und dadurch ergeben sich aber mehr neue Gedankengänge, als würde man nur eines betrachten. Hoffe, ihr wisst wie ich das meine. Denke manchmal etwas kompliziert um drei Ecken rum.

Sagt an, ab wo ich teilen soll und bitte auch den Titel. Schickt mir das per PN damit ich nicht soviele Postings löschen muss.

Aber nur, wenns euch Recht ist, gelle?

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