Vater Staat...

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woodstock

Vater Staat...

Post by woodstock » 20.11.2006, 21:16

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,449101,00.html
Hier könnt ihr nachlesen, was die Finanzbehörden demnächst verlangen, wenn man bei ihnen mal um Klärung bitten muss...
Wer wird jetzt arm?
Vater Staat, weil ihm die Auskünfte für diesen Preis keiner abnimmt - oder die Steuerzahler, weil sie bei diesen Preisen lieber gar nicht nachfragen und sich übers Ohr hauen lassen...

Gruß, Doro
ziemlich nachdenklich

Wiggle

Post by Wiggle » 20.11.2006, 21:25

Und: Der Fiskus würde schneller arbeiten.
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Dann fehlen denen demnächst die Fragensteller wenn die soooo schnell sind mit den Antworten.

Wölkchen

Post by Wölkchen » 20.11.2006, 21:40

Na ja Doro, schneller antworten tun sie nur, wenn sie Geld kriegen. Könnte also durchaus im Rahmen der möglichen Träume liegen.

Rechtsverbindliche Auskünfte kosten generell bei jedem Steuerberater Geld, da verstehe ich die Aufregung der Zunft nicht so recht. Wenn Unternehmen direkt vom Finanzamt diese Auskunft bekommen, dann können sie doch auch zahlen. Immerhin fragen sie ja hauptsächlich an, wenn es darum geht, Steuern zu sparen. Privatleute sind ja nur betroffen, wenn sie sich dank eines größeren Geldbeutels beteiligen an Immobiliengesellschaften oder Fonds im Ausland. Gerade da ist das Steuerrecht imens kompliziert geworden.

Die normalen Steuerzahler betrifft das nicht.

Jedenfalls habe ich es so verstanden.

Guest

Post by Guest » 20.11.2006, 22:52

Ich finde das schon eine Unverschämtheit. Die Finanzämter sind schliesslich der verlängerte Arm des Staates und dass die Ämter zukünftig schneller arbeiten, wenn sie Geld dafür bekommen, ist wohl ein Witz. Erinnert mich an eine Beglaubigungsbitte beim Einwohnermeldeamt, für die ich 30 Märker hinblätter musste. Für ein paar Stempel und Unterschriften musste ich dann noch 1 Std. drauf warten ("haben sie noch was in der Stadt zu erledigen?").

Unverschämt auch deshalb, weil es immer mehr "versteckte" Abzocke durch den Staat gibt. Wir Bürger müssen mittlerweile aber wirklich für alles zusätzlich zahlen, obwohl unsere Steuer ja auch für Einrichtungen des Staates da sein soll.

woodstock

Post by woodstock » 21.11.2006, 08:11

Die Finanzämter sind schliesslich der verlängerte Arm des Staates
GENAU DAS ist es, was mir stinkt. Würden nicht an so vielen Stellen vom Staat selber unsere Steuergelder verschwendet, wäre das nicht nötig...
Außerdem macht der Staat die Spielregeln und wenn wir uns nicht durchfinden, dann sollen wir an ihn auch noch Geld bezahlen.
Ein privater Steuerberater hat ja eine ganz andere Position, die ich mit den öffentlichen Stellen gar nicht vergleichen möchte...

Gruß, Doro

strangegirl

Post by strangegirl » 21.11.2006, 13:31

Also, allein wenn ich das lese:
Finanzämter sollen "für die Bearbeitung von Anträgen auf Erteilung einer verbindlichen Auskunft" Gebühren nehmen, heißt es in dem Passus.
Diese Formulierung ist doch schon wieder sowas von deutsch... Das Finanzamt kümmert sich um die Eintreibung der Steuern von uns für den Staat. Und jetzt soll man auch noch dafür bezahlen, daß man selbst sicherstellt, alles wird richtg gemacht. Das kann ja nicht wahr sein.

Im Übrigen:
Die neuen Regeln seien so kompliziert, dass es mehr Anfragen geben wird.
Wie kann es sein, daß der Staat dann auch noch die Regelungen verkompliziert? Ist es nicht schon schlimm genug, daß dieses Staatswesen einen bürokratischen Wasserkopf hat, der Unsummen verschlingt? Ich kapier's nicht.

strangegirl (konsterniert)[/i]

Nikoline

Post by Nikoline » 25.11.2006, 19:14

Hallo, ich möchte da gerne mal was klarstellen. Es geht um die sogenannte "verbindliche Auskunft", nicht zu vergleichen mit einer "unverbindlichen Meinungsäußerung" des Finanzbeamten. Der Unterschied ist der, dass Du nur wenn Du eine verbindliche Auskunft verlangt und bekommen hast, auch Rechtssicherheit hast und das Finanzamt darauf festnageln kannst.

Die verbindliche Auskunft ist schwierig zu bekommen. Man muss verschiedene Voraussetzungen erfüllen: Der Sachverhalt muss genauestens geschildert werden (schriftlich), es muss nachgewiesen werden, dass dieser Sachverhalt in naher Zukunft realisiert werden soll, dass und warum die Auskunft des Finanzamts hierfür wichtig ist, es muss dargestellt werden, warum der Sachverhalt nicht klar ist (also zum Beispiel unterschiedliche Rechtsprechung verschiedener Finanzgerichte, abweichende Meinung der Finanzverwaltung, verschiedene Kommentar-Meinungen usw.). Dann muss der eigene Rechtsstandpunkt dargestellt und ausführlich begründet werden, um das ganze in eine konkrete Frage münden zu lassen usw. usw.

Es geht also meistens um vertragliche Gestaltungen, bei denen Steuerbürger und auch der Steuerberater nicht sicher sein kann, wie das zuständige Finanzamt die steuerlichen Auswirkungen beurteilt.

Bislang sind solche verbindlichen Auskünfte zunächst häufig wegen - angeblicher - formeller Mängel abgelehnt oder zumindest hinausgezögert worden, um das Risiko beim Steuerpflichtigen zu lassen, der meistens in solchen Fällen nicht die Zeit hat, monatelang zu warten, bis das Finanzamt sich mal äußert. Wenn sich das jetzt ändern sollten, wäre das gut, denn meistens geht es um viel Geld und der Steuerpflichtige hat schon für das ganze Verfahren einiges an seinen Steuerberater zu zahlen (ohne fachliche Unterstützung ist das eigentlich nicht zu schaffen), so dass diese Gebühr in aller Regel kein Problem wäre.

Ich finde es allerdings so wie ihr auch allerhand, dass der Gesetzgeber nicht in der Lage ist, klare Gesetze zu erlassen, damit Rechtsstreitigkeiten in Massen heraufbeschwört und deshalb Anfragen heraufbeschwört, die er sich dann noch bezahlen lässt.

LG, Nikoline

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