Kinderfreundlichkeit beginnt mit Mütterfreundlichkeit

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Lillifee

Kinderfreundlichkeit beginnt mit Mütterfreundlichkeit

Post by Lillifee » 27.05.2008, 12:40

Seit Kurzem bin ich Mutter und mir sträuben sich die Haare. Beruflich hörte man auf mich ernst zu nehmen. Ich verschweige nun, dass ich Mutter bin. Gesundheitliche Behandlung und Informationen gab es für mich plötzlich nur noch eingeschränkt (Devise: Zähne zusammen beißen, wir wissen schon, was für sie gut ist). Im Kreissaal wurde ich wie ein Tier behandelt. Ich sehe mich immer wieder mit den seltsamsten Ansichten konfrontiert, die mir Überemotionalität, seltsame hormonal bedingte Persönlichkeitsveränderungen, Dummheit, Schwächlichkeit unterstellen. Auch werde ich sehr ruppig behandelt, wenn ich wegen körperlicher und seelischer Beschwerden Hilfe suche. Oft wird mir Anstellerei vorgeworfen, das Ausmaß dessen, was ich nun als Mutter klaglos ertragen soll, womit ich mich abfinden soll, ist extrem erhöht. Es wird auch kaum noch unterschieden, zwischen mir (meinem Körper, meiner Person) und dem Kind und meiner Beziehung zu dem Kind, so als müsse es auch mir gut gehen, wenn das Kind doch gesund ist und gedeiht und ich es vergöttere.

Nach dieser rauhen Behandlung sehe ich keinen Grund, warum überhaupt jemand Mutter werden möchte. Mir ist es jedenfalls - durch die rohe Behandlung im Kreissaal und all die Geringschätzung, die mir seither zuteil wird - gründlich ausgetrieben worden, jemals wieder Mutter zu werden.

Leider muss ich sagen, dass mir die größten Verletzungen dabei von Frauen zugefügt wurden, was ich mir so extrem niemals vorgestellt hatte.

Ein Kind zu umsorgen erfordert Kraft und ein gutes Selbstwertgefühl. Dazu passt es nicht, Mütter so fertig zu machen.

Um mich herum habe ich gesehen, wie Mütter in den ersten schweren Jahren allein gelassen werden. Dieses Schicksal blieb mir erspart. Ich lebe in den Niederlanden und wurde ab dem Moment, in dem ich vom Krankenhaus nach Hause kam, betreut und begleitet, erst 8 Tage lang durch die Mütterpflegerin und nun vom Beratungsbüro, dass die Kinder die ersten vier Jahre hindurch begleitet. Auch die Männer sind hier viel eher bereit, einen Tag die Woche zu Hause zu bleiben für ihre Kinder und ab der 12 Woche können Kinder ganztags in die Krippe, was denen übrigens sehr gut tut. Ich bin fest davon überzeugt, dass eine Menge der schrecklichen Kindermorde, die in den letzten Jahren durch die Presse gegangen sind, nicht passiert wären, wenn die Eltern dieser Kinder auch so gut begleitet worden wären, wie ich begleitet wäre.

anci

Post by anci » 02.06.2008, 11:32

Hallo Lillifee,

Das liest sich ganz furchtbar was dir dort im Kreissaal passiert ist ,ist dein Kind in Deutschland geb.?.
Ich kann nur von meinen Erfahrung berichten ,ich habe 3 mal entbunden ,und alle 3 geburten wurden super begleitet .
Die Hebammen waren sehr einfühlsam und ich konnte für mich entscheiden was mir jeweils am angenehmsten war.Mein Mann und ich hatten zu keiner Zeit das Gefühl denen auf die Nerven zu gehen.
Bei meiner letzten Entbindung machte die Hebamme sogar den Vorschlag unseren damals 7 Jährigen mit in den Kreissaal zu nehmen ,was wir dann auch taten ,sie hat uns einfach super begleitet ,und ich würds jeder zeit wieder so machen .
lg anci

Lillifee

Entbindung in NL

Post by Lillifee » 02.06.2008, 13:55

Danke für deine Reaktion. Nein, leider habe ich in NL entbunden. Ich wollte eigentlich nach Deutschland, habe aber zulange zugewartet und meine Tochter kam 10 Tage zu früh. Die Niederlande werden ja im Ausland hochgelobt, was deren Hebammen und Hausgeburten und so angeht. Aber das ist alles Käse.

Ich habe mich sehr elend gefühlt, hier im Kreissaal. Es wurde kaum mit mir gesprochen, besonders wenn etwas schief ging und es ging viel schief. Ich wurde autoritär gegängelt, musste in einer Position pressen, in der ich Erstickungsgefühle bekam, die der Hebamme aber gut passte (auf dem Rücken, eingeigelt, Kinn auf die Brust). Danach wurde das Kind sofort weggebracht, ohne dass ich auch nur das Gesicht sehen konnte und ich wusste minutenlang gar nicht wo es war. Auch in diesem Moment sprach niemand ein Wort mit mir. Sechs Wochen später fand eine fünfminütige Nachbesprechung beim Gynäkologen statt. Er warf mir hin, dass es das nächste Mal ein Kaiserschnitt würde - wieder ohne Erklärung. Als ich Fragen stellte, wurde er ziemlich gereizt.

Ich finde es sehr traurig, dass ich mich nun nicht mehr für mehr Kinder entscheiden kann. Aber bei dem Gedanken daran, bekomme ich sofort Atembeschwerden.

Ich bemühe mich zur Zeit, eine Webseite zu schaffen, über die Frauen Entbindungsorte (gleich welche) evaluieren können. Dann können Frauen sich im Voraus informieren, wo es nette Geburtshelfer gibt. Hätte ich bessere Informationen gehabt, hätte ich gewusst, dass das örtliche Geburtsteam verschrieen ist für seine Rohheit und die vielen Fehler. Ich hätte dann woanders entbinden können.

anci

Post by anci » 03.06.2008, 10:34

Ich hätte mir nach meiner ersten Entbindung auch nicht vorstellen können noch 2 weitere Kinder zu bekommen,die geburt hat 18 std. gedauert, und zum Ende hin wurden die Herztöne immer schlechter Kaiserschnitt war nicht mehr möglich,der Kopf lag schon tief im kleinen Becken,und es ging nicht vorran bis die Ärzte drauf kamen das die Nabelschnur viel zu kurz und zu dem noch um Hals gewickelt lag wurd es aufeinmal ganz hektisch im Kreissaal. Die Ärzte haben sich dann für eine Zangengeburt entschieden,was daran unangenehm ist ,der Dammschnitt . Ich hab dann fast 5 jahre gebraucht bis ich mir vorstellen konnte nochmal ein Kind zu bekommen.

Aber was dir passiert ist hab ich von noch keiner anderen Frau gehört, der absolute Horror :eek:

fridaline
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Post by fridaline » 03.08.2012, 11:13

oh je, dass hört sich wirklich nicht sehr gut an:-( Ich habe immer gedacht das Niederlande das Vorbildland sei und nur hier in Deutschland läuft alles schief. Viell auch nicht alles.
Bei mir in der Umgebung hat man vor Müttern eine hohe Achtung, vor allem wenn sie Vollzeit arbeiten gehen. Das ist hier eine Seltenheit.

Ich wünsche dir alles Gute

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