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    Die Frage:
    Hallo, schreibt uns eure schönsten, lustigsten Freizeit- oder Urlaubserlebnisse. Was habt ihr Tolles mit Freunden, der Familie, den Kindern, euren Tieren erlebt? Wir freuen uns über eure Geschichten.

    Die Antwort:
    An der Hand eines Starken

    Es ist schon sehr lange her,... Damals war ich mit vielen anderen in einem Jugendcamp zum bergsteigen in den Schweizer Alpen unterwegs. Alle 2-3 Tage wurden gemeinsame, mehrstündige Touren auf die Berge unternommen. Zugegeben, anfangs hatte man immer ziemlich wenig Lust, sich aufzuraffen und loszuziehen... *lach* ....Aber wenn man dann einmal unterwegs war, war jede Wanderung ein totales Erlebnis. Ich erinnere mich zB. noch gut an eine 2-Tages-Tour, die wir gemeinsam auf den Kärpf unternahmen. Der Aufstieg war beschwerlich. Als Wegzehrung hatten wir trockene Brotscheiben und Schokoriegel dabei. Das klingt nicht sonderlich spannend, aber es ist gut zu transportieren, verbraucht wenig Platz und wenn man ausgepowert und hungrig ist, freut man sich riesig darüber! Genauso wie über die Brunnen mit eiskaltem, glasklarem Wasser an denen man sich so richtig erfrischen konnte zwischendurch. Unser Bergführer ging also voraus, wir Teenager und die Erwachsenen (Betreuer) hinterher. Nach vielen Stunden beschwerlichen Aufstiegs und mehreren Pausen waren wir endlich am Gipfel angekommen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, am Gipfelkreuz zu stehen und seine Augen über die niedrigeren Berge und die Täler hinabgleiten zu lassen. Ja, man denkt erst \"Das ist so anstrengend, ich werde nie ankommen!\", umso mehr ist man einfach von Glück erfüllt, wenn man dort oben steht- auf den Weg zurückschaut, den man gegangen ist...seine Grenzen ausgelotet hat! Insgeheim bewunderte ich unseren Bergführer. Er schien so viel Kraft zu haben...immerhin ist er doch die komplette Strecke schon kurz vorher allein gewandert, um zu schauen ob sie für uns passend ist. Er kennt die Gefahren der Berge und weiß sich entsprechend zu verhalten. Nun, eigentlich dachte ich, dass der Abstieg vom Gipfel sich als wesentlich einfacher erweisen würde. Ich sollte mich getäuscht haben! Es ging über ein rießiges Schneefeld bergab, dass sich mehrere Kilometer in die Tiefe zog! Dort hinab zu laufen ohne wegzurutschen war schier unmöglich! Also wurde entschieden, dass sich jeder eine Plastiktüte sucht und auf dem Hintern den Hang hinunterrutscht. Das war der Punkt, an dem ich verzweifelte... Ich hasste das Gefühl, einen Abhang hinunterzusausen, vorallem wenn es so schnell und unkontrolliert vonstatten geht. Ich entschied mich also, nichts desto trotz den Abhang zu laufen, nicht zu rutschen. Der Versuch scheiterte leider kläglich. Ich versuchte meinen Weg durch den Schnee zu bahnen, aber plötzlich gab es einen Ruck, meine Füße fanden keinen Halt mehr und das Ergebnis vom \"Lied\" war...ich kullerte den Abhang hinunter. Erst ging es auf dem Hintern bergab, verzweifelt versuchte ich mit den Füßen zu bremsen, weil ich schneller und schneller wurde. Das hatte leider nur zur Folge, dass ich mich wie verrückt drehte und schließlich den Abhang rückwärts hinabrutschte. Die Tränen liefen mir über die Wangen, ich war einfach mit den Nerven am Ende. Schließlich dann doch (weitgehend unverletzt) bei den anderen angekommen, die schon auf mich warteten, kam der Bergführer auf mich zu, schaute mir in die Augen und frage \"Sag mal...hast du geweint?\" Irgendwie war es mir peinlich, aber ab dann durfte ich die nächsten Schneefelder an seiner Hand bergabsteigen und er erklärte mir, wie man die Trekkingschuhe am besten in den Schnee rammt um den optimalen Halt zu bekommen. Zwischendurch rutschte ich trotzdem ab..aber ich war sicher an seiner Hand. Weiter unten, nachdem wir die Schneefelder hinter uns gelassen hatten, setzen wir unseren Rückweg ganz normal fort. Ich war unserem Bergführer sehr, sehr dankbar und bewunderte ihn noch ein bisschen mehr. Aus heutiger Sicht muss ich immer schmuzeln, wenn ich daran denke, aber damals- als Teenager- war er eben ein Held in meinen Augen ;) Wir übernachteten schließlich, wie geplant, in einer Berghütte und freuten uns riesig über die warme Mahlzeit! Auch die Toilette an der Hütte war ein Erlebnis! Es gab nur ein kleines Toilettenhäusschen, direkt neben der Hütte...kein Strom...kein Wasserhahn! Die Toilette der Herren bestand nur aus einem Loch im Boden und es gab zwar eine Trennwand rechts und links, aber keine Türe zum abschließen. Das war doch alles sehr ungewohnt! :D Den Abend ließen wir fröhlich in gemeinsamer Runde ausklingen. Am nächsten Morgen standen wir schon sehr früh auf...es muss gegen 6 Uhr gewesen sein. Das fiel mir nicht leicht, aber ich wurde mehr als belohnt! Als ich vor die Hütte trat, ging gerade die Sonne hinter den rießigen Bergen auf. Erst ein schwaches Licht und schließlich kam sie nach und nach ganz hinter den Berggipfeln zum Vorschein. Es raubte mir fast den Atem! Langsam wurde es heller, die Sonne strahlte in ihren wärmsten Farben und der Schnee auf den Gipfeln glitzerte im Licht. Wie kann man es jemandem beschreiben, der es nicht selbst erlebt hat? Nach mehreren Stunden Wanderung bergab sind wir dann alle wieder wohlbehalten, aber sehr erschöpft zu Hause angekommen. Dem Bergführer habe ich herzlich für seine Hilfe gedankt, worauf er sich für diese Tour entschuldigte. Nein, ich habe nichts bereut...es war ein Erlebnis, dass ich nie nie nie vergessen werde. Es war schön, an der Hand eines Starken zu gehen ;)





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