• Kleine und mittlere Unternehmen stehen Fokus, die sich schon eine Zeitlang am Markt…

    Comeback des Neuen Marktes

    Nach der Hiobsbotschaft folgte alsgleich ein Paukenschlag, der es in sich hatte: Erst das drohende Aus der Fusion zwischen Deuscher Börse und London Stock Exchange (LSE), dann die Eröffnung des neuen Wachstumssegments Scale. Der Neue Markt mit seinem Index Nemax, das Pendant zur amerikanischen Technologiebörse NASDAQ, welches 2003 aufgrund des starken Kursverfalls nach dem Höhepunkt der Spekulationsblase geschlossen wurde, hat damit einen geistigen Nachfolger.

    Hintergrund von Scale: Kleine und mittelere Unternehmen, sogenannte KMU, sollen es in Zukunft wieder leichter haben, an frisches Kapital zu gelangen. Gelistet sind zum Start 43 Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen. Mit dabei sind u. a. Finanz- und Technologiefirmen wie etwas FinLab und German Startup Group. Doch auch klassische Industrieunternehmen wie Diskus, Vectron oder Nanogate sind zu finden und mit dem Fußballclub FC Schalke 04 ist sogar eine besondere Anleihe vorhanden. Im Laufe der Zeit sollen weitere Listungen hinzukommen und später soll auch ein spezieller Index eingeführt werden.

    Im Gegensatz zum damaligen Neuen Markt ist in Scale allerdings kein Platz für Start-ups, also Neugründungen. Stattdessen stehen kleine und mittlere Unternehmen im Fokus, die sich schon eine Zeitlang am Markt etabliert haben. Daher existieren Mindestvoraussetzungen, die Firmen erfüllen müssen: der Umsatz muss u. a. bei mindestens 10 Mio. Euro liegen, die Marktkapitalisierung soll 30 Mio. Euro betragen. Hinzu kommt eine verpflichtende Prüfung durch zwei Analysehäuser, die von der Deutschen Börse beauftragt werden. Interessenkonflikte sowie eine neuerliche Spekulationsblase sollen so verhindert werden.

    Der Neue Markt wurde 1997 mitten im Technologie-Boom der Dotcom-Ära geschaffen und war die Heimat von Aktien wie T-Online, SolarWorld oder auch von Skandalpapieren wie ComROAD oder EM.TV. Bis ins Jahr 2000 schossen die Kurse steil nach oben, danach ging es ebenso steil bergab – Insolvenzen und Betrugsfälle dominierten die Medien. Nachdem viel Geld von Anlegern verbrannt worden ist, stellte die Deutsche Börse den Neuen Markt 2003 ein, doch bis heute wirken die Negativschlagzeilen von damals nach: Umfragen zufolge scheut auch heute noch immer ein Großteil der deutschen Bevölkerung aus diesem Grund die Investition in Wertpapiere.

    Letzten Endes ist der Start von Scale aber dringend notwendig. Alle reden von der Industrie 4.0, doch dafür bedarf es nun einmal Kapital, das das neue Segment jetzt liefern soll. Inwiefern die Versprechungen und Hoffnungen Bestand haben werden und ob die neuen Sicherheitsstandard tatsächlich vor erneuten Enttäuschungen wie zu Zeiten des Neuen Marktes bewahren, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Zumal sich private Anleger stets bewusst sein sollten, dass eine Investition in Wachstumsunternehmen oft eine Risikoanlage ist. Gerade Anleihen, die in der vergangenen Zeit gerne als sogenannte Mittelstandsanleihen an Kleinanleger verkauft wurden und die sich zukünftig auch im Scale tummeln werden, sind auch in Zukunft sehr vorsichtig zu bewerten, warnen viele Finanzexperten und Verbraucherschützer.

    Scale ist also gut beraten, für Sicherheit und Anreize zu sorgen. Man könnte die Börse insofern vielleicht sogar mit Casinos vergleichen, in denen man ebenfalls ein wenig Glück benötigt, um das investierte Geld zu vermehren. Auch Casinos haben lange um das Vertrauen der Spieler kämpfen müssen, haben aber daraufhin eine aufwändige Pflicht zur Lizenzierung innerhalb der EU eingeführt und bieten mit Boni für neue Spieler wie z.B. von 888casino auch Anreize, um die Menschen neugierig zu machen. Man könnte also fast meinen, dass die Spielbanken dem Finanzmarkt – zumindest was die Kundenbindung angeht – einen kleinen Schritt voraus sind.

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